Buchmesse Im eitlen Dunst
Schriftsteller zu sein ist nicht immer schön. Sitzen, vorlesen, berühmt werden - und oft interessiert es keinen. Ein Vorbericht zur Buchmesse
Da sitzt einer, ein Autor, erstes Buch und so weiter, und hofft doch so sehr, bei dem ganzen Gesitze, und dem Kopfweh, und dem Schwitzen, dass diese Tage sein Leben verändern mögen. Dass sein Buch die Welt verändert und sein kleines Leben über ein Leben erhebt. Nichts anderes wollte er, in den Jahren, als er schrieb, fragte er sich, was ist, wenn es keiner druckt. Es keiner will, es keiner liebt, mich keiner liebt. Was, wenn ich ein Stück von mir gebe, und keiner will es, das arme Stück, ein Arm, ein Herz und treten darauf.
Werde ich weiterleben wollen. Will nicht weiterleben, wenn mein Buch keiner will. Sagte er sich und schrieb und zweifelte zu Recht, ob er Bestand haben würde, seine Worte, Gedanken, Bestand hätten, und konnte nicht schlafen, der junge Autor und schrieb doch weiter in eine ungewisse Zukunft. Doch dann gab es einen Verlag und es war ihm, wie ein Traum, ein kosmischer Orgasmus, das Ziel seines Lebens und ist nun nichts. Doch das weiß er noch nicht, ahnt es vielleicht, denn er sitzt auf einem Stuhl, Tausende schieben sich vorbei, an ihm, an seinem Buch, und keiner schaut hin.
Der junge Schriftsteller atmet schwer, sein Kopf dröhnt und er muss reden, mit Menschen, die er vielleicht nicht mal grüßen würde anderenorts. Aber er redet, muss doch, will doch wer sein, darum ist er hier, lässt sich anschauen, mit gleichgültigen Blicken, sein Teil, sein Herz in einem Regal-Fach und keiner nimmt es wahr. Ein paar Menschen von Zeitungen fragen ihn, wie es denn so geht. Es geht gut. Und vielleicht schreiben sie etwas über ihn. Vielleicht wird er es schaffen. Aber was nur? Das Privileg, jedes Jahr auf der Messe zu hocken, in Kleinstädten zu lesen, den Preis der katholischen Pfadfinder gewinnen. Wozu?
Die Menschen drängen an Herrn Autor vorbei zur nächsten Attraktion, die keine ist, niemanden interessiert. Mit deutscher Literatur gewordenen Gesichtern schieben sie durch die Hallen. Die Menschen. Und greifen sich an die Herzen, die Lungen, verdrehen die Augen. Ist`s intellektueller Wahn? Die Luft ist es. Die den Besucher abfüllt, ein Gemisch aus Zigaretten, Mensch, Angst und Eitelkeit. Die Buchmesse ist kein Spaß. Ist Ernst.
Die Bibliothek des Jahrtausends, mit immer kürzerer Halbwertszeit, geschrumpft auf die Bücherei eines überfüllten Vergnügungsdampfers, der jährlich versinkt, muss sich erarbeitet werden. Aber wozu nur? Schleppen sich die Besucher nach der schlechten Luft schnappend an Tausenden von Ständen vorbei, worauf hoffen sie? Wonach suchen sie? Nach dem Kontakt zum schreibenden Menschen? Bitte. Da hocken welche. Nicht klar erkenntlich. Alle sehen aus wie alle. Gelb. Die Herren Verleger, Lektoren, Schreiber und Kritiker. So viele Männer, die beste Zeit nie gehabt. Ein Mann muss ein Haus, ein Kind und ein Buch bauen. Millionen, vielleicht sind es auch Milliarden neuer Bücher mit dazugehörigen Schreibern jährlich und jeder versucht, die anderen Milliarden zu ignorieren, weil er ja weiß, viel ist nicht immer gut, sitzt jeder Schriftsteller am Stand seines Verlages, geht durch die Hallen, schaut geringschätzig andere Bücher an und weiß, nur er wird bestehen.
Zählen wir an zwei Händen ab, welcher Schreiber im nächsten Jahrhundert (falls es da noch eines gibt) noch bekannt sein wird, merken wir, zwei Hände sind eine zu viel, doch das will keiner wissen, keiner hören, jeder will wer sein, das ist die Zeit, vorbei, dass Schreiben jenen überlassen wurde, die etwas zu sagen hatten, was wenigstens sie selber hören wollten. In fünfzig Hallen verteilte Schriftsteller, die Verramschung schon um sich, wie einen schlechten Geruch, und jeder glaubt doch, unsterblich zu sein, und trägt die Überlegenheit dessen im Blick, der die Welt erkannt und über den Dingen steht, weil er Worte werden ließ. Sammeln sie schon zu Lebzeiten jeden Erguss, um ihn dem Schriftstellerarchiv zukommen zu lassen, jedes bekritzelte Taschentuch, haben auch Mühe aus dem Grund, sich von ihrem morgendlichen Stuhl zu trennen, die Schriftsteller, zusammengerottet unerträglich, und die Ausdünstung der Eitelkeit macht trübe Sicht auf der Messe.
- Datum 17.10.2007 - 13:45 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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"...Demonstrationen von Baumfamilien,..."
Vielleicht wird mir der Begriff "Baumfamilien", wenn er nicht eine hirnorganische Fehlleistung ist, im Gedächtnis bleiben.
Mehr brauche ich von solch einem bezahlten Schmonzes nicht.
Ich habe meine Bücher, meine Lieblinge; und was ich schreibe, muss keiner kaufen!
So viel Andacht und Verehrung und Kaufbereitschaft und Lese-Wohllust muss mir keiner entgegenbringen.
Ohne auf den Inhalt näher eingehen zu wollen, möchte ich hier konstatieren, dass es mich unerträglich nervt, in der Zeit, und sei es auch "nur" online, eine derartige Fülle von Rechtschreib- und Grammatikfehlern lesen zu müssen.
Wann man "dass" oder "das" schreibt, sind meines Erachtens Basics, die man als Schreiber beherrschen sollte. Auch die Kommasetzung wäre eine Beachtung wert.
Autoren haben Lektoren, die das für sie erledigen. Redakteure sollten das selbst beherrschen, wenn keiner mehr drüberguckt.
Genau das habe ich mir auch gerade als erstes gedacht, als ich anfing, den Artikel zu lesen, und als ich beim x-ten störenden Satzbaufehler wieder stockte, gab ich entnervt auf und habe den Rest bloß noch überflogen.
Nichts gegen Fehler in den Kommentaren, wir Leser sind schließlich meist keine Schreibprofis, aber im veröffentlichen Artikel finde ich sie unerträglich. Kein Wunder das meine eigene Rechtschreibung immer weiter degeneriert, wenn ich schon von Profis keine sauberen Texte mehr vorgelegt bekomme. (Und die Online-Artikel der Zeit schneiden da im Vergleich zu denen anderer Verlage noch gut ab, von Ausrutschern wie diesem abgesehen.)
cu
Genau das habe ich mir auch gerade als erstes gedacht, als ich anfing, den Artikel zu lesen, und als ich beim x-ten störenden Satzbaufehler wieder stockte, gab ich entnervt auf und habe den Rest bloß noch überflogen.
Nichts gegen Fehler in den Kommentaren, wir Leser sind schließlich meist keine Schreibprofis, aber im veröffentlichen Artikel finde ich sie unerträglich. Kein Wunder das meine eigene Rechtschreibung immer weiter degeneriert, wenn ich schon von Profis keine sauberen Texte mehr vorgelegt bekomme. (Und die Online-Artikel der Zeit schneiden da im Vergleich zu denen anderer Verlage noch gut ab, von Ausrutschern wie diesem abgesehen.)
cu
Genau das habe ich mir auch gerade als erstes gedacht, als ich anfing, den Artikel zu lesen, und als ich beim x-ten störenden Satzbaufehler wieder stockte, gab ich entnervt auf und habe den Rest bloß noch überflogen.
Nichts gegen Fehler in den Kommentaren, wir Leser sind schließlich meist keine Schreibprofis, aber im veröffentlichen Artikel finde ich sie unerträglich. Kein Wunder das meine eigene Rechtschreibung immer weiter degeneriert, wenn ich schon von Profis keine sauberen Texte mehr vorgelegt bekomme. (Und die Online-Artikel der Zeit schneiden da im Vergleich zu denen anderer Verlage noch gut ab, von Ausrutschern wie diesem abgesehen.)
cu
@2l84eagle
Zitat: Tja, die feine Kunst der Ironie ist jedermanns Sache nicht.
Dunkel ist der Rede Sinn - meistens reden so Leute, die nichts zu sagen haben.
Es gibt Menschen, die einen an einem sonnigen 21. Juni darauf aufmerksam machen, dass die Tage ab jetzt wieder kürzer werden. Bergs Text erinnert mich an solche Menschen. Ärgerlich, wenn sie einem über den Weg laufen.
Verstehe diese geifernden Kommentare nicht. Der Text schildert
exemplarisch die Sicht eines Autorennewbies auf die Buchmesse. Er
erkennt dort die gleiche Verlogenheit, Verzweiflung, Vergeblichkeit,
Selbsttäuschung, der die meisten von uns immer mal wieder anheimfallen.
In der heutigen "Denk positiv" - Kultur mit ihrem "Immer gut drauf
sein"- Befehl sind Traumfrau Sibylle Bergs Texte eine einzigartige
Wohltat. Dieser hier hat mir direkt aus dem Herzen gesprochen. Die
Kommentare zu Satzbau und Ortographie empfinde ich als Explosion von
Lästerei und Ignoranz. Schönen Tach noch.http://www.adler-audiopic...
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