Männer Der alte neue Mann

Wer sind sie, die neuen Männer? Vor Kurzem nannte man sie schwul, metrosexuell oder postschwul. Jetzt versucht ein neues Magazin, diese Zielgruppe mit Konsum zu gewinnen.

Die "neuen Männer" sind da. Sie teilen eine bestimmte Haltung zum Leben und eine prinzipielle Offenheit für Veränderung. Sie leben jenseits der klassischen Geschlechterrollen und puzzeln sich aus dem Angebot dessen, was als typisch männlich oder typisch weiblich galt, ihre Identität zusammen. Die Suche nach Bedeutung ist dem neuen Mann ein Anliegen und treibt sein Handeln an. Er findet sie im Konsum, gilt als Hedonist und lebt deshalb bevorzugt in Metropolen, weil Geldausgeben dort mehr Spaß macht als auf dem platten Land.

Gibt es diesen neuen Typus Mann tatsächlich? Und woher kommt er? Jedenfalls wurde ihm jetzt ein Magazin gewidmet: FRONT ist nicht nur ein neues Männermagazin, es ist das "Neue Männer"-Magazin. Gemacht für all jene, die abseits der ausgetrampelten Pfade traditioneller Rollenbilder leben. Man nannte diese Männer auch "postschwul" oder "metrosexuell". Aber beide Begriffe sind abgegriffen. Ich war immer auf der Suche nach einem knackigen Begriff, der das beschreibt, was momentan gesellschaftlich passiert", sagt Dirk Ludigs, Chefredakteur des neuen Magazins. Deshalb griff er auf die Formulierung "der neue Mann" zurück , die seit den Siebzigern immer wieder gerne verwendet wird.

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Es ist eine kleine schwule Revolution, die seit einigen Tagen bundesweit im Zeitschriftenhandel ausliegt - und irgendwie doch nicht. FRONT ist wahrlich anders als das, was der schwule Magazinmarkt bisher zu bieten hatte. FRONT reduziert die Leser nicht auf ihre Sexualität, verfolgt keine politischen oder emanzipatorischen Anliegen, sondern konzentriert sich vielmehr auf die "gemeinsame Lebenswelt" des neuen Typs Mann. "Die neuen Männer haben ein gemeinsames Interesse an Design, Mode, Reisen, Konsumfreude, Stilbewusstsein und intellektueller Auseinandersetzung," erklärt Chefredakteur Dirk Ludigs diese Lebenswelt.

Das ist also der Stoff, aus dem FRONT gemacht ist. Kurz: Es geht um Konsum. Eben um das, was man von einem Lifestyle-Magazin erwartet. Eine Modestrecke jagt die nächste, unterbrochen von sündhaft teuren Designstücken und der versprochenen "intellektuellen Auseinandersetzung", für die allerdings namhafte Autoren an Bord geholt wurden. So erklärt Jens Bisky ( Süddeutsche Zeitung ) beispielsweise, wieso Andreas Baader zu anderen Zeiten Stricher, Zuhälter oder Heiratsschwindler geworden wäre. Mark Simpson, Erfinder des Begriffs "metrosexuell" und ausgewiesener Kritiker der klassischen Schwulenbewegung, witzelt in seiner Kolumne über mittlerweile auf Eis gelegte Pläne der US-Militärs, eine Bombe zu entwickeln, die feindliche Soldaten schwul und damit kampfunfähig machen sollte.

Kein Lifestyle-Magazin kommt ohne Sport aus, auch FRONT nicht. Es geht das Thema nur ganz frisch an. Zum Beispiel: Welche Übungen kann ich in meinem Badezimmer machen, ohne Geräte, während die Badewanne einläuft?

Anders als alle anderen schwulen Magazine kommt es auch komplett ohne nackte Körper aus, die für viele Männer-Magazine – schwule wie heterosexuelle - überlebenswichtig sind. Nicht einmal Kontaktanzeigen gibt es, und nackte Haut findet sich nur in Werbeanzeigen und Modestrecken.

Leser-Kommentare
  1. Wie traurig, einfallslos und einsam muss ein solches Leben für den neuen Mann sein, eingezwängt zwischen nicht erwachsen werden wollen, dem eigenen Anspruch an Nichtigkeit und Bedeutungslosigkeit und einer Perspektive, die sich nur in der Tiefe eines Quantensprungs offenbaren will.
    Auf der Suche nach der Zielgruppe scheinen die Zeitschriften ja jeden Quark neun aufzugiessen, in der Hoffnung, das den Käse dann jemand kauft. Wer glaubt, sein Leben nach Lifestylemagazinen auszurichten, der hat in seiner sicherlich kurzen Kindheit so ziemlich alles vermisst, was es an Werten geben kann. Übrig bleibt dann nur ein Häufchen Elend , welches meistens nicht mehr in der Lage ist, irgendwelche Bindungen einzugehen und sich dann letztendlich einsam in seiner Designerwohnung einen Strick von Armani um den Hals hängt.

  2. dass es dieses Heft gibt. Mens Health und GQ sind nicht wirklich Alternativen für schwule Männer gewesen, davon abgesehen, dass die redaktionellen Beiträge denen in Front nicht das Wasser reichen können. Der Bericht über Andreas Baader klasse (wann hätte man sich getraut, Betrachtungen aus diesem Blickwinkel wiederzugeben), interessant der Bericht über die neuen Bilder von Norbert Bisky, fast verstörend der "Urlaubsbrief", endlich Mark Simpson auf Deutsch. Der Vorwurf, der Mann werde nur als Konsummaschine gesehen, ist vor diesem Hintergrund nicht berechtigt. Schwules Leben besteht Gott-sei-Dank nicht mehr und schon gar nicht nur daraus, um Gleichberechtigung zu kämpfen. In den Großstädten ist es längst schwierig geworden, schlagkräftige Slogans für die CSD-Parade zu finden. Die Tatsache, dass das Heft so ist wie es ist und ohne spezifisch schwulenpolitische Forderungen oder Aussagen auskommt und dennoch unverkennbar schwul ist, ist Ausweis der Emanzipation der Schwulen.

  3. "Keine Titten. Keine Spoiler. Kein Fussball."
    So lautet der Werbe-Claim für FRONT.

    Jetzt wird es Zeit für die alte neue Frau:
    "Keinen Fummel. Keine Rezepte. Keine Esoterik."

    Wie belanglos.

  4. ...lol..diesen Typ kann wahrscheinlich nicht mal mehr Lara Croft das Wasser reichen weil zu abgehoben.Mann o Mann!

    • QUOTE
    • 16.10.2007 um 9:51 Uhr

    "...Stricher, Zuhälter oder Heiratsschwindler geworden...", wenn die Dinge anders gekommen wären, als sie gekommen sind?

    Warum nicht Außenminister und Vizekanzler?

    Würde mich schon mal interessieren, in der Tat...

  5. "Wer sind sie die neuen Männer? Vor kurzem nannte man sie schwul, metrosexuell oder postschwul."

    so so, der "neue mann" ist also homosexuell. was für eine ebenso groteske wie anmaßende behauptung. mag es sein, daß der verfasser dieses artikels hier wunsch mit wirklichkeit verwechselt? bemerkenswert ist lediglich, daß nach wie vor ca. 95% der männlichen bevölkerung diesen trend vollkommen ignorieren.
    und übrigens: "metrosexualität" ist ja wohl eher eine herabwürdigende bezeichnung für sich die augenbrauen zupfende fußballspieler als ein wirklicher gesellschaftlicher trend gewesen, oder?

  6. Zeit für die alte neue Frau und ihr neues Magazin:

    FRAUNT
    Titten. Spoiler. Fussball.

  7. Na gut, wenn man damit Geld verdienen kann. Auf jeden Fall hat die ZEIT schon mal eine PR- Initiative fuer das Blatt gestartet, und das auch noch umsonst.

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