In der Todesstunde gegen 3 Uhr sei seine Familie bei Kempowski gewesen, teilte der Knaus Verlag in München am Freitagvormittag mit. Bis zuletzt konnte auch eine schwere Krankheit ihn nicht bremsen - Kempowski schrieb weiter an einem neuen Buch. Zu seinen beliebten Literaturnachmittagen in seinem Haus im niedersächsischen Dorf Nartum bei Bremen hatte er ebenfalls noch bis zuletzt eingeladen.

Kempowski wurde am 29. April 1929 in Rostock als Sohn eines Reeders geboren. Er gehört seit Jahrzehnten zu den meistgelesenen deutschen Gegenwartsautoren. 

Der Schriftsteller machte sich vor allem als präziser Chronist persönlicher Lebensgeschichten und historischer Ereignisse einen Namen. Eine Auswahl seiner Werke:

Im Block, 1969. Kempowski begründet seinen literarischen Ruf mit einem Roman, in dem er seine acht Jahre dauernde Haftzeit im berüchtigten DDR-Zuchthaus Bautzen autobiografisch beschreibt.

Tadellöser und Wolff, 1971. Mit dem zuerst veröffentlichten Teil seiner neunbändigen Deutschen Chronik gelingt Kempowski der Durchbruch als Autor. Inhalt der historischen
Collage ist seine Rostocker Jugend während der NS-Zeit.

Herzlich willkommen , 1984. Im letzten Band der Deutschen Chronik schildert Kempowski die Erlebnisse seines Alter Egos, des ehemaligen Bautzener Häftlings Walter. Nach seiner Entlassung versucht der Protagonist, sich eine neue Existenz in Westdeutschland aufzubauen.

Hundstage, 1988. Der Roman behandelt den Prozess und die Schwierigkeiten des Schreibens: Der reizbare Autor Alexander Sowtschick wird in seinem abgeschiedenen Sommer-Idyll gestört, kann sein Werk nicht vollenden - und wird sogar eines Mordes verdächtigt.

Das Echolot, 1993 bis 2005. Für das Projekt eines kollektiven Tagebuchs sammelte Kempowski jahrelang die Aufzeichnungen, Briefe und Lebensgeschichten prominenter wie namenloser Menschen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Heile Welt , 1998. Für den Romanhelden, den jungen Lehrer Matthias Jänicke, entpuppt sich das Leben in einem dörflichen Idyll als Scheindasein mit einer Vielzahl von Fährnissen und Fallstricken.

Letzte Grüße , 2003. Kempowskis zweite Geschichte mit dem fiktiven Schriftsteller Alexander Sowtschick als Hauptfigur, der bei einer Lesereise durch die USA auf unangenehme Überraschungen trifft.

Alles umsonst, 2006. In seinem letzten großen Buch befasst sich Kempowski mit der dramatischen Flucht der Deutschen im Kriegswinter 1945 aus dem von der Roten Armee besetzten Ostpreußen.

Die ZEIT hat das Schaffen Kempowskis ständig begleitet. Lesen Sie einige Texte aus unserem Archiv:

Zu Walter Kempowskis 75. Geburtstag

Walter Kempowski vollendet sein Echolot

Ein Chronist des Jahrhunderts

Kempowskis Hamit - sein letztes Tagebuch vom Schriftstelleralltag