Soziale, ökologische und ökonomische Probleme lassen sich letztlich nur durch Initiativen der betroffenen Individuen und Gruppen lösen. Doch diese Basiskräfte können nicht viel ausrichten, wenn die politisch definierten gesellschaftlichen Spielregeln immer wieder genau jene Probleme erzeugen und verstärken. Nun stehen hinter solcher widersinnigen Politik "Personen, Unternehmen und Institutionen, die von den Missständen profitieren und daher versuchen, die grundlegenden Strukturen aufrechtzuerhalten". Um einer Lösung näher zu kommen, muss man sich daher diesen Interessenten entgegenstemmen. Fortschritt "erfordert nicht nur Vernunft und Einsicht, sondern auch Konfliktbereitschaft".

Mit diesen Feststellungen liegt Herr Huffschmid völlig richtig. Allerdings sehe ich die Ursachen der Probleme des sozialen Wirtschaftens ganz anders als er. Seiner Meinung nach sind die weitgehend unregulierten Märkte die Wurzel allen Übels. Der Staat nimmt den Markt nicht eng genug an die Leine, und dieser Markt erzeuge dann eben Krisen, Armut und vernichtet die Umwelt. Als Ausweg empfiehlt er eine "durchgreifende Demokratisierung der Wirtschaft" und eine stark dirigistische Wirtschaftspolitik, von der er behauptet, dass sie für soziales Wirtschaften günstig sei.

Ich halte sowohl diese Diagnose, als auch die Therapie für falsch. Der Kern unserer Divergenz liegt darin, dass ich im Gegensatz zu Herrn Huffschmid den Glauben an die Theorien des Marktversagens gründlich verloren habe. Natürlich kann es auf dem freien Markt zu Krisen, Armut und Umweltzerstörung kommen; aber der kausale Zusammenhang ist negativ: je unbehinderter der Markt, desto weniger Krisen, Armut und Umweltzerstörung.

Klicken Sie auf das Bild für alle Artikel zur Diskussionsreihe über Geld, Zins und Alternativen zur herrschenden WirtschaftsordnungGanz offensichtlich erzeugt "unser Wirtschaftssystem" solche Probleme. Doch dieses System ist eben alles andere als eine freie Wirtschaft. Ich finde es geradezu fantastisch, wie man angesichts eines Staatsanteils von rund 50 Prozent und angesichts der Allgegenwart staatlicher Behörden und staatlicher Reglementierungen nicht auf den Gedanken kommen kann, dass hier vielleicht die eigentliche Ursache von Krisen, Armut und Umweltproblemen liegen könnte. Und dass somit das Hauptproblem sozialen Wirtschaftens darin besteht, sich in einer Gesellschaft behaupten zu müssen, die sich so sehr in den Bock verliebt hat, dass sie ihn unbedingt zum Gärtner machen möchte.

Mir ist klar, dass diese Zeilen für die meisten Leser wie von einem anderen Stern klingen. Daran lässt sich in einer kurzen Stellungnahme auch nichts ändern (und ich will den wirklich Interessierten nicht die Freude nehmen, sich durch weitergehende Lektüre ein genaueres Bild zu verschaffen). An dieser Stelle will ich daher nur anhand eines Beispiels skizzenhaft darlegen, wo ich die falsche politische Weichenstellung sehe: nicht im Markt, sondern im Etatismus.