Energie Sicherer Ökostrom trotz FlauteSeite 2/2

Produzieren alle Energieträger über Bedarf, so soll ein Pumpwasserspeicher in Thüringen die Energie speichern. Macht allerdings das Wetter einen Strich durch die Rechnung, sind auch die Öko-Anbieter auf einen kleinen Anteil Importstrom angewiesen – und das kann nicht nur ökofreundlicher Windstrom aus Dänemark sein, sondern im Zweifelsfall auch Atomstrom aus Frankreich.

Ob das Kombikraftwerk tatsächlich zukunftsfähig ist, kann noch niemand sagen, denn zurzeit deckt es „nur“ den Strombedarf einer Kleinstadt wie Stade. Würde man dagegen Deutschlands Energiebedarf vollständig auf erneuerbare Energien umstellen, hätte das gravierende Folgen: Schmack schätzt, dass man in diesem Fall zwischen 40.000 und 60.000 Windanlagen bräuchte – zurzeit drehen sich in Deutschland rund 20.000 Mühlen. Millionen Häuserdächer bräuchten azurblaue Solarzellen, die Zahl der Biogasanlagen müsste sich mindestens verdreifachen. Rohmaterial für seine Biogas-Fermenter, die aus Pflanzen und Gülle Strom erzeugen, gebe es genug, glaubt Schmack. „Auf den landwirtschaftlichen Flächen, die im Sommer bislang brachliegen, können wir ausreichend Pflanzen für unsere Anlagen anbauen – das wird nur noch nicht gemacht.“

Doch es gibt noch eine weitere Hürde: das Stromnetz. Denn das Kombikraftwerk verknüpft zahlreiche dezentrale Standorte in Deutschland. Ökostromanbieter fordern daher nicht nur einen leichteren Netzzugang, sondern auch neue Leitungen, die den Strom von A nach B transportieren. „Wir brauchen mehr Platz, nicht nur für neue Windrad-Standorte, sondern auch im Netz“, sagt Düser von Enercon. Das hat schon eine Studie der Deutschen Energieagentur gezeigt. Bis 2015 seien hierzulande rund 850 Kilometer neue Leitungen nötig, um die Energie aus Offshore-Windkraftanlagen einzuspeisen. Doch gegen den Netzausbau sträuben sich bislang die vier großen Energiekonzerne, weil sie Kosten in Milliardenhöhe fürchten.

Geht es ums Geld, gibt sich auch das Ökostrom-Trio recht zurückhaltend. Etwa 13 Cent koste eine Kilowattstunde Strom aus dem Öko-Kraftwerk, sagen die Macher auf Nachfrage. „Das ist zwar doppelt so viel wie eine Kilowattstunde aus rein fossilen Energien“, sagt Schmack, „aber dafür ist unser Strom kohlendioxidfrei produziert und man ist unabhängig von Stromimporten.“

 
Leser-Kommentare
  1. Natürlich ist das Ganze Augenwischerei. Solange "bei ungünstigem Wetter" weiterhin Strom von außen benötigt wird, ist das Ganze eben NICHT grundlastfähig - oder sollen künftig bei Flaute die Computer ausgehen? Mehr noch: das ganze Modell funktioniert nur unter Einsatz eines Pumpspeicherkraftwerks - also mittels Zwischenspeicherung des Stromes, der an sich eben NICHT grundlastfähig ist.

    Solcher Pumpspeicher gibt es in Deutschland vielleicht drei Hände voll. Ihre Kapazität ist naturbedingt äußerst begrenzt, selbst wenn man alle verfügbaren Standorte ausbauen wollte.

    Ein Propaganda-Coup für unkritische Journalisten.

  2. Das Ganze ist mitnichten Augenwischerei, vielmehr ist der Begriff der Grundlastfähigkeit irreführend. Braunkohle- und Atomkraftwerke liefern aussschließlich Grundlast, weil es aus wirtschaftlichen und teilweise auch technischen Gründen nicht anders geht (hohe Investitions- und geringe variable Kosten, Teillastbetrieb sehr problematisch). Entscheidend ist, dass ein bestimmter Leistungsbezug zu jedem Zeitpunkt gedeckt werden kann, und zwar zu Schwachlast- und Spitzenzeiten. Dafür sind auch in einem fossilen Kraftwerkspark Mittel- und Spitzenlastkraftwerke mit niedrigen Volllaststundenzahlen und/oder Pumpspeicher nötig, Atom- und Kohlegroßkraftwerke sind für eine flexible Fahrweise ungeeignet. Ein Kraftwerkspark wie in Frankreich kann nur existieren, weil es Import und Export gibt und z. B. die Schweiz hohe Kapazitäten an Pumpspeichern hat - Stromhandel zum besseren Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch ist völlig normal. Übrigens können adiabate Druckluftspeicherkraftwerke (http://www.ewi.uni-koeln.de/fileadmin/user/Veroeff/EWEC_Paper_Final_2004.pdf) auch in Deutschland in absehbarer Zeit ähnliches leisten wie Pumpspeicher und sind in ihrem Potential nicht annähernd so begrenzt.
    Ist ein hoher Anteil fluktuierender Erzeugung im Netz, muss eben nur der restliche Kraftwerkspark entsprechend flexibel sein. Erdgas- und Biomassekraftwerke sind gut regelbar und sind auch bei niedrigeren Volllaststundenzahlen wirtschaftlich. Entscheidend ist, dass hohe Atom- und Kohleanteile in solch einem Portfolio stören, weil sie auch gigawattweise Strom ins Netz drücken, wenn Schwachlast- und Starkwindzeiten zusammentreffen sollten. Da stellt sich das Grundlast-Argument endgültig auf den Kopf.
    Wer nicht an 100% Erneuerbare glaubt, kann ja für die restlichen paar Prozent Energiemenge auch fossile Gaskraftwerke annehmen, damit werden wir alle gut leben können. Entscheidend ist, dass bei richtiger Weichenstellung und entsprechendem Strukturwandel im Kraftwerkspark zumindest annähernd eine EE-Vollversorgung erreicht werden kann, ohne dass irgendein Computer ausgehen muss.

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