Internet Crash 2.0Seite 3/3

Wirtschaftliche Illusionen werden ergänzt um Naivität oder Gleichgültigkeit, was die gesellschaftlichen Folgen vieler Entwicklungen des WWW betrifft. Technoevangelisten berauschen sich am "demokratischen" Potenzial des Internets, sagen das Erblühen einer "globalen Internetdemokratie" voraus oder feiern die "Kreativität" virtueller "Second Worlds", in die Millionen von Menschen abdriften.

Die Kommunikationswege mögen dank des Internets rasant zugenommen haben. Auch braucht man kein Wort mehr zu verlieren über die vielfältigen Möglichkeiten, die das Internet bietet. Doch wozu wird das Netz mehrheitlich genutzt, einmal abgesehen davon, dass Spam mittlerweile E-Mails als schnelle Kommunikation fast unbrauchbar gemacht hat, was kommt dabei heraus? Belanglosigkeiten, Banales, eine weltweite Explosion des Narzissmus, der Profilneurose und vor allem der Verbreitung von Porno. Mit Porno wird ein Großteil des Geldes im Internet verdient, auch wenn die Vertreter der "Online-Industrie" darüber lieber nicht sprechen und stattdessen gern und oft von "Kreativität" reden.

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Das Lustprinzip triumphiert mehr und mehr über das Realitätsprinzip; Erfindungen drehen sich heute vor allem um virtuelle Unterhaltung. Der "Kult des Amateurs", den der frühere Silicon-Valley-Guru Andrew Keen in seinem Buch gleichen Titels beklagt, trägt in der Tat zu kultureller Nivellierung bei. Vor allem wird ein endloser Strom digitaler Mittelmäßigkeit produziert. Statt "Weisheit der Massen" erleben wir den Triumph der Trivialisierung – ob persönliche Profile auf MySpace schrill um Aufmerksamkeit und Freunde buhlen, ob man sich dabei "faked identities", getürkter Identitäten, bedient oder als Avatar durch den Cyberspace geistert.

"Irrational exuberance", den irrationalen ökonomischen Überschwang wird der Markt früher oder später korrigieren. Einige Indizien sprechen dafür, dass es bald wieder so weit ist. Mit den sozialen und kulturellen Folgen werden wir alle leben müssen.

Schreiben Sie einen eigenen Artikel : Ist der Hype um Social Networks und Web2.0 gerechtfertigt? Wie nutzen Sie selbst Plattformen wie Facebook, Xing, LinkedIn oder StudiVZ?

 
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