Nationalmannschaft Die Zukunft ist weiblich

Deutschland ist Weltmeister, und das ist erst der Anfang: Als Gastgeber der WM 2011 werden die deutschen Frauen das Land in einen Rausch spielen. Erkenntnisse aus dem ersten Länderspiels nach der WM

Für einen Moment wirkte es, als kippe die Stimmung von begeistert auf fanatisch. Paule, der riesige Rabe, war zum Fanblock gerannt und peitschte seine schwarzen Plüschflügel vor der Masse hoch und runter. Plötzlich kletterte der Vogel hoch: Das offizielle DFB-Maskottchen hing am Zaun und wippte zwischen Zuschauer und Spielfeld mit dem Schnabel, die Fans sangen ihre Fußballlieder dazu.

2:0 stand es zu diesem Zeitpunkt bereits. Deutschland kontrollierte, dominierte und führte im EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien. In der Hansestadt Lübeck schien die Sonntagssonne auf das ausverkaufte Fußballstadion an der Lohmühle. Auf dem Platz grätschten die Akteure über den Rasen und wetterten mit der Schiedsrichterin. „Man sieht gar nicht, dass das Frauenfußball ist“, bemerkte ein Journalist verwundert. „Schon ganz angenehm, was die Deutschen da spielen“, ergänzte der Reporter, der sonst häufig über die Männer-Bundesliga berichtet. Von den WM-Spielen der Frauen vor einem Monat hat er wenige gesehen. „Zu Unrecht“, wie er nun feststellte. „Bei den Frauen braut sich was zusammen“, sagte sein Kollege zur Linken.

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Im Frauenfußball ist Deutschland Weltmeister. In der Qualifikationsgruppe für die nächste Europameisterschaft in Finnland führt Deutschland nach dem 3:0 gegen Belgien die Gruppe an. Und am Dienstag gibt die Fifa in Zürich mit ziemlicher Sicherheit bekannt, dass die WM 2011 in Deutschland ausgespielt wird. „Wenn wir den Zuschlag bekommen, knallt es richtig“, versprach Theo Zwanziger.

In der Halbzeitpause des Lübecker Länderspiels ehrte der DFB-Präsident die „coolsten Schul-Kickerinnen Deutschlands“. An seiner Seite stand mit dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen der wichtigste Politiker des Bundeslandes.

Überraschte Journalisten, freudige Spitzenpolitiker und 17.000 Fans, die ein großes Fest feiern. „Fußball ist auch Frauensache“ - Ist der Slogan, mit dem Bundestrainerin Silvia Neid derzeit gemeinsam mit Joachim Löw für ihren Sport wirbt, in Deutschland etwa zur Selbstverständlichkeit geworden?

Noch nicht ganz. Im Herbst 2007 gibt es in Deutschland immer noch zwei Arten von Fußballfans. In Lübeck, beim ersten Spiel der Frauen-Nationalmannschaft seit ihrem WM-Erfolg, zeigten sich die einen, die dem Frauenfußball offen gegenüberstehen, so stark wie wohl noch nie zuvor. 17.000 Zuschauer jubelten friedlich. Auf den Rängen, wo sonst nur 4000 bis 5000 vorwiegend männliche Anhänger den Regionalliga-Abstiegskampf des VfB Lübeck verfolgen, standen ebenso viele Männer wie Frauen und Kinder. So freute sich ein breit gebauter Fan über den Kombinationsfußball und sagte, die Stimmung sei viel besser als bei den Männern. Am Bratwurststand stellten die Servicekräfte fest, dass ihre Stammkunden fehlten, es dafür aber wesentlich „gesitteter und pflegeleichter“ zuging.

Leser-Kommentare
  1. Jedern, der Frauenfussball als "langsam und schleppend" empfindet, in die Hooligan-Ecke zu stellen, ist wohl nötig um "Interesse" zu erzeugen und daran kräftig zu verdienen.

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