Nobelpreis Der Trick mit dem Magnetwiderstand
Der deutsche Physiker Peter Grünberg und sein französischer Kollege Albert Fert erhalten den Nobelpreis für eine Entdeckung, die die Kapazität von Computer-Festplatten stark erhöht
Erneut geht der Physik-
Nobelpreis
zumindest zur Hälfte nach Deutschland: Ausgezeichnet wird der Deutsche Peter Grünberg vom
Forschungszentrum Jülich
und der Franzose Albert Fert von der Universität Paris-Süd für die Entdeckung des sogenannten Riesen-Magnetwiderstandes. Das teilte das Karolinska-Institut in Stockholm mit. Die honorierte Erforschung des magnetischen Phänomens hat dazu beigetragen, dass Computer-Festplatten in den letzten Jahren erheblich verkleinert werden konnten.
Die beiden Preisträger hatten den Effekt im Jahr 1988 unabhängig voneinander entdeckt und teilen sich nun das Preisgeld von umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen). Zuletzt hatte 2005 mit dem Münchner Theodor Hänsch ein deutscher Physiker den Nobelpreis erhalten . Er war für Leistungen in der optischen Spektroskopie ausgezeichnet worden.
Der Riesen-Magnetwiderstand (GMR) ist ein mikroskopischer Effekt, der im Inneren magnetischer Materialien auftritt. Das Phänomen wird heute in den Schreib- und Leseköpfen von Festplatten ausgenutzt, die Daten wie Texte oder Musik dauerhaft auf der Magnetscheibe in PCs oder Laptops sichern oder daraus auslesen. Die Herausforderung beim Bau von Festplatten besteht darin, dass die Daten auf der Platte zwar magnetisch gespeichert, im Computer aber als elektrische Ströme weiter verarbeitet werden.
Der GMR-Effekt entschärft dieses Problem deutlich: Er bewirkt, dass sich der elektrische Widerstand eines Materials sehr stark ändert, selbst wenn dessen Magnetisierung nur minimal variiert. So kann bereits das magnetische Umschalten kleinster Speicherzellen auf einer Festplatte dafür sorgen, dass durch die angeschlossenen Leitungen ein ausreichend starker Strom in den Computer fließt, der dort als Datenfluss verarbeitet werden kann.
Forscher und Ingenieure erkannten diesen Vorteil sehr schnell und brachten bereits 1997 die ersten Schreib- und Leseköpfe auf den Markt, die den GMR-Effekt ausnutzten. In der Folge wurden die Festplatten immer kleiner, während ihre Kapazität immer weiter stieg und dank der neuen Technik die Gigabyte-Grenze überschritt. (Ein Gigabyte entspricht etwa einer Milliarde Bytes, das heißt dem Speicherplatz für eine Milliarde Buchstaben oder etwa 300 mp3-Musikdateien.) Heute gehört die Anwendung des GMR-Effekts zur Standardtechnologie in Festplatten.
Wie schon in den vergangenen Jahren geht der Physik-Nobelpreis an Forscher jenseits des Rentenalters, deren ausgezeichnete Leistung zwei Jahrzehnte zurückliegt. Peter Grünberg ist 68 Jahre alt, der Franzose Albert Fert 69. Nach dem Willen des Preis-Stifters Alfred Nobel sollte die höchste wissenschaftliche Ehrung eigentlich an solche Forscher vergeben werden, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben".
Im Bundesforschungsministerium hält man die Preisvergabe hingegen keineswegs für rückwärtsgewandt. Das Anwendungspotenzial des "Grünberg-Effekts" sei bei Weitem noch nicht erschöpft, erklärt Bundesforschungsministerin Annette Schavan eilig in einer Pressemitteilung, und hebt die Bedeutung für die Wirtschaft hervor: "Peter Grünberg hat mit seiner Entdeckung hochwertige Arbeitsplätze in Deutschland und weltweit geschaffen haben", sagt Schavan.
Größer noch als der wirtschaftliche Effekt dürfte der Prestigegewinn für die deutsche Forschungslandschaft sein. Zwei Physik-Nobelpreise innerhalb von drei Jahren, das sieht schon fast nach traumhaften amerikanischen Forschungsverhältnissen aus. Ob die Wissenschaftler hierzulande am Ende tatsächlich besser sind als ihr Ruf?
- Datum 09.10.2007 - 05:28 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 9.10.2007 - 12:33 Uhr
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an Herrn Grünberg.
Aber warum muss denn schon wieder das Haar in der Suppe gesucht werden:
Ob die Wissenschaftler hierzulande am Ende tatsächlich besser sind als ihr Ruf?
Woher wissen denn kluge Journalisten, dass der Ruf deutscher Wissenschaftler nicht gut sei ? Ich bin selbst Physiker und erlebe auf internationalen Kongressen die Deutschen immer an vorderster Front und hoch angesehen von den Kollegen aus aller Welt.
Dass bei uns Spitzenforschung meist aus außeruniversitären Einrichtungen kommt, hat nichts mit mangelnder Qualifikation der Forscher zu tun, sondern in erster Linie mit überbordender Bürokratie und miserabler Finanzaustattung vieler Universitäten.
Der Nobelpreis an Herrn Grünberg (und Herrn Kert) - Gratulation (Insider haben schon länger damit gerechnet). Aber daraus irgendwelche Aussagen über den Zustand der deutschen Forschung oder die Güte der deutschen Forscher ableiten zu wollen, ist vermessen: Schließlich wird ein Effekt ausgezeichnet, der vor 20 Jahren entdeckt wurde. Wenn man schon aus diesem Nobelpreis etwas lernen will, dann dass vor 20 Jahren die deutsche Forschung besser war als ihr Ruf heute.
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