Fischer „Ich bleibe ein Grüner“

Joschka Fischer stellt in Berlin seine Autobiografie vor und demonstriert dabei lustvoll, welches politische Schwergewicht seiner Partei und der deutschen Politik mit ihm verloren gegangen ist.

Es macht ihm immer noch Spaß, das ist weder zu übersehen noch zu überhören: die Kameras, die Blitzlichter, der große Saal voll mit Journalisten. Joschka Fischer hat gerufen, und ein bisschen ist es so, als sei er nie weg gewesen. Der ehemalige grüne Außenminister doziert und scherzt, er verteilt Ratschläge und schweigt beredt. Das ganze Szenario erweckt den Eindruck, als würde an diesem Donnerstag im Leibnizsaal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Weltpolitik gemacht. Dabei wird nur auf sieben Jahre rot-grüner, bundesdeutscher Politik zurückgeschaut.

Besser gesagt: Joschka Fischer hat zurückgeblickt. Ein Buch hat der ehemals heimliche Vorsitzende der Grünen geschrieben, den ersten Teil seiner Erinnerungen an ein "Generationenprojekt", und er legt Wert auf die Feststellung, dass er es selbst formuliert hat, von der ersten bis zur letzten Zeile.

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Seit Anfang der Woche wird sein Buch in der Hauptstadt diskutiert : Fischers Sicht auf "die rot-grünen Jahre", seine Kritik am Russland-Engagement des Ex-Kanzlers Gerhard Schröder, seine Entfremdung von den Grünen. An diesem Donnerstag wird das Buch endlich auch offiziell vorgestellt, der neuerliche Fischer-Hype nähert sich seinem ersten Höhepunkt.

Der vormalige Grünen-Star genießt den Andrang der Journalisten. Auch wenn er zu ihnen immer ein ziemlich ambivalentes Verhältnis hatte, sie in seiner aktiven politischen Zeit genauso verachtet wie benutzt hat. Nun begrüßt er die Hauptstadt-Journaille grinsend mit den Worten: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so freuen würde, Sie wiederzusehen“. Doch dann beginnt er sogleich wieder eine Medienschelte. Denn mit einem Missverständnis will er gleich zu Beginn aufräumen: Eine Abrechnung sei sein Buch nicht, schon gar „keine Abrechnung mit den Grünen“.
Ein bisschen hat sich Fischer über die zugespitzten Schlagzeilen der letzten Tage gewundert, zumindest tut er so. Dabei hätte er als Medienprofi doch wissen müssen, was passiert, wenn der ehemalige Obergrüne seine Partei vor dem Rückfall in „illusionäre und radikale Beschlüsse“ warnt, wenn er Sätze wie „Ich wurde wund gerieben“, „Ich wollte nur noch weg“ oder „Die Tür ist zu“ formuliert. Schlagzeilen gehören schließlich zum Geschäft, egal, ob man ein politisches Projekt oder ein Buch verkaufen will.

Doch nun sitzt der Urheber dieser Worte da und beteuert im dunklen Nadelstreifenanzug mit offenem hellblauem Hemd ganz unschuldig: Es war nicht so gemeint. Er habe vielmehr nur schildern wollen, wie es gewesen sei. „Unter Abrechnung verstehe ich etwas anderes“, sagt Fischer und betont: „Ich bleibe ein Grüner“. Aber natürlich sei er nach seinem Abschied aus der aktiven Politik nicht in den Trappisten-Orden eingetreten und habe kein Schweigegelübde auferlegt. Im Gegenteil: „Ich habe eine Meinung und werde damit nicht hinter dem Berg halten“.

Und dann beginnt Fischer, ganz der Alte, einen einstündigen Parforceritt durch die deutsche und internationale Politik. Er doziert über Kontinuitäten und Diskontinuitäten der deutschen Außenpolitik. Er streift die Türkei und die EU, den Kosovo und Frankreich, die USA, China, Russland. Und natürlich Afghanistan, das momentane Reizthema der Grünen . Dort müsse mehr getan werden, verlangt der Weltpolitiker a.D., „dort steht viel auf dem Spiel“. Er kritisiert die Kriegsführung der USA und zeigt gleichzeitig auf, wie ein Außenminister Fischer darauf hätte Einfluss nehmen wollen: nicht mit weniger militärischem Engagement, sondern mit mehr. „Deutschland hätte die Chance gehabt, das zu beeinflussen, wenn es sich im Süden engagiert hätte“. Stattdessen betreibe die Nato jetzt in Afghanistan eine „selbstzerstörerische Politik“. Aber niemand kann die Amerikaner stoppen. Nicht einmal er.

Leser-Kommentare
    • QUOTE
    • 05.10.2007 um 9:16 Uhr

    'Er beschreibt die eigene Bundespartei als realitätsfern, widersprüchlich, kleinbürgerlich, eitel und zänkisch. In ihr habe fortwährend der "Wunsch über die Wirklichkeit" geherrscht. Maximal 10 bis 20 Prozent aller Entscheidungen seien inhaltlich motiviert gewesen....Das Verhältnis sei "dauerhaft negativ", die Partei ihm schon immer "emotional fremd" gewesen. Das gelte, schreibt er, "bis auf den heutigen Tag".'

    http://www.spiegel.de/pol...

    Alles, was man über Josef Fischer und wie er und seine Sponti-Kamarilla die GRÜNEN Überzeugungen verraten haben wissen muß, hat Jutta Ditfurth aufgeschrieben:

    http://www.gfid.de/gruene...

  1. Fischers Beschreibung der Grünen ist die präziseste Schilderung der Wahrheit. Es wird auch nie aufhören, dass bei den Grünen der Wunsch über die Wirklichkeit herrscht. Das Erspinnen des Wirklichkeitsfadens ist ihre tägliche Pflicht. Aber das alles darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Herr Fischer ein elender Heuchler, kein Schauspieler, sondern ein übler Versteller ist. Ein rotzfrecher Steinewerfer, vor der UNO im Dreiteiler mit Weste, vor dem "Grünen"-Parteitag im Unterhemd.

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