Nahost Jerusalems schweres Erbe

Die Stadt ist das symbolische Zentrum des israelisch-palästinensischen Konfliktes. Offiziell wurde nun über ihre Teilung gesprochen, die inoffizielle Politik sieht jedoch ganz anders aus.

US-Präsident George W. Bush hat Israels Ministerpräsidenten Ehud Olmert und den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas für November zu Gesprächen an den runden Tisch gebeten. In Annapolis soll dann der festgefahrene Nahost-Friedensprozess wiederbelebt werden. Wie auch schon in Madrid, Oslo, Taba und Camp David. Bisher, so die niederschmetternde Bilanz, hat keine dieser Initiativen nennenswerte Erfolge gebracht. Und auch diesmal sieht es nicht besser aus.

Zumindest auf den ersten Blick gab es vor kurzem noch Grund zur Zuversicht. Haim Ramon, israelischer Vizepremier, hatte verkündet, eine Mehrheit der israelischen Regierungsmitglieder sei bereit, einige der östlichen arabischen Stadtteile von Jerusalem einer palästinensischen Souveränität zu übertragen. Offensichtlich, so schien es, sollte Ramon für seinen Chef, Ministerpräsident Olmert, die Stimmung innerhalb der Koalition und der israelischen Öffentlichkeit testen. Der israelischen Tageszeitung Ma’ariv sagte er, man müsse mit den Palästinensern über die Übergabe der Stadtteile im Osten von Jerusalem sprechen.

Anzeige

Doch allein die Reaktion der israelischen Öffentlichkeit spricht Bände: Niemand hat das Kabinett verlassen, die Koalition hat noch „nicht einmal Risse“ bekommen, wie Tom Segev in Haaretz schreibt. Niemand ist auf die Straße gegangen, niemand hat demonstriert. Die Wahrheit ist, dass kaum jemand erwartet, dass Ramon, obwohl der seit 30 Jahren in der Politik ist, das Schicksal Jerusalems beeinflussen kann. Geschweige denn, dass die politische Realität die Lösung der Jerusalem-Frage so einfach zuließe.

Und tatsächlich: Israel hat arabisches Land außerhalb Ostjerusalems konfisziert und damit die palästinensischen Ängste von einer Zweiteilung des Westjordanlands wiederbelebt. Nur einen Tag hat es gedauert bis die Realität diejenigen, denen Ramons Ankündigung einen Funken Zuversicht gegeben hatte, es gebe eventuell eine neue Gesprächsgrundlage für Friedensverhandlungen, wieder eingeholt hat.

Bei dem konfiszierten Land handelt es sich nach Angaben palästinensischer Behörden um 110 Hektar in vier palästinensischen Dörfern zwischen Ostjerusalem und der jüdischen Siedlung Maale Adumin. Zwei Jahre ist es her, dass Israel, auf Druck der USA, Pläne einfrieren musste, nach denen Maale Adumin mit Ostjerusalem verbunden werden sollte.

Landkonfiszierungen sind kein neues Phänomen, sondern Bestandteil der israelischen Jerusalem-Politik - insbesondere im derzeitigen Kontext lassen sie Ramons Ankündigung als ein bloßes Lippenbekenntnis erscheinen. Was ist es, das Jerusalem so wichtig macht? Die Stadt ist faktisch und symbolisch ins Zentrum des israelisch-palästinensischen Konflikts gerückt. Sie war Schauplatz erbitterter Kämpfe im Sechstagekrieg von 1967 im Zuge dessen Israel die palästinensischen Gebiete eroberte. Doch nicht nur das. Das religiöse und historische Erbe Jerusalems hat dazu geführt, dass sowohl die Palästinenser, als auch die Israelis davon überzeugt sind, ihre Staaten nur von dort aus verwalten zu können.

Leser-Kommentare
  1. ... dass den Juden während der jordanischen Besatzungszeit der Besuch ihrer heiligen Stätten verwehrt worden ist.

    • marxo
    • 12.10.2007 um 13:34 Uhr

    Wenn die Palästinenser keine ernsthafteren Probleme haben, als einen Stadtteil, den sie einst verwüsteten, jüdische Grabsteine zum Toilettenbau plünderten und die eigene Bevölkerung terrorisierten erneut zu verwüsten, terrorisieren und plündern, muss man auch nicht mit ihnen verhandeln. Die ständige Aggression gegen Israel erfordert ein Mindestmaß an aufrechter Verliererhaltung und dazu gehört, Jerusalem aufzugeben, wie die Syrer den Golan aufgeben mussten. Um so mehr, als kein Muslim einen Schaden von der israelischen Verwaltung J'lems davontrug: jeder hatte Zugang zu den heiligen Stätten. Als Israel das Josefsgrab der palästinensischen Obhut übergab, wurde es geschändet und geschleift. Als Israel den Gazastreifen den Islamisten abtrat, wurden Synagogen in Brand gesetzt. Wenn Israel Ostjerusalem aufgeben würde, würde das ein weiteres Areal dem palästinensischen Terror zugänglich machen, womit keinem gedient wäre.
    Die Farce soll übertünchen, dass die Palästinenser ohnehin keine Garantien geben können für die "Bezahlung" des Landes mit Frieden. Ägypten hat den Sinai zurückbekommen, als es den Friedensvertrag unterzeichnete. Nach 30 weiteren Jahren Kriegserklärung aus antisemitischer Motivierung heraus müsste Israel eigentlich gar keine Verhandlunsmasse mehr einbringen. Schließlich musste es auf eigene Kosten eine Mauer zum Selbstschutz bauen, eine teure Armee unterhalten um den alle paar Jahre erfolgenden Einfall irgendwelcher islamistischer Barbarenhorden abzuwehren und die Schäden in der Tourismusbranche verkraften, die der Terror anrichtet.
    Am Israel Chai
    Frieden für Frieden - Nicht Land für Terroristen

    http://myblog.de/nichtide...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    [entfernt, der Teilnehmer wird für die Kommentarfunktion gesperrt/ Redaktion]

    [entfernt, der Teilnehmer wird für die Kommentarfunktion gesperrt/ Redaktion]

  2. [entfernt, der Teilnehmer wird für die Kommentarfunktion gesperrt/ Redaktion]

    Antwort auf "Nicht verhandelbar"
  3. Die nun kommenden Verhandlungen werden, genau wie die letzten zu keiner Lösung des Konfliktes führen. Die geplante Konfiszierung von Land zwischen Maale Adumim und Jerusalem, genauso wie die Errichtung der Barriere um die sogenannte Heilige Stadt, zerstört jeden Glauben auf Palästinensischer Seite die Israelis würden Jerusalem wirklich teilen.
    Und die alte Idee Barakts einen Vorort umzubenennen und dann den Palästinensern als Hauptstadt anzubieten wird niemals akzeptiert werden. Kein palästinensischer Führer könnte das. Zu wichtig ist Jerusalem als spirituelles Zentrum. Was Wiebke Eden-Fleig allerdings nicht erwähnt, ist die Wichtigkeit Jerusalems als wirtschaftliches, kulturelles und soziales Zentrum der Westbank. Ein wichtiger Teil der palästinensischen Gymnasien liegen im Ostteil der Stadt, ebenso wie einige der wichtigsten Krankenhäuser. Es gibt also wichtige Gründe, die von Palästinensischer Seite gegen eine Aufgabe Jerusalems sprechen. Für Israel jedoch ist die Stadt nur als religiöser Ort von großer Wichtigkeit.

    Man sollte daher wieder auf die alte Idee einer internationalen Verwaltung der Jerusalemer Altstadt zurückkommen, um beiden Seiten einen gleichberechtigten Zugang zu den heiligen Städten zu ermöglichen.

  4. ebenso wie die Teilung Palästinas können die zukünftigen Ursachen für viele weitere schmerzliche Erfahrungen der Menschen werden, die dort ihre Heimat haben.

    Dass dies aber nicht zwangsläufig so kommen muß, zeigt das Gespräch der ZEIT dieser Woche mit Daniel Barenboim.

    Es ging in diesem Gespräch natürlich in erster Linie um Musik, was Musik für Menschen, die hören können, bedeuten kann. Es ging aber auch um Politik.

    Allein die Passage des Gesprächs über sein Vorlesen aus der Gründungserklärung Israels und die Reaktionen darauf, ebenso wie seine klare Meinung über die Art des Umgangs mit den nichtjüdischen Bürgern Israels machen deutlich, dass er sehr viel besser als amtierende Politiker weiß, was für eine gute Zukunft der betroffenen Menschen zu tun ist.

    Er hat eine Vision davon, die aber keinesfalls illusionär ist, sondern in ihrer radikalen Einfachheit und Logik dermassen bestechend ist, dass der Begriff "Vision" eigentlich schon wieder falsch gewählt erscheint.

    Es geht hier vor allem um Mut. Mut zum Neuen, Mut zu Konsequenzen, Mut, der weh tun wird, der aber durch ein geregeltes Miteinander der beiden Völker dazu beitragen wird, dass die gesamte Region besser miteinander wird leben können.

    In diesem Sinne wünsche ich mir, dass dieses ZEIT-Gespräch mit Barenboim die Köpfe vieler Menschen erreicht, besonders aber derjenigen, die handeln können und wollen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT online
  • Kommentare 5
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Autoren abonnieren RSS-Feed
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service