Pflege Nur ein erster Schritt
Um Pflege und Familie vereinbaren zu können, braucht es sehr viel flexiblere Lösungen als das neue Gesetz plant, sagt Stefan Becker von der Initiative "Beruf und Familie".
ZEIT online: Ist die gerade beschlossene Pflegereform ein Schritt in die richtige Richtung?
Stefan Becker: Grundsätzlich ja. Aber es ist noch einiges offen geblieben. Zum Beispiel die Umsetzung. Und die Rolle der Unternehmen dabei. Gerade was die Einbeziehung der Arbeitgeber angeht, wird man noch nachbessern müssen.
ZEIT online: Ulla Schmidt hofft, dass der Beschluss in der Gesellschaft ein Umdenken anstoßen kann. Genügt das?
Becker: Es ist ein erster Schritt. Reichen wird es sicher nicht. Bis hin zu einem Selbstverständnis, wie wir es heute bei der Betreuung von Kindern haben, ist es noch ein weiter Weg.
ZEIT online: Das aber kann doch der Gesetzgeber nicht regeln, das ist doch ein gesellschaftliches Phänomen, oder?
Becker: Sicher. Daran aber würde ich das Gelingen einer Pflegereform messen: Welchen Stellenwert das Thema Pflege hat. Dahin ist es noch weit.
ZEIT online: Was kann der Gesetzgeber tun, um Unternehmen zum Nachdenken anzuregen?
Becker: Zum Beispiel hätte man durchaus gesetzlich regeln können, auch bezahlten Pflegeurlaub anzubieten. Da hat der Gesetzgeber noch Spielraum, den er nicht ausgeschöpft hat. Und wir müssen auch arbeitsmarktpolitisch etwas tun und sehen, wie weit sich Unternehmen und Arbeitnehmer überhaupt erlauben können, sechs Monate unbezahlten Urlaub zu nehmen. Das ist ein nettes Angebot, ob es den Bedarf trifft und praktikabel ist, werden wir sehen.
- Datum 17.10.2007 - 07:54 Uhr
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