Mein Che "Wie Jim Morrison und Janis Joplin"
Che Guevara fasziniert - über Generationen hinweg. Julia Cruz, 27, über stille Proteste, Sehnsüchte nach einem Idol, ein stolzes Südamerika und ein Che-Bildnis in Öl.
Als 1997 die Gebeine des Che Guevara entdeckt und nach Kuba gebracht wurden, war ich 17 Jahre alt und gerade von einem Austauschjahr aus Argentinien zurückgekommen. Die Argentinier waren stolz auf ihren Che, der in der ganzen Welt bekannt und beliebt war. Auch ich war stolz, in Ches Geburtsland gewesen zu sein und verfolgte begierig alles, was zu seinem 30. Todestag geschrieben und gesagt wurde. Kurze Zeit später hing ein Che-Poster an meiner Zimmertür , was meine Eltern an ihre Jugend erinnert haben muss.
Mich faszinierten sowohl der Revolutionär Che Guevara als auch die Zeit, in der Che lebte, und die Werte, die er verteidigte. Gerne wäre ich selbst ein Teil der Studentenbewegung der sechziger Jahre gewesen, hätte ich mit einem Che-Transparent gegen den Vietnamkrieg demonstriert. Ich hatte in Argentinien Armut gesehen, wie es sie in Deutschland gar nicht gibt, und bei Menschen am Tisch gesessen, die das Wenige, was sie hatten, noch mit mir teilten.
Zurück in Deutschland hatte ich das Bedürfnis, etwas gegen die Ungerechtigkeit in der Welt zu tun, aber nicht das Gefühl, dass die neunziger Jahre dafür geeignet waren. Nirgends fand ich einen geeigneten Feind, gegen den ich meine Unzufriedenheit wenden konnte. Die Militärdiktaturen in Argentinien und Chile waren vorbei, und die USA hatten mit Bill Clinton einen demokratischen Präsidenten.
Che Guevara reihte sich in meine Idole neben Jim Morrison und Janis Joplin ein, und ich war glücklich, seine Zitate ohne Übersetzung verstehen zu können. Alles, was ich in dieser Zeit über ihn las, versetzte mich zurück in meine Zeit in Argentinien, an die ich mich wehmütig erinnerte. Mit dem Lied "Hasta siempre comandante" von Carlos Puebla trauerte ich mehr um die Welt, die ich zurückgelassen hatte, als um Che Guevara.
Sieben Jahre später, das Che-Poster hing in meiner Studenten-WG nicht mehr an der Tür, begegnete ich Che wieder. Er begrüßte mich, als ich in Kuba aus dem Flugzeug stieg mit den Worten: "Hasta la victoria, siempre". Jung wie eh und je, lächelte er von riesigen Plakatwänden und sah um vieles besser aus als sein compañero Fidel Castro, dem man die Jahre, die seit dem Sieg der Revolution vergangen waren, deutlich ansah.
Ich war verblüfft. War die Zeit stehen geblieben? Hätte man mich nur mit 17 Jahren nach Kuba geschickt! Da schien die Welt noch in Ordnung zu sein, es gab klare Feindbilder und leuchtende Vorbilder.
- Datum 05.10.2007 - 07:01 Uhr
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Che Guevara hat auf Kuba wirklich Grosses vollbracht.
Er hat geholfen einen rechten Verbrecher durch eine Horde linker Verbrecher auszutauschen. Wer kann das heute noch von sich behaupten.
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