Auf die Frankfurter Buchmesse zu gehen heißt, den Buchhandel hassen zu lernen. Ich war gerade dort und weiß, wovon ich rede. Herzlich willkommen im Turbokapitalismus, –scheint überall auf großen Transparenten zu stehen - was bleibt noch zu tun auf dem Weg in die vollkommene Verblödung der Welt? Der deutschsprachigen Welt, muss ich hinzufügen, denn aus Kraftlosigkeitsgründen gelang mir der Besuch der ausländischen Verlage nicht mehr.

Die deutschsprachige Literatur, die sich vielleicht irgendwann kurz von Hitler, der Vergasung ihrer größten Talente und von Grass erholt zu haben schien, ist nicht friedlich entschlafen, sondern durch feindliche Übernahme gesprengt worden, scheint es. Schriftsteller vermag ich keine zu sehen, die wurden entweder von Joschka Fischers Bodyguards in die Ecke getreten oder waren gar nicht erst geladen worden.

Was ich sehe: Katja Kessler, Mark Medlock, Jörg Pilawa. Schreibende TV-Köche, schreibende Moderatoren, schreibende Fußballer, Jammergestalten, Fernsehfressen. Warum die unangenehmste Sorte Mensch Bücher schreibt? Weil es sich lohnt. Weil die uniformierten Herren, die heute Buchfabriken wie Bertelsmann, Holtzbrinck und Random House leiten, zwar keine Ahnung von Literatur, wohl aber vom ABVERKAUF haben. Hört man überall: prima ABVERKAUF. Sie fegen mit Wirtschaftsprüfern durch frisch aufgekaufte Verlage, streichen Lektoren- und Korrektorenstellen. Braucht man nicht.

Was man bracht, ist ein gutes Marketingkonzept. Von angeblichen Autoren hörte ich, die sich bei einem Verlag nicht mehr mit einem Manuskript vorstellen, sondern mit einer ausgearbeiteten Werbekampagne. Verwirrte Kritiker halten sich zitternd bei den Händen und versuchen, gegen all den Dreck ein wenig das am Überleben zu halten, was flüchtig nach Literatur riecht. Altbekanntes, Unverständliches, Gedrechseltes, gerne Familienepen, gern Osten, egal, Hauptsache, kein Moderator hat es geschrieben. Zum Lesen und Fördern bleibt eh keine Zeit, also wenigstens getan, als gäbe es noch Bücher, die den Namen verdienen.