Ulrich Schmack ist es leid. Immer wieder muss sich der Chef der Schmack Biogas AG zwei Vorwürfe anhören, zuletzt während des Energiegipfels im Kanzleramt : Die erneuerbaren Energien seien entweder zu teuer oder nicht grundlastfähig, liefern also nur Strom bei Sonnenschein oder wenn der Wind weht.

Also schnappte sich Schmack seinen Wind-Kollegen Aloys Wobben, Chef des Turbinen-Herstellers Enercon, und Solar-Freund Frank Asbeck von Solarworld. Zusammen mit der Universität Kassel erfand das Trio das „Kombikraftwerk“ , das es am Dienstag erstmals öffentlich vorstellte. „Wir wollen zeigen, dass auch die erneuerbaren Energien grundlastfähig sind“, sagte Schmack.

Das Kombikraftwerk ist eine Pilotanlage, die über das Internet 36 Standorte von Windmühlen, Solarparks, Biogas- und Wasserkraftanlagen verknüpft und daraus ein Stromangebot errechnet. Der Windpark Pilsum hinter dem Emsdeich gehört ebenso dazu wie eine Solaranlage im sächsischen Freiberg oder ein Blockheizkraftwerk in Bad Hersfeld in Hessen. Im Maßstab 1:10.000 deckt das Kombikraftwerk vollständig den Strombedarf in Deutschland mit erneuerbaren Energien ab. Das passiert nicht nur theoretisch, sondern ganz real, denn die Anlagen sind tatsächlich am Netz und speisen Strom ein. Prognosen des Deutschen Wetterdienstes helfen, das Angebot von Wind- und Solarstrom zu berechnen.

Die wichtigste Rolle übernehmen die Windanlagen von Enercon, sie machen im Öko-Kraftwerk mehr als 60 Prozent aus. „Windenenergie hält die Kosten schön niedrig“, erläutert Andreas Düser von Enercon. Eine Art Feuerwehrfunktion haben dagegen Schmacks Biogasanlagen: Bei schlechter Wetterlage, wenn etwa morgens in Deutschland der Himmel bedeckt ist, wird ihre Leistung hochgefahren – denn die Anlagen können unabhängig vom Wetter gesteuert werden. Traut sich die Sonne am Mittag dagegen hervor, liefern die Solarzellen Strom und Biogasenergie kann wieder heruntergefahren werden.