Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages sind in der Ausübung ihres Mandats frei und nur ihrem Gewissen verpflichtet. Schnöden finanziellen Verlockungen, so will es das Grundgesetz , sollen sie nicht folgen. Dennoch stehen einige unter ihnen im Sold von Unternehmen, beziehen ein regelmäßiges Zusatzgehalt oder ab und an ein Honorar. Verboten ist das nicht. Nur veröffentlicht werden müssen die Nebeneinkünfte inzwischen, sofern sie eine gewisse Höhe übersteigen. So weit, so kritikabel.

Finanzwissenschaftler der Uni Köln wollten nun genauer wissen, wohin es führt, wenn Abgeordnete sich von Unternehmen bezahlen lassen. Wie es sich für Ökonomen gehört, fragten Stefan Ruenzi und Alexandra Niessen nach dem Ertrag der aufgewendeten Gelder: Was bringt es den Firmen, Volksvertreter unter Vertrag zu nehmen?

Leider beantworten die Forscher die Frage in ihrer Studie nicht eindeutig. Vorzuwerfen ist ihnen das nicht. Schließlich gilt die Veröffentlichungspflicht für Nebeneinkünfte erst seit gut drei Monaten. Die verfügbaren Daten sind also begrenzt, lange Zeitreihen lassen sich aus ihnen noch nicht gewinnen. Darüber hinaus gibt es ein grundsätzliches Problem: Wo die Statistik mögliche Wechselbeziehungen feststellt, beweist sie noch lange keinen ursächlichen Zusammenhang.

So viel lässt sich dennoch sagen: Die Aktien von Unternehmen, die Bundestagsabgeordnete unter Vertrag haben, werden an der Börse besser bewertet als andere, und die Firmen erwirtschaften eine höhere Rendite. Diese Effekte sind selbst dann statistisch signifikant, wenn die Modelle den Einfluss anderer Faktoren - wie beispielsweise der Firmengröße - herausrechnen. Sie sind umso ausgeprägter, je mehr der Politiker kassiert. Doch woran das liegt, weiß man nicht.