Film Im AbgrundSeite 2/2

In Hundstage kreuzten sich die gezeigten Schicksale noch bisweilen. Hier besteht die Verbindung allein durch die Parallelität der Grenzüberschreitung und durch die innere Dramaturgie. Bei allen vollgeschissenen Windeln und erkaufter Fellatio in Nahaufnahme ist es doch die Sehnsucht nach Liebe und Glück, die beide Hauptfiguren antreibt, ein Motiv, das in Seidls Filmen immer wieder eine Rolle spielt. Von einer Erfüllung dieser Sehnsucht zu sprechen, wäre zu hoch gegriffen. Aber es gibt Momente, in denen etwas durch den Schmutz blitzt, ein bisschen Wärme, Geborgenheit.

Der Mensch bei Seidl ist nicht nur eine Drecksau. Er kann auch anders. Da ist der Geriatrie-Patient, der Olga einen Heiratsantrag macht, damit sie in Deutschland bleiben kann. Da ist Paulis Weigerung, dem Beispiel seines Stiefvaters zu folgen. Und in ihren glücklichsten Momenten tanzen Olga und Pauli. Aber es ist ein zartes Glück von sehr kurzer Dauer, das Seidl zeigt. Als Pauli am Ende aufbricht, um ohne den Stiefvater in der Ukraine Arbeit zu finden, führt sein Weg nicht in den Sonnenuntergang, sondern durch Schneeregen.

Ulrich Seidl: Import Export
Österreich 2007, 135 Minuten
Kinostart: 18. Oktober 2007

 
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