Medien
Selbstzensur im ZDF
Wie die Lobby der Heilpraktiker über das öffentlich-rechtliche Fernsehen siegte. Ein Kommentar.
Vor wenigen Wochen strahlte das ZDF eine Sendung über Wunderheiler aus, ihr Autor ist der bekannte Wissenschaftsjournalist Joachim Bublath. Die Sendung berichtete kritisch über Massenprediger, die als Geistheiler auftreten, ebenso über Schamanen, gefährliche Naturgifte in deutschen Heilpraxen, Quecksilber in ayurvedischen Heilmitteln - und auch darüber, dass die beliebte Homöopathie bisher nicht wissenschaftlich begründet werden konnte.
Es konnte nicht ausbleiben, dass die Redaktion daraufhin mit Leserbriefen und E-Mails bombardiert wurde. Diesmal aber in einem Maß, das ein organisiertes Vorgehen vermuten ließ, und in der Tat: Gläubige und Profiteure der Paramedizin betrieben einen regelrechten Massenprotest. Per Telefon und E-Mail.
Alles nicht schlimm. Der Skandal ist ein anderer: Das ZDF nahm daraufhin die Sendung aus seinem Web-Angebot, ebenso die begleitenden Materialien.
Ein Vorgang, aus dem dreierlei über Journalismus gelernt werden kann.
Erstens: Die öffentlich-rechtliche Struktur eines Senders garantiert mitnichten, dass die journalistische Ethik durchgehalten wird. Anstatt beispielsweise eine Diskussionssendung oder eine Netzdebatte anzusetzen, ging die Chefetage vor der Lobby in die Knie.
Zweitens: Das Internet zwingt den Journalismus in die öffentliche Auseinandersetzung, weshalb es mehr denn je auf das Rückgrat des Journalismus ankommt. Woran es diesmal fehlte.
Drittens: Die Besonderheitern des Internets werden von traditionellen Medienhäusern oft nicht recht verstanden. Wie sonst konnten die ZDF-Oberen glauben, es brächte etwas, einen Beitrag aus dem Netzangebot zu entfernen? Was einmal mit Netz steht, wird man nicht mehr los. Im Internet versendet sich nichts. Seine Inhalte erscheinen auch nicht auf einem Substrat, mit dem sich anderntags Fisch einwickeln ließe.
Das Netz ist nachhaltig, ist Marktplatz, Bühne und Archiv zugleich. Es offenbart den Charakter der Akteure wie kein anderes Medium - beispielsweise im Fall Wunderheiler.
- Datum 15.10.2007 - 09:12 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 14.10.2007
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Dass das Milieu von Pseodowunderheilern beim ZDF so eine starke Lobby hat erklärt einiges! ;-]
MfG
Ich bin eigentlich kein Freund von Joachim Bublath aber hier hat er meine volle Unterstützung. Die Reaktion des ZDFs ist mir völlig unverständlich: Man sollte meinen das ein öffentlich-rechtlicher Sender seinen Bildungsauftrag ernster nimmt.
Was ich auch schon lange nicht verstehe ist warum gesetzliche Krankenversicherungen so einen Humbug bezahlen. Ich möchte mit meinen Beiträgen eigentlich nur Behandlungen zahlen die erwiesenermaßen helfen.
Probieren Sie's mal hiermit.
http://www.zdf.de/ZDFde/i...
Mir scheint, da stimmt was nicht: Nicht die Heilpraktiker (die natürlich die Schelte abkriegen, altes Thema) haben das ZDF offenbar zum einknicken gebracht, sondern die Ärzte (genauer: der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte).
Wenn das stimmt, ist der ZEIT-Artikel wohl ebenfalls schlecht recherchiert worden - Note 6, setzen!
Link dazu:
www.gesundheits-weblog.de...
Ich bin ueberaus positiv ueberrascht, dass sich auf der ZDF-Bublathseite auch gut organisierte Foren finden, in denen der Autor mit Zuschauern diskutiert.
http://www.joachimbublath...
Was Heilpraktiker im Besonderen angeht, es handelt sich wohl um ein typisch deutsches Phaenomen, das auf das Heilpraktikergesetz von 1939 zurueckgeht. In Zeiten von EBM sollte dem eigentlich rasch ein Ende gesetzt werden.
sollte sich ausgerechnet diese lobby nicht auch einmal durchsetzen?
ich kann mich nicht erinnern, daß eine seriöse analyse diese reichssendeanstalten - wie sie ein mitkommentator einmal nannte - jemals als lobby-frei bezeichnet hätte.
sei´s drum.
zu loben ist allemal der unerschütterliche kampf der ZEIT gegen jegliche zensur.
Die Meldung ist eigentlich nichts Neues, nur symptomatisch für die eilfertige Unterwerfung der Öffentlich-Rechtlichen unter das, was man landläufig den Zeitgeist nennt. Dieser drückt sich gerne als Stilmittel der guten Erziehung des Menschen aus. Was für ihn zuviel ist, bestimmt desöfteren ARD/ZDF. Dann wird es eben aus dem Programm genommen oder um Mitternacht gesendet, Bsp. Der "Wut"-'Film. Als besondere Zensurbehörde bei der ARD gilt eben der WDR.
Meinungs- und Informationsfreiheit werden übrigens besonders gerne von denen beschnitten, die das Recht darauf wie eine Monstranz vor sich hertragen, das gilt für Presse wie Fernsehen gleichermaßen.
Beutelschneidern und Scharlatanen sollte das Handwerk gelegt werden, aber dass auch die wissenschaftlich bewiesene Medizin nicht überall gleich wirkt oder des öfteren auch gar nicht, dass ihre Ergebnisse vielleicht auch gelegentlich schön gefärbt sind und auch nicht sämtliche Ärzte auf der Höhe der medizin. Forschung sind, sollte vielleicht relativierend dazu gesagt werden. Und wenn der Placeboeffekt so gut wirkt, ist es doch kein Grund ihn in diesem Zusammenhang abwertend zu gebrauchen, wie ja auch das Zitat von der ZDF-Seite zeigt
"Neue Ergebnisse aus der Gehirnforschung zeigen den Placebo-Effekt in einem neuen Licht: Offenbar ist unser Gehirn mit einem geheimnisvollen System ausgestattet ist, das die Wirkung von einigen echten Medikamenten nachahmt. Wie weit aber kann das gehen und wo liegen die Grenzen dieses Phänomens?"
mich nerven die öffentlich-rechtlichen schon lange - wie sie als quasi-staatliche rundfunkanstalten in der qualität nachlassen, verfilzen, journalistisch verludern, dass zu jeder winz-veranstaltung sämtliche landesanstalten mit eigenem übertragungswagen fahren - was die gebühren höhre, die sendungen aber nicht besser macht ...
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