Bundesliga Schicksale des DDR-FußballsSeite 6/6

Hansa Rostock

Neues Stadion, schicke Geschäftsstelle, Jugendinternate, solide Arbeit mit hanseatischer Gelassenheit - Hansa Rostock ist der derzeit erfolgreichste Fußballverein der DDR. Gleichzeitig ist der Ostseeklub ein gutes Gegenbeispiel auf das negative Pauschalurteil über alle Ostvereine.

Die wirtschaftliche Konsolidierung ist auch in Rostock mit einem rigiden Sparkurs verbunden: Die Namensrechte des Stadions wurden für 1,5 Millionen Euro pro Jahr an eine Bank verkauft. Mecklenburg-Vorpommern unterstützt den wichtigsten Verein des Landes erheblich. Die acht Neuzugänge vor der Saison kosteten zusammen etwa 500.000 Euro. Sechs Profis wurden im eigenen Internat ausgebildet. "Wir wollen auf Dauer der beste Ausbildungsverein Deutschlands werden", sagt Hansas Trainer Frank Pagelsdorf.

Hansa hat viele Probleme im Griff, aber längst nicht alle gelöst. Rein sportlich zählt die junge Rostocker Mannschaft zu den Abstiegskandidaten der Liga. Eine aktuellen Studie der Universität Hannover urteilt, dass die Fanszene um Hansas Ultrafans "Suptras Rostock" momentan die gewaltbereiteste des deutschen Profifußballs ist. 300 Personen sollen gewaltgeneigte Fans, 80 Hooligans sein. Mit dem Aktionsbündnis "Klassenerhalt ohne Gewalt" will der Verein für Ruhe an der Ostsee sorgen.

Dabei ist der ganze FC Hansa eigentlich ein Sachsenverein. Die SED hatte den Klub 1954 geklaut. Empor Lauter, der Verein einer Kleinstadt im Erzgebirge, spielte damals als einer von neun sächsischen Vereinen in der DDR-Oberliga. Im Norden der sozialistischen Republik lebte man fußballerisch im Niemandsland. Rostocks SED-Bonzen gefiel das wenig, so erfasste die Planwirtschaft den Fußball. "Es hieß, wir fahren an die Ostsee. Alles in den Koffer, alles in den Bus", erinnert sich Dieter Schneider, ehemaliger Hansa-Torwart. Empor Lauter stand damals auf Platz eins der Oberliga. Wenige Tage später aber hieß der Verein Empor Rostock, später Hansa Rostock.

Im Vergleich zur Vergangenheit haben Hansas Anhänger derzeit Grund zur Freude. Die Hansa-Kogge kämpfte schon immer mit Gegenwind: Zu Vorwendezeiten fehlten den "Fischköbben" immer einige Tore, um die Nummer eins der DDR zu sein. Direkt nach der Wende, zum Start der ersten gesamtdeutschen Bundesliga, besiegten die Rostocker Nürnberg mit 4:0, demütigten als Tabellenführer den FC Bayern mit 2:1 und fertigten Dortmund 5:1 ab. Die Fans grölten: "Hansa forever number one". Am Saisonende stieg Rostock ab. Es folgten zwei Jahre Zweite Liga, Aufstieg, ein Jahrzehnt Erstklassigkeit und im Jahr 2005 der nächste Abstieg.

Frank Pagelsdorf verdanken die Fans den Wiederaufstieg in die Erstklassigkeit. Er ist in Rostock der Trainer mit Bonus, seine Autogrammkarten sind fast immer vergriffen. Denn schon als der Verein vor zwölf Jahren in der Zweiten Liga spielte, dachten viele, Hansa werde endgültig stranden. Dann kam der Weingummi essende Hannoveraner und formte aus jungen Nobodys ein Team, stieg auf und erreichte in der Bundesliga den sechsten Platz. Aus der Hansa-Kogge wurde der Leuchtturm des Ostfußballs.

Ehemalige Spieler: Thomas Doll (Lazio Rom), Gledson (VfB Stuttgart), Oliver Neuville (Borussia Mönchengladbach), Carsten Janker (Bayern München), Mathias Schober (FC Schalke 04), Martin Pieckenhagen (Hamburger SV), Marko Rehmer (Eintracht Frankfurt), René Schneider (Borussia Dortmund), Axel Schulz (Hertha BSC Berlin), Sergej Barbarez (Bayer Leverkusen), Joachim Streich (1. FC Magdeburg), Perry Bräutigam

Lesen Sie im zweiten Teil auf ZEIT online die Schicksale von BFC Dynamo Berlin, 1. FC Magdeburg, Energie Cottbus und Dynamo Schwerin.

 
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