Übernahme SAP kauft Business Objects

Für SAP ist es die größte Übernahme seiner Firmengeschichte. Der deutsche Hersteller von Unternehmenssoftware kauft den französischen Datenbank-Management-Spezialisten Business Objects

Bislang wollte SAP aus eigener Kraft wachsen, anders als der Erzrivale Oracle aus den USA. Nun scheint die Walldorfer Softwareschmiede ihre Strategie zu ändern: Für gut 4,8 Milliarden Euro will das Unternehmen die französisch-amerikanische Softwarefirma Business Objects übernehmen. Das Geschäft ist die größte Übernahme in der Firmengeschichte des weltweit führenden Unternehmenssoftware-Anbieters.

Für eine Business-Objects-Aktie bietet SAP 42 Euro. Die Offerte liegt 20 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag. Der Verwaltungsrat von Business Objects unterstütze die Offerte, teilte SAP am Sonntagabend mit. Ob die Übernahme, die in bar und mit Krediten bezahlt werden soll, zustande kommt, hängt nun davon ab, ob SAP mindestens 50,01 Prozent des stimmberechtigten Grundkapitals angedient bekommt. Zudem müssen die französische Börsenaufsicht und das Finanzministerium in Paris dem Geschäft zustimmen.

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"Der Preis ist aus strategischer Perspektive angemessen", sagte SAP-Chef Henning Kagermann. Die voraussichtlich im ersten Quartal 2008 abgeschlossene Übernahme werde das Ergebnis je Aktie im kommenden Jahr zwar um einen mittleren einstelligen Cent-Betrag verwässern. Schon 2009 werde sich die Übernahme aber positiv auf das Ergebnis auswirken. "Es gibt großartige Synergien", sagte Kagermann, ohne jedoch Zahlen zu nennen. Harte Einschnitte solle es in Folge der gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur und der Verbindung der Entwicklungs- und Vertriebeinheiten nicht geben. "Beide Unternehmen wachsen schnell und planen die Schaffung neuer Stellen."

Business Objects ist auf sogenannte Business-Intelligence-Software spezialisiert, mit der sich große Mengen von Daten auf Trends und Muster hin untersuchen lassen. Wie SAP davon profitieren kann, blieb zunächst offen. Kagermann äußerte sich nicht dazu, wann ein gemeinsames Produkt auf den Markt kommen könne. Analysten äußerten sich kritisch. "SAP sollte mehr nach vorne schauen. Stattdessen begnügen sie sich mit den übrig gebliebenen Resten", sagte Trip Chowdry von Global Equities Research. "Diese Übernahme hätte schon vor drei Jahren passieren müssen." SAP müsse sich stärker auf Gebiete wie SOA konzentrieren - also auf Software, die das Zusammenspiel alter IT-Systeme mit neuen ermöglicht. "Im Krieg von morgen wird Business Objects wenig helfen." An der Börse löste zudem eine Gewinn- und Umsatzwarnung von Business Objects Skepsis aus.

Business Objects zählt 44.000 Kunden - etwas mehr als SAP - und kann den Walldorfern somit beim Erreichen ihres Ziels helfen, bis zum Jahr 2010 die Kundenzahl auf 100.000 zu steigern. "Mit Business Objects vergrößern wir unseren adressierbaren Markt", sagte Kagermann. Dazu soll auch die Vertriebsmannschaft des zu übernehmenden Unternehmens mit zuletzt 1,25 Milliarden Dollar Jahresumsatz beitragen.

Aus Sicht von Branchenexperten wird SAP seine Stellung mit Übernahmen wie der jetzt angekündigten aber kaum verteidigen können. Der US-Konkurrent Oracle hatte im Bemühen, SAP den Rang abzulaufen, in den vergangenen Jahren für insgesamt 20 Milliarden Dollar Firmen aufgekauft, zuletzt Anfang des Jahres den Business-Objects-Rivalen Hyperion.

 
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