Internet Der tönende Spam

Jeder Internet-Nutzer kennt die lästige Werbepost: Ob Viagra, Anti-Schnarch-Kissen oder Aktien - alles wird per E-Mail beworben. Jetzt kommen die Spam-Mails auch vertont in unsere Mailboxen

Die Stimme klingt wie eine Mischung aus Frau und Roboter: "Hello, this is an investor alert", tönt es aus dem PC-Lautsprecher, wenn man den Anhang der Mail öffnet. Eine halbe oder sogar eine ganze Minute dauert die "Alarmmeldung für Investoren", in der von den "beeindruckenden Erfolgen" einer Firma in Kanada erzählt wird und der Hörer auf das Aktienkürzel aufmerksam gemacht wird.

Seit Kurzem werden E-Mail-Server weltweit mit solcher Werbung für Aktien überschwemmt. Die Aktion ist offenbar sorgfältig geplant. So wurden gleich mehrere verschiedene MP3-Dateien angefertigt, die mal als Song von Elvis Presley, mal als Lied von Carrie Underwood getarnt werden.

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Die Masche der Aktien-Spammer wird in den USA "pump and dump" genannt, aufpumpen und abkippen. Der Spammer deckt sich mit einem niedrig gehandelten Wertpapier ein und verschickt dann so viele Aktienempfehlungen wie möglich. Da immer wieder Empfänger auf die teilweise primitiven Werbebotschaften hereinfallen, steigt der Kurs der beworbenen Aktie. Der Spammer kann sie dann mit großem Gewinn weiterverkaufen - womöglich direkt an eines seiner Spam-Opfer. Wenn die Spam-Welle vorbei ist, fällt der Aktienkurs wieder ins Bodenlose.

"Nach Bildern und PDF-Dateien war es nur eine Frage der Zeit, wann auch Spam mit Audio-Dateien im Anhang auftauchen würde", erklärt Robert Rothe, Geschäftsführer des Spam-Bekämpfers Eleven in Berlin. Die Spammer vertrauen darauf, dass die üblichen Spamfilter mit Ton-Nachrichten leicht umgangen werden können. Bis sich die Mailserver-Betreiber weltweit auf die neuen Spam-Wellen eingestellt haben, sind schon Milliarden Nachrichten verschickt worden.

Rothe gibt sich zwar optimistisch, seine Kunden vor dem neuen Spam schützen zu können. Dennoch wird diese Spam-Welle vermutlich nicht spurlos am Internet-Nutzer vorbeigehen. Denn die Kriminellen haben in den letzten Jahren aufgerüstet: Hunderttausende Rechner fangen gleichzeitig an, die Mails ins Internet zu pumpen. Die Rechner tun dies meist ohne Wissen ihrer Besitzer: Über den Versand von Viren und anderen Schadprogrammen haben kriminelle Banden die Kontrolle über Millionen Rechner weltweit übernommen und nutzen Sie zum Mailversand.

Ein Nebeneffekt dieser Spam-Wellen trifft auch User, die mit schnellem Geld durch windige Aktien überhaupt nichts zu tun haben wollen. Die Nachrichten in MP3-Format sind zwischen 50 und 150 Kilobyte groß - und damit um ein Vielfaches größer als der gewöhnliche Text-Spam. Dem Bombardement der Spammer sind die Mail-Server der Empfänger oft nicht gewachsen. Startet eine neue Welle, sind die Server an vielen Stellen bis aufs Äußerste belastet – so sehr, dass legitime Mails nur noch langsam zum Empfänger finden oder gar abgewiesen werden. Ähnliches passierte gerade der niedersächsen Polizei : Dort konnten die Mailserver der Spamflut nicht mehr Herr werden, Emails brauchten zwei bis drei Tage bis zum Empfänger.

Der Anti-Viren-Spezialist Sophos empfiehlt mittlerweile, MP3-Dateien in E-Mails direkt auszusortieren - zumindest auf Firmenrechnern. Von nachhaltiger Wirkung wird auch diese Lösung nicht sein - es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Spammer die nächste Methode zur Tarnung ihrer Nachrichten finden.

 
Leser-Kommentare
  1. Wer zur Hölle öffnet einen Elvis-Presley-Song-Anhang einer Spam-mail? Und kauft dann noch Aktien aufgrund dieser Empfehlung? Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Ich kenne übrigens auch noch andere nervige, blinkende Banner-Werbung im Internet.....................

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