China Die Bauernfrage
Chinas Wirtschaft boomt - doch besonders auf dem Land mangelt es an Rechtssicherheit, Sozialsystemen und Umweltschutz.
China ist die Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft. Symbolhaft stehen dafür die neuen glitzernden Innenstädte der Metropolen und der ungezügelte Kapitalismus mit seinen zum Teil furchtbaren Arbeitsbedingungen. In Vergessenheit gerät dabei, dass 800 Millionen Chinesen – rund 60 Prozent der Gesamtbevölkerung – auf dem Land wohnen. Das Gros dieser Chinesen ist zwar arm, lebt aber nicht mehr im Elend.
Dennoch ist in China die Lage der Bauern zu einer der zentralen Zukunftsfragen geworden. Proteste und Übergriffe gegen staatliche Institutionen häufen sich in einem Ausmaß, das selbst die herrschenden Kommunisten nicht mehr ignorieren können. Kleinere Bauernaufstände gehören inzwischen zur Normalität. Was ist geschehen?
Unter der Regentschaft von Mao Tse-tung zählte man Ende der siebziger Jahre noch 250 Millionen Chinesen zu den absolut Armen. 2007 sind es dagegen offiziell nur noch knapp 24 Millionen Menschen, die mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 90 US-Dollar auskommen müssen. Zwar ist die Zahl der sehr armen Chinesen mit Sicherheit höher – allein die große Zahl Wanderarbeiter ist nicht richtig erfasst. Dennoch gilt der Sprung Chinas von der absoluten zur relativen Armut heute als entwicklungspolitische Meisterleistung. Landwirtschaftsreformen hatten dies in den späten siebziger und achtziger Jahren möglich gemacht. Und: Das durchschnittliche Einkommen der Landbevölkerung wächst auch heute noch.
Ein Städter jedoch verdient heute im Durchschnitt mehr als das Dreifache eines Landbewohners. Die Folge ist eine starke Landflucht, die sich in der immensen Zahl an Wanderarbeitern zeigt: 200 Millionen Menschen ziehen augenblicklich durch China, um in den Wirtschaftszentren eine – für städtische Verhältnisse meist schlecht bezahlte – Arbeit zu finden. Dem traditionell starken Kontrollwunsch des chinesischen Staates sind diese Arbeiter entglitten.
Die gewaltigen Einkommensunterschiede sind vor allem das Ergebnis regionaler Entwicklungskonzepte der vergangenen 25 Jahre. Zahlreiche Sonderwirtschaftszonen an der Ostküste wurden mit staatlichen Vergünstigungen gefördert. Investoren aus dem Ausland – oft Chinesen aus Hongkong, Taiwan oder den USA – fanden in diesen städtischen Industriezonen günstige Produktionsbedingungen. Manche dürfen eben zuerst reich werden, hieß die Losung des damals herrschenden Wirtschaftsreformers Deng Xiaoping. Die Reformer hofften, dass der steigende Wohlstand des Ostens in der Folge auch den weniger entwickelten Gebieten im Landesinneren zugutekommen würde. Ein Effekt, der so aber nicht eingetreten ist.
- Datum 01.11.2007 - 13:30 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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China ist mittlerweile vom Schwellenstaat zu einem der größten Umweltverschmutzer der Welt avanciert. Nur ein Beispiel: Der 3-Gorges-Damm blockiert jetzt den Fluss völlig, und dahinter sammeln sich die Fäkalien einer Zwölfmillionenstadt ohne irgendwelche Kläranlagen in unvorstellbarer Menge. Das Land erstickt im eigenen Dreck, wohin man blickt. Kinderausbeutung ist schlimmer als einst im England des Karl Marx.
"Die Industrialisierung erreicht die ländlichen Gebiete: Ein Baumwollfeld in der Provinz Xinjiang"
Sehr geehrter Herr Richter,
die Schwerindustrie, z.B. Stahl, ist schon seit den 50iger Jahren auf dem Lande untergebracht, um im Kriegsfalle weit weg vom "Schuss" zu sein.
Insgesamt scheint mir Ihr Artikel auf Zulieferwissen aufzubauen, ein Eindruck, der sich durch die vielen
Querthemen noch vertieft.
Das sieht mir sehr nach patch-work Arbeit aus.
Sie haetten mal ein paar Landwirte und Wanderarbeiter zu Wort kommen lassen sollen.
Das waere doch wesentlich interessanter.
Natuerlich verstehe ich auch, dass das mit Kosten verbunden ist, die der Verlag aufgrund eines klammen Budgets nicht genehmigen kann.
Nehmen Sie sich daher meine Kritik nicht allzu persoenlich.
P.S. die BREITE Industrialisierung, mit einem starken Dienstleistungssektor, ist noch tausende Meilen
( bzw. chinesische Li ) vom Landesinneren entfernt.
Und die Provinz Xinjiang ( ihr Bild ) grenzt an Kasachstan.
Ausser Erdoel, Erdgas, ein Stahlwerk und Tourismus im Sommer ist dort nicht viel....
"Insgesamt scheint mir Ihr Artikel auf Zulieferwissen aufzubauen, ein Eindruck, der sich durch die vielen
Querthemen noch vertieft. Das sieht mir sehr nach patch-work Arbeit aus."
Eine Beobachtung die ich seit einiger Zeit ebenfalls immer wieder mache - wenn ein Thema nicht im wöchentlichen Informationsblättle, das der Redaktion von der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" zur Verfügung gestellt wird ("Medienpartnerschaft") behandelt ist, siehts mit Recherche scheinbar mau aus.
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