Vor wenigen Wochen strahlte das ZDF eine Sendung über „Wunderheiler“ aus, ihr Autor ist der bekannte Wissenschaftsjournalist Joachim Bublath. Die Sendung berichtete kritisch über Massenprediger, die als „Geistheiler auftreten, ebenso über Schamanen, gefährliche Naturgifte in deutschen Heilpraxen, Quecksilber in ayurvedischen Heilmitteln - und auch darüber, dass die beliebte Homöopathie bisher nicht wissenschaftlich begründet werden konnte.

Es konnte nicht ausbleiben, dass die Redaktion daraufhin mit Leserbriefen und E-Mails bombardiert wurde. Diesmal aber in einem Maß, das ein organisiertes Vorgehen vermuten ließ, und in der Tat: Gläubige und Profiteure der Paramedizin betrieben einen regelrechten Massenprotest. Per Telefon und E-Mail.

Alles nicht schlimm. Der Skandal ist ein anderer: Das ZDF nahm daraufhin die Sendung aus seinem Web-Angebot, ebenso die begleitenden Materialien.

Ein Vorgang, aus dem dreierlei über Journalismus gelernt werden kann.

Erstens: Die öffentlich-rechtliche Struktur eines Senders garantiert mitnichten, dass die journalistische Ethik durchgehalten wird. Anstatt beispielsweise eine Diskussionssendung oder eine Netzdebatte anzusetzen, ging die Chefetage vor der Lobby in die Knie.

Zweitens: Das Internet zwingt den Journalismus in die öffentliche Auseinandersetzung, weshalb es mehr denn je auf das Rückgrat des Journalismus ankommt. Woran es diesmal fehlte.