Banken Commerzbank verliert wegen Kreditkrise
Nach der Deutschen Bank muss auch die Commerzbank eingestehen, dass die Krise des US-Hypothekenmarktes sie nicht unberührt lässt. Die Anleger strafen sie dafür: Der Aktienmarkt brach ein
Wieder holt die Krise an den Kapitalmärkten ein deutsches Geldinstitut ein. Nachdem jüngst Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zugeben musste, dass sein Haus weit mehr verloren hatte, als zunächst verbreitet, trifft es diesmal die Commerzbank . Deren Chef Klaus-Peter Müller räumte am Montag ein, dass die Belastungen aus dem Engagement am US-Hypothekenmarkt über den bisher in Aussicht gestellten 80 Millionen Euro liegen dürften.
Müller wies zudem Marktgerüchte zurück, seine Bank könnte von einem ausländischen Institut übernommen werden. Anleger reagierten mit Verkäufen: Die zuletzt von Übernahmespekulationen gestützten Aktien sackten am Montag zeitweise um mehr als fünf Prozent ab.
Müller betonte, dass die Abschreibungen von 80 Millionen Euro auf dem Informationsstand von Anfang Juli beruhten. "Das wird nicht reichen", sagte er. Auch schloss er eine "etwas" höhere Belastung infolge des Engagements am Markt für schlechter besicherte US-Hypotheken ( Subprimes ) nicht aus. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte schon vor einem Monat aus Finanzkreisen erfahren, dass die Wertberichtigungen für das 1,2 Milliarden Euro schwere Subprime-Engagement im dritten Quartal wohl höher ausfallen dürften. Die Analysten von M.M. Warburg sprachen daher von wenig überraschenden Äußerungen Müllers. Sie erwarten bei der Commerzbank Subprime-Einbußen von rund 150 Millionen Euro.
Der Commerzbank-Chef stellte aber klar, dass die Prognosen seines Instituts auch von einer massiveren Subprime-Belastung nicht betroffen seien. "Was notwendig ist, werden wir tun, und wir können es uns auch leisten", sagte er. Müller bekräftigte das Ziel einer Eigenkapitalrendite von mehr als zwölf Prozent im laufenden Jahr. "Das Geschäft im dritten Quartal lief im Rahmen der Erwartungen, wir liegen im Gesamtjahr im Plan", betonte er. Es gebe keinen Grund, die Prognose zu ändern.
Dennoch lösten Müllers Äußerungen an den Finanzmärkten heftige Kursverluste aus. Zeitweise reduzierte sich die Marktkapitalisierung der zweitgrößten börsennotierten Bank Deutschlands um rund eine Milliarde Euro. Am späten Vormittag lag das Papier noch knapp vier Prozent im Minus.
Experten begründeten die starke Reaktion mit jüngst aufgekommenen Hoffnungen der Anleger auf ein baldiges Ende der Krise. "Das war nun wie ein Nackenschlag", sagte Bankanalyst Konrad Becker von Merck Fink. Über die genaue Höhe der Belastungen für die Commerzbank könne man nur spekulieren. "Das Gesamtengagement ist mit 1,2 Milliarden Euro aber überschaubar", betonte er. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank hatte Anfang Oktober allein die Belastung im dritten Quartal infolge der Krise an den Finanzmärkten auf 2,2 Milliarden Euro beziffert. Dies wird den den Prognosen des Instituts zufolge den Vorsteuergewinn um 30 Prozent drücken.
- Datum 22.10.2007 - 14:49 Uhr
- Quelle ZEIT online, reuters
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren