Nobelpreise Exzellenz sichtbar machen!
Der zweite Nobelpreis für einen Deutschen in diesem Jahr ist ein guter Grund zum Jubel. Er zeigt aber auch, dass Spitzenforschung in Deutschland weiterhin außerhalb der Universitäten stattfindet. Ein Kommentar
Kaum haben wir richtig realisiert, dass der Physik-Nobelpreis 2007 zur Hälfte einem deutschen Wissenschaftler Peter Grünberg aus Jülich zugesprochen wurde, da verkündet das Stockholmer Nobelkomitee die Verleihung des Chemie-Nobelpreises an den Berliner Forscher Gerhard Ertl .
Die Freude darüber, dass mit der gestrigen Ehrung für Peter Grünberg die Leistungsfähigkeit der deutschen Forschung international gewürdigt und sichtbar wird, weicht daher erst sprachlosem Erstaunen über die doppelte Würdigung - und dann umso lauterem Jubel.
Und es ist nicht nur nationaler Stolz (Wir sind Handballweltmeister, wir sind Fußballweltmeisterinnen, wir sind Papst, wir sind nobel ), der diesen Jubel so vernehmbar wie berechtigt macht.
Die beiden Auszeichnungen sind wie wenige zuvor ganz im Sinne des Stifters. Alfred Nobel wollte Forschung fördern, die der Menschheit dient. Dass in jedem modernen Computer ein genialer Gedankenblitz von Peter Grünberg steckt, haben wir am Vortag gelernt. Der Nutzen von Ertls Forschung ist mindestens ebenso offenbar.
Gerhard Ertl wird dafür geehrt, dass er die Grundlagen der modernen Oberflächenchemie schuf. Auf ihr basiert die Wirkung von modernen Katalysatoren, mit ihrer Hilfe werden Kunstdünger hergestellt, Autoabgase gereinigt, Brennstoffzellen entwickelt oder Halbleiter produziert.
Beide Preisträger stehen paradigmatisch für den ungeheuren Nutzen, den erstklassige Grundlagenforschung liefern kann. Beide stehen beispielhaft für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Grünbergs Idee wurde zum zentralen Fundament der modernen Informationsgesellschaft, Ertls Forschung dient wie kaum eine andere dem Schutz der Umwelt. Und beide repräsentieren nun weltweit sichtbar einen Wissenschaftsstandort, der neben Elfenbeintürmen auch Leuchttürme errichtet.
- Datum 11.10.2007 - 12:58 Uhr
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Warum werden MPG und HG eigentlich als Auslaufmodelle dargestellt, die moeglichst schnell an die Universitaeten angegliedert werden sollten, wenn zwei Nobelpreuise (!) zeigen dass das System sehr gut funktioniert?
Versthe ich nicht...
@KMurx
Ich verstehe den Kommentar nicht: HG und MPG sind mitnichten Auslaufmodelle (das wird auch nirgendwo in dem Artikel gesagt), sondern eher Leuchttürme der Forschungslandschaft. Bei der Exzellenzinitiative geht es mitnichten darum, die Forschungsgesellschaften abzuschaffen, sondern ähnlich gute Forschungsbedingungen auch an den Hochschulen zu schaffen.
PS: Die Forschungsstellen bei HG und MPG sind in der Regel mit einer Professur an einer Hochschule verbunden (z.B. "MPG-Direktor und Prof.")
Wir müssen in Deutschland exzellente Forschungsbedingungen nicht erst schaffen, wir müssen große Geister nicht aus Harvard, Oxford oder Stanford importieren.
In gewisser Weise tun wir das doch sogar schon:
- Peter Grünberg war als Postdoc eine Zeit in Ottawa,
- Gerhard Ertl arbeitete am Caltech, in Wisconsin und in Berkeley und
- Theodor Hänsch (Physik Nobelpreis 2005) hatte sogar ueber 10 Jahre lang einen Lehrstuhl in Stanford.
Darin sehe ich auch kein Problem, irgendwann wird auch der Tag kommen, an dem ein Nicht-Deutscher an einer deutschen Uni/MPI den Nobelpreis bekommt, und bis dahin freuen wir uns einfach ueber die Rueckkehrer.
P.S.: Hänsch hætten wir um ein Haar wieder nach "Harvard, Oxford oder Stanford" exportiert.
Er bekam den Preis ein Jahr vor der deutschen Pensionsgrenze und hætte ohne ihn und die damit einhergehende Sondergenehmigung wohl im Ausland weiterforschen muessen.
Gut dass er den Preis nicht erst dieses Jahr erhalten hat...
Nun, in diesem Artikel:
--------Zitat--------------
Ein kleiner bitterer Beigeschmack, den schon die Ehrung von Peter Grünberg begleitete, wird mit dem Preis für Gerhard Ertl jedoch noch einmal verstärkt: Spitzenforschung findet in Deutschland zumeist außerhalb der Universitäten statt, in den Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft (Grünberg) oder der Max-Planck-Gesellschaft (Ertl).
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Und in dem Artikel zu P.Gruenberg vom gleichen Autor:
( http://www.zeit.de/2007/4... )
---------Zitat----------
Eine bittere Nachricht aber hält auch dieser Preis bereit: Spitzenforschung findet in Deutschland vor allem außerhalb der Hochschulen statt, an Max-Planck-Instituten oder wie in Jülich an Helmholtz-Zentren. Deshalb ist die Auszeichnung auch eine Mahnung: Forschungszentren und Universitäten müssen enger zusammenarbeiten, die Hochschulen besser ausgestattet werden. Jülich und Aachen haben entsprechende Pläne geschmiedet. Die werden jetzt beispielhaften Auftrieb erhalten.
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Ich weiss einfach nicht, was beim Autor den 'bitteren Beigeschmack' erzeugt?
P.S.: Die bisherigen Kooperationen kenne ich (bin vor ein paar Wochen mit meiner Dipl.Arbeit am MPI/MF & Uni Stuttgart fertig geworden), deshalb wundert mich auch dieses Gerede das im Zuge der Exzellenzinitiative immer wieder auftaucht.
Wie das die Spitzenforschung in die Universitaeten 'zurueckkeheren' muesse, dass die Institute den Schulterschluss mit den Universitaeten suchen muessen, dass die 'Zersplitterung' der Forschungslandschaft beseitigt werden muesse, usw. usf.
Und der Autor scheint ja in dasselbe Horn zu stossen...
Albert Einstein war zum Zeitpunkt seiner Nobelpreisverleihung Schweizer ... das hat schon damals unter diplomatischen Kreisen Verwirrung gestiftet und wie mir scheint auch heute noch.
doch nur deswegen, weil in Verbindung mit dieser Ehrung Dinge wie Nationalstolz, Leistungsfähigkeit des Systems, Forschungsbedingungen in Deutschland etc herangezogen werden.
Was ist denn nochmal der Grund für die Verleihung des NPs?
Das Ergebnis der Lebensleistung(en) und der Nutzen für die Menschheit steht im Fokus.
Ich hielte es für motivierend, das Zusatandekommen einer solchen Leistung detailiert vorzustellen- das ganze andere Brimborium kann weggelassen werden.
Ich kann unabhängig vom Ort und Nationalität diese Leistungen geniessen ;-).
Es wäre doch interessant zu wissen, wie die durch den Nobelpreis geehrten Forscher die enorme Bürokratisierung einschätzen, mit der die deutschen Universitäten im Zuge von "Bologna" und "Exzellenzinitiative" tagtäglich mehr vom Kern ihrer Arbeit abgehalten werden.
Sammy Senkbley
Der Artikel ist unnötig lang, zwei Sätze hätten vollkommen genügt um die Botschaft zu verpacken: "Bin Patriotin. Finde Exzellenzinitiative toll."
Interessanter Weise wird hier an der Yale University und auch an den New Yorker Unis (weiter reicht mein Überblick nicht) die deutsche Exzellenzinitiative weithin als Selbstmord des akademischen Systems angesehen, während sich die MPIs eines guten Rufs erfreuen.
@CarstenH: Ihr PS ist glücklicher Weise so nicht richtig. Die wenigsten MPI-Forscher verschwenden ihre Zeit an den Unis...
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