Musikfilm Die Anti-Beatles aus Gelnhausen

So was Abgedrehtes hatte die Beat-Generation noch nicht gesehen: Mit Tonsur und Strick um den Hals zeigten die Monks den Deutschen 1965, was Pop auch ist. Jetzt kommt ihre Geschichte ins Kino.

Es ist gar nicht so schwer, sich heute vorzustellen, wie überraschend die Musik der Monks in den sechziger Jahren geklungen haben muss. Man lege Black Monk Time auf, das einzige Album der Band, und spiele danach eine Platte der Stones oder der Beatles. Da wird einem einiges klar .

Als Black Monk Time 1965 erschien, hatte die Beat-Musik die Jugend in der Bundesrepublik fest im Griff. Die Beatles eroberten von Hamburg aus die Popwelt. Die Monks waren anders: Während die Pilzköpfe selig in Harmonien schwelgten, zerfleischten und dekonstruierten die Monks ihre Songs bis aufs Gerippe. Statt I Wanna Hold Your Hand sangen sie Call Me, But Don’t Forget – I Hate You . Ein minimalistischer, brachial vorgetragener Rhythmus, dazu Banjo, eine verzerrte Orgel und ein hysterisch schreiender Sänger: Man wäre gerne dabei gewesen, als die Monks mit Rückkopplungen den Beat-Club niederrockten. Oder wenig später, bei einem anderen Fernsehauftritt, als der Moderator irritiert den „neuen Schlager“ der Monks ankündigte: Complication .

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Der Dokumentarfilm The Transatlantic Feedback von Dietmar Post und Lucía Palacios zeigt diese beiden Szenen und widmet sich der wechselhaften Geschichte der Band. Er ist die späte Würdigung einer Gruppe, die ihrer Zeit weit voraus war. Dass dies alles in Deutschland geschah, lange vor Krautrock, macht die Geschichte umso außergewöhnlicher.

The Monks waren Originale, als viele andere Formationen nur ihre Vorbilder kopierten. Fünf schwarz gekleidete amerikanische Ex-GIs mit Mönchsfrisuren und um den Hals gebundenen Galgenstricken: Popgruppen sahen nicht nur damals anders aus. Als die Haare in den sechziger Jahren länger wurden, rasierten sich die Monks Tonsuren. Einmal Monk, immer Monk.

Das Konzept der Band hatten die Deutschen Karl Remy und Walther Niemann entwickelt. Sie formten die Monks aus der unbedeutenden Beatkapelle The Torquays und wurden ihre Manager. Remy studierte an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, Niemann an der Folkwang-Schule in Essen. The Monks wurden durch sie auch zu einem Kunstprojekt. Man mag Fluxus, Futurismus und Dada bemühen, doch eigentlich war es schlicht die Kunst der Reduktion, die die Monks verinnerlicht hatten. Niemand klang 1965 wie diese fünf ehemaligen amerikanischen Soldaten, die der Zufall im hessischen Gelnhausen zusammenführt hatte. In ihrer Musik deutete sich an, was erst Jahre später zum Stil werden sollte: Avantgarde, Krautrock, Punk, Industrial und – wenn man so will – sogar Techno, dank der repetitiven Rhythmen. Sie spielten in deutschen Clubs und Landgasthäusern, gaben bisweilen drei Konzerte täglich, an sechs Tagen in der Woche.

Diese Geschichte in einem Film zu erzählen, ist ein ebenso verlockendes wie gefährliches Unterfangen: Wo ist die Grenze zwischen Mythisierung und Wirklichkeit? Dietmar Post und Lucía Palacios ist The Transatlantic Feedback besonders deswegen geglückt, weil sie neben den Bandmitgliedern auch ihre Zeitgenossen zu Wort kommen lassen und das Geschehen in den historischen Kontext einordnen – zwischen Adenauer-Politik und Vietnamkrieg.

Fünf ehemalige GIs in Hessen

Fünf ehemalige GIs in Hessen

In den unterschiedlichen Karrieren der Monks-Mitglieder, in ihren Gesichtern, deutet sich zugleich die ganze Tragik dieser Geschichte an. David Bowie hat einmal gesagt, es sei nicht so wichtig, wer etwas zuerst mache. Entscheidender sei, wer es als Zweiter mache. Die Nachfahren haben den Ruhm geerntet, den eigentlich die Monks verdient hätten. Gerecht war die Popwelt noch nie. The Transatlantic Feedback lässt den Zuschauer aber zumindest an eine späte Wiedergutmachung glauben. Dass da im Deutschland der Sechziger etwas Bedeutendes entstanden ist, hat sich in Musikerkreisen längst herumgesprochen. Jon Spencer, The White Stripes und Faust nennen The Monks eine wichtige Inspirationsquelle. Einige von ihnen kommen im Film zu Wort. Dass die beiden Macher im Hintergrund, Niemann und Remy, nur auf vergilbten Fotos auftauchen, ist ein kleiner Schwachpunkt der Dokumentation. Gern hätte man ihre Sicht der Dinge erfahren, aber sie wollten sich nicht dazu äußern.

Die Monks scheint die Hommage beflügelt zu haben. Während der Film in den deutschen Kinos anläuft, stehen sie wieder auf der Bühne. Vergangenes Jahr ist zudem die Tribute-CD Silver Monk Time erschienen, auf der unter anderem The Fall , die Goldenen Zitronen , Jon Spencer , Mouse On Mars und Jason Forrest ihre Stücke zu neuem Leben erwecken. Radikaler als die Originale klingt jedoch keine der Neuinterpretationen. Vielleicht gilt, was Olifr M. Guz, der Sänger der Schweizer Band Die Aeronauten, schon vor einigen Jahren dem Fanzine superstar anvertraute: „Die Monks sind original, sie zu kopieren, bedeutet zu scheitern, sie zu suchen, heißt sich selbst zu finden. Geh raus und tu es!“

Monks – The Transatlantic Feedback läuft aktuell im Kino. Sehen sie hier den Trailer »

Das Tribute-Album Silver Monk Time – A Tribute To The Monks ist bei play loud! Productions erschienen.

The Monks im Konzert: 13.10. Krems (Österreich), Klangraum; 15.10. Frankfurt, Mousonturm

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    • Quelle ZEIT online, 10.10.2007
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