Kreditkrise Banken erwägen Notfallfonds

Viele Geldhäuser haben durch die Finanzkrise Verluste in Milliardenhöhe gemacht. Außer Gefahr sind sie noch nicht. Mit einem Hilfsfonds wollen sie sich nun selber retten

Wenn es auch den Aktienkursen nicht anzumerken ist : Die Krise, die seit Ende Juli die Finanzmärkte aufwirbelt, ist noch nicht ausgestanden - stattdessen mehren sich die Anzeichen, dass sie auf die Realwirtschaft übergreift. Auch die großen Banken sind noch nicht außer Gefahr. Nun wollen sie sich selber retten: Am Wochenende sickerte durch, dass internationale Großbanken über einen Hilfsfonds beratschlagen, mit dessen Hilfe im Notfall marode Hypothekendarlehen und andere Finanzinstrumente aufgekauft werden könnten. Damit solle weiterer Schaden verhindert werden, hieß es. Wie viel Geld der Fonds bereithalten soll, ist noch nicht ganz klar - die Rede ist von 80 bis 100 Milliarden Dollar.

"Die Banken haben unkluge Entscheidungen bezüglich ihres Geschäfts getroffen und versuchen nun krampfhaft, sich irgendwie zu retten", sagte Steve Persky von Dalton Investments in Los Angeles. Viele Banken haben entweder selbst in komplizierte Wertpapiere investiert, deren Bonität jetzt ins Gerede gekommen ist, oder über Tochtergesellschaften solche Papiere herausgegeben, um ihr Geschäft zu finanzieren. Ob als Gläubiger oder Kreditnehmer: Würden die Papiere faul (oder auch nur im Wert fallen), könnte das die Geldhäuser empfindlich treffen. Als Kreditnehmer verlören sie an Bonität und hätten nur noch schwer Zugang zu neuen Darlehen. Als Gläubiger müssten sie wegen des Wertverlusts hohe Abschreibungen vornehmen. Ein Fonds, der notleidende Papiere aufkauft und so etwaige Kursverluste minimiert, könnte den Schaden begrenzen.

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Nach Presseberichten stehen sogenannte Strukturierte Investmentvehikel (SIV) im Mittelpunkt der Debatte. Das sind Tochterfirmen von Banken, die sich zu günstigen Konditionen verschulden und dann das geliehene Geld längerfristig zu höheren Zinsen am Kapitalmarkt anlegen - ein Modell, das auch die gestrauchelte Sachsen LB verfolgte. Gerade die SIV gerieten durch die Finanzkrise in Schwierigkeiten. Wie die FAZ in ihrer Montagsausgabe berichtet, verfügen SIV weltweit über rund 400 Milliarden US-Dollar. Alleine die Citigroup soll etwa 100 Milliarden Dollar ihres Kapitals in SIV gesteckt haben. Darüber hinaus haben viele Geldhäuser, darunter die Citigroup, Merrill Lynch und UBS in den vergangenen Wochen wegen der Krise Milliarden-Abschreibungen angekündigt.

Citi ist eine der Großbanken, die an den Plänen zum Notfallfonds beteiligt sein soll, neben JP Morgan Chase und der Bank of America. Die drei Banken äußerten sich in der Angelegenheit nicht. Auch die Deutsche Bank bestätigte eine Beteiligung an dem Projekt nicht, und die Großbank HSBC wollte sich ebenfalls nicht äußern. Wie es hieß, könnten noch weitere Banken und Investoren dem Fonds beitreten.

Vertreter des US-Finanzministeriums sollen die Gespräche zwischen den Banken organisiert haben. Steuergelder sollen jedoch nicht fließen. Ein Notfallfonds wäre durchaus im Interesse der Politik, denn er würde, indem er die Schäden der Banken begrenzt, auch das Risiko einer Kreditklemme und somit einer Rezession minimieren. Wie das Wall Street Journal am Samstag berichtete, hat auch die Regulierungsbehörde in Großbritannien britischen Banken vorgeschlagen, sich an dem Fonds zu beteiligen. Möglicherweise wird er schon an diesem Montag offiziell gegründet.

 
Leser-Kommentare
  1. Der amerikanische Immobilienmarkt umfasst ca. 100 Millionen Einheiten - davon sind 2/3 Einzel- und Reihenhäuser (single-family detached/attached homes), ein gutes Viertel Appartements und der Rest Mobile Homes etc.
    (www.census.gov/hhes/www/h...).

    Seit 2001 sind die Preise für Immobilien im US-Durchschnitt um 63,5%, in California und Florida um ca. 120% gestiegen (www.ofheo.gov/media/hpi/1...). "The the average sales price of new houses sold in August 2007 was $292,000." (www.census.gov/const/newr...).

    Das sind belegte Fakten - Meinungen über die Auswirkungen der Immobilienblase gleichen eher dem Blick in die Kristallkugel.
    Daher rechne ich einmal überschlägig: Wenn von den 100 Mill. Wohneinheiten nur 10 Prozent auf der Kreditseite Wertberichtigungen von durchschnittlich US$ 100.000 erfordern, weil die Kreditnehmer zahlungsunfähig, die Immobilien unverkäuflich und die erzielbaren Mieten nicht kostendeckend sind, dann lösen sich "Asset Backed Securities" in Höhe von einer Billion Dollar in Luft auf. vielleicht sind es "nur" 500 Milliarden - vielleicht aber auch mehr. Bei diesen Relationen ist das geplante Volumen des Rettungsfonds von 80 bis 100 Mrd. US$ lächerlich. Es gleicht dem verzweifelten Versuch, einen brennenden Jumbojet mit einem Eimer Wasser zu löschen. Daher gilt: "Gold und Öl, das lieb' ich sehr".

  2. Hier wird deutlich, wie doch die klassische Literatur in das Handeln von Menschen und Märkten hineinwirkt:
    Sorgfältig ist der"Münchhausen" studiert worden, der sich in einer seiner Stories an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zieht.

  3. Wenn jemand ruhig bleiben kann während andere in Panik ausbrechen, so versteht er vielleicht nicht den Ernst der Situation. Andererseits unterschätzt man wohl doch mal wieder die Stärke der amerikanischen Wirtschaft. JPMorgan schrieb beispielsweise 1,3 Milliarden ab und fuhr dennoch heute einen neuen Rekordquartalsgewinn von 3,4 Milliarden ein, noch 100 Millionen mehr als im vorigen Quartal. Auch den hunderten von globalisierten Giganten wie IBM, Intel und United Technologies geht es besser denn je, denn sie profitieren sämtlich vom niedrigen Dollar.

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  • Quelle ZEIT online, reuters, ae.
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