Besser wirtschaften
Mehr Mut zum Streit
Wer sozial wirtschaften will, muss die Systemfrage stellen - und die bestehenden Machtverhältnisse ändern. Eine Antwort auf Friedrich Schneider
Dass sich die "meisten unserer gravierenden sozialen, ökologischen oder ökonomischen Probleme... nur bottom-up, also mit Einsicht und Wollen der betroffenen Bürger lösen (lassen)", darin stimme ich mit Herrn Schneider überein. Mein Verständnis dessen, was damit gemeint ist, unterscheidet sich jedoch erheblich von seinem.

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Die meisten unserer großen sozialen und ökologischen Probleme sind nicht aus mangelnder Einsicht der Betroffenen entstanden. Sie sind das Ergebnis von Mechanismen und Machtverhältnissen, die den Einzelnen als objektive Sachzwänge - der Globalisierung, der Finanzmärkte - erscheinen, an denen sich wenig ändern lässt. Hinter diesen stehen Personen, Unternehmen und Institutionen, die von den Missständen profitieren und daher versuchen, die grundlegenden Strukturen aufrechtzuerhalten.
Das ist natürlich kein "weitsichtiges Wirtschaften", aber es ist die Wirklichkeit der kapitalistischen Marktwirtschaft. In ihr wächst der Reichtum einer Minderheit, während gleichzeitig Armut und soziale Notlagen zunehmen. Weltweit, in Europa und in den einzelnen Ländern. Die allermeisten Menschen können sich nicht aussuchen, ob und wie sie arbeiten wollen. Sie sind darauf angewiesen, die Arbeit anzunehmen, die sie bekommen können. Viele bleiben trotz Arbeitsbereitschaft arbeitslos. Die meisten arbeiten fremdbestimmt in einem Rhythmus, mit Methoden und an Produkten, auf die sie kaum einen Einfluss haben.
Vielfach haben Finanzinvestoren das Kommando übernommen. Sie verfolgen nur noch den Zweck, das Geld, welches an der Spitze der Gesellschaft angehäuft wird, weiter zu vermehren. Mit der Drohung der Abwanderung setzen sie Regierungen und Parlamente unter Druck, die Gewinnsteuern zu senken, öffentliche Güter zu privatisieren, Sozialleistungen abzubauen. Sie verursachen regelmäßig ökonomische Krisen, von denen in erster Linie die Menschen betroffen sind, die hierfür keinerlei Verantwortung tragen.
Der Hinweis auf den letztlich selbstzerstörerischen Charakter dieser Art des Wirtschaftens ist zwar richtig, hilft jedoch wenig, solange die Rahmenbedingungen weiterbestehen: die Dominanz und Konkurrenz privater Unternehmen auf weitgehend deregulierten Märkten.
Die Suche nach "dezentralen, zivilgesellschaftlichen und direkt demokratischen Institutionen" von denen Herr Schneider spricht, ist zwar sympathisch. Die Beschränkung hierauf läuft aber Gefahr, die ökonomische und politische Großwetterlage aus dem Auge zu verlieren. "Weitsichtiges Wirtschaften" erfordert auf Dauer die Änderung dieser Großwetterlage und der dahinter stehenden Machtverhältnisse. Die Herausforderung besteht in einer durchgreifenden Demokratisierung der Wirtschaft: in den Betrieben und Unternehmen, in den Regionen, den Staaten und in den internationalen Institutionen.
- Datum 16.10.2007 - 12:24 Uhr
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- Serie Besser wirtschaften
- Quelle ZEIT online
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..dieses Artikels ist eigentlich Hausverstand, bzw. sollte es sein. (Was keine Kritik an diesem Artikel ist, im Gegenteil).
Mir persoenlich ist dieses Dilemma schon seit ich 14 bin bewusst (also so 16 jahre), und ich bin mir sehr sicher den meisten andren Menschen hier in Europa, zumindest jenen die sich etwas mit Politik beschaeftigen, ebenso.
Das das "Teilen", auch mit Menschen die es eventuell "nicht verdient haben" eine der wesentlichsten Grundfesten des "Erfolgs" unserer Spezies ist sollte jedem Menschen klar sein. Das lernt man schon als Kind im Umgang mit der Familie - teile ich nicht, gibts Streit.
Und im Falle der Gesellschaft, gibts Mord und Totschlag.
Lustig, das es Leute gibt die das nicht so sehen - und diese halten offensichtlich auch den Grossteil der Entscheidungs-Macht auf diesem Planeten.
Und ich hatte noch keine Gelegenheit mit so jemanden zu diskutiere, weil auf der Strasse scheint keiner jemand zu sein, der "nicht teilt".
Somit hoffe ich auf einen Post hier, von einem dieser "jeder kann/soll/muss es schaffen" - eine der unlogischten und inkonsistentesten General-Aussagen die ich je gehoert habe. (wuerde wirklich jeder es schaffen koennen, muss mir mal gezeigt werden, wie eine Baufirma arbeitet, die ausschliesslich aus Managern besteht).
Bin schon gespannt,
Danke,
W
Ich kann Herrn Huffschmid nur zustimmen. Die für wissenschaftliche Theorien eher esoterisch anmutende "invisible Hand" führt bei gegebenen Strukturen eben nicht zum Gemeinwohl. Das individuelle Maximieren des egoistischen Eigennutzens führt eben nicht zu einer Maximierung des Nutzens für die Gesamtgesellschaft. Wer so argumentiert lässt, wie Herr Huffschmid ganz richtig bemerkt, bestehende Macht- und Herrschaftsverhältnisse außer Acht.
Vielen Dank für diesen Artikel, Herr Huffschmid.
Es ist schon merkwürdig, dass in den Angaben zu Jörg Huffschmids beruflichem Werdegang seine kommunistische Vergangenheit (Huffschmid war in den 80er-Jahren Vorstandsmitglied der DKP) einfach unterschlagen wird.
Dabei ist dieses kleine Detail aus Huffschmids Biografie durchaus wichtig, wenn man seine Aneinanderreihung ideologisch verblendeter Behauptungen richtig einordnen will - wie z.B. Huffschmids Aussage, in der "kapitalistischen Marktwirtschaft" wachse nur "der Reichtum einer Minderheit", was schlichtweg eine Lüge ist!
der "Altmeister Marx" dessen Hauptwerk immer noch die Ehre hat, gelegentlich von einer der größten Deutschen Banken an gute Kunden verschenkt zu werden, würde sich ob des Gebrabbels auch blos im Grab umdrehen.
Von Herrn Ulianow schweigt des Sängers Höflichkeit!
Lustig fand ich besonders die Forderung nach einer "Demokratisierung der Wirtschaft". So ein Quatsch funktioniert nicht einmal in einer Genossenschaft wirklich, geschweige denn in internationalen Produktionsprozessen!
der "Altmeister Marx" dessen Hauptwerk immer noch die Ehre hat, gelegentlich von einer der größten Deutschen Banken an gute Kunden verschenkt zu werden, würde sich ob des Gebrabbels auch blos im Grab umdrehen.
Von Herrn Ulianow schweigt des Sängers Höflichkeit!
Lustig fand ich besonders die Forderung nach einer "Demokratisierung der Wirtschaft". So ein Quatsch funktioniert nicht einmal in einer Genossenschaft wirklich, geschweige denn in internationalen Produktionsprozessen!
mal ein Silberstreifen am Horizont. Wenn dem Kapitalismus Grenzen gesetzt werden, entsteht noch lange kein Kommunismus, auch wenn sich die Paranoiker schon hier eingefunden haben und drauflos schimpfen.
Wer sich für den hemmungslosen Kapitalismus entscheidet, muss sich auch mit den Folgen abfinden. "Winterhart" möchte gerne exorbitante Strompreise bezahlen, will aber nicht von hungernden Arbeitslosen überfallen werden.
Eine Diktatur will er auch nicht, oder? Sonst lässt sich aber auf die Dauer die Bereicherung der Oberschicht an der Mehrheit der Bevölkerung nicht sichern. Also Überwachungsstaat?
Das über 150 Jahre alte Werk von Marx (der zweifelsohne ein großer Denker und Philosoph war) lässt sich nun mal nicht ohne weiteres auf die heutige Zeit anwenden.
Zum Artikel Huffschmied: Ich bin mir nicht so sicher, dass ich eine Welt,
...in der durch gesamtwirtschaftliche Steuerung alle genau ihren Fähigkeiten entsprechend arbeiten und bezahlt werden und
...in der diese Arbeiter aber durch "stark progressive Einkommenssteuer" netto alle mehr oder weniger das gleiche bekommen,
besser finden würde.
Wo bleibt denn da der Leistungsanreiz? Wie soll das funktionieren?
@ AktenzeichenXY: Heißt das, Sie erkennen in dem Konzept einer Planwirtschaft, in der durch "stark progressive Besteuerung" am Ende für alle mehr oder weniger der gleiche Verdienst rauskommt (also das erwirtschaftete Sozialprodukt im Großen und Ganzen fast gleichmäßig auf Alle verteilt wird), keine kommunistischen Ansätze?
Genau! Denn in diesem Artikel wird die Errichtung der kommunistischen Gesellschaft gefordert!!
Denn per Definition zeichnet sich diese dadurch aus, dass jeder nach seinen Fähigkeiten seiner Beschäftigung nachgehen kann und nach seinen Bedürfnissen leben kann. Genau das wird im Artikel gefordert.
Es gibt da nur ein klitzekleines Problem. In einem knapp 90 jährigem Experiment wurde nachgewiesen, dass das nicht funktioniert.
Wenn es jedoch einmal dem "Frank & Stein GenLab" einmal gelingen sollte den Menschen "Neuen Typus" zu kreieren, wer weis, wer weis!
Genau! Denn in diesem Artikel wird die Errichtung der kommunistischen Gesellschaft gefordert!!
Denn per Definition zeichnet sich diese dadurch aus, dass jeder nach seinen Fähigkeiten seiner Beschäftigung nachgehen kann und nach seinen Bedürfnissen leben kann. Genau das wird im Artikel gefordert.
Es gibt da nur ein klitzekleines Problem. In einem knapp 90 jährigem Experiment wurde nachgewiesen, dass das nicht funktioniert.
Wenn es jedoch einmal dem "Frank & Stein GenLab" einmal gelingen sollte den Menschen "Neuen Typus" zu kreieren, wer weis, wer weis!
Eine progressivere Einkommenssteuer könnte die schlimmsten Auswüchse des Kapitalzuwachses auf der einen und des stetigen Kapitalabflusses auf der anderen Seite ausgleichen.
Sehen Sie sich die Einkommensentwicklung der letzten Jahre an, im unteren Drittel schmilzt alles weg (wg. Hartz IV, Dumpinglöhnen, Mini-Jobs)
Beispiel: Skandinavien, wo man als Normalverdiener noch die Möglichkeit hat, durch Arbeit am Wohlstand teilzuhaben. Das ist in Deutschland nicht mehr gegeben. Selbst Ingenieure müssen sich schon in Leiharbeit verdingen.
Anderes Beispiel: USA, ca. 500 Milliardäre, die stetig reicher werden, dem gegenüber haben 47 Millionen Menschen keine Krankenversicherung! Das Geld der einen fließt in die Taschen der anderen.
Es kann nicht das Ziel einer Demokratie sein, Kapitaleigner so sehr zu privilegieren. Es ist leistungsfeindlich und überhaupt nicht innovativ, wenn die s. g. Elite hauptsächlich aus Mitgliedern der Oberschicht besteht. Die soziale Mobilität fehlt.
Kapitalismus ohne Grenzen muss schliesslich totalitär werden. Darum ist es folgerichtig, dass die USA Kriege führen. Weiterhin, dass die USA und China sich ähnlicher werden, Menschenrechte werden mit Füßen getreten. Wie weit gehen Sie denn bei der Profitmaximierung, würden Sie keine Grenzen setzen? Wenn ja, wie und wo?
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