Energiesparen Aus für Stromfresser

Elektroheizungen nerven, sind ineffizient, klimaschädlich und teuer. Die Bundesregierung will sie daher verbieten

Es wird ernst. Die Große Koalition will die ersten Klimaschutzmaßnahmen, die sie auf der Kabinettsklausur Ende August in Meseberg beschlossen hatte, nun umsetzen. Das Bundesbauministerium bestätigte ZEIT online , dass Vermieter dazu verpflichtet werden sollen, ineffiziente Stromheizungen gegen klimafreundlichere Heizungssysteme auszutauschen. In der zweiten Novelle der Energieeinsparverordnung, die das Ministerium zurzeit ausarbeitet, sollen "unrentable Heizungsformen" verboten werden. Darunter fallen auch Nachtspeicheröfen. Wann die Novelle in Kraft tritt, welche Kosten auf die Hausbesitzer zukommen und mit welchen Übergangsfristen sie rechnen müssen, ist noch unklar. Spätestens Ende 2008 soll die Verordnung in Kraft treten.

In Meseberg hatten sich Union und SPD auf das prinzipielle Aus für Stromheizungen in den kommenden zehn Jahren geeinigt - allerdings auch großzügige Ausnahmeregelungen in Aussicht gestellt.

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Über das De-facto-Verbot der Nachtspeicheröfen werden sich vor allem Klimaschützer freuen. Denn die Öfen sind einer Studie des Instituts für Zukunftsenergiesysteme (IZES) und des Bremer Energieinstituts zufolge extrem klimaschädlich und die größten Stromfresser in privaten Haushalten. "Strom ist eine hochwertige Energieform, die viel zu schade ist zum Heizen, da sind Gas- und sogar Ölheizungen weitaus effizienter", sagt Projektleiter Günther Frey vom IZES. Strom, der zum Heizen gebraucht werde, verursache 30 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr. Das entspricht mehr als drei Prozent der gesamten deutschen CO 2 -Emissionen. Hier gebe es jede Menge Einsparpotenzial, sagt Frey, und zwar zum günstigen Preis: "Die CO 2 -Vermeidungskosten bei Stromheizungen sind sogar niedriger als jene durch Wärmeschutz, etwa das Dämmen von Altbauten."

Doch noch hängen 1,4 Millionen Haushalte an der Steckdose - und machen leidige Erfahrungen. Nicht nur, dass die sperrigen Öfen im Wohnzimmer keine Schmuckstücke sind. Sie sind unflexibel, da die Energie über Nacht gespeichert und erst am nächsten Tag als Wärme abgegeben wird - wer von einem Kälteeinbruch überrascht wird, holt sich am kommenden Morgen Frostbeulen. Und vor allem sind Nachtspeicheröfen nicht billig. Die Strompreise steigen, und die vormals günstigen Nacht-Sondertarife werden von einigen Energieversorgern schon nicht mehr angeboten, wie der Bund der Energieverbraucher mitteilt. Die Kunden sind in der Regel hilflos: Eine Alternative zur Stromheizung haben sie nicht.

Die niedrigen Nachstromtarife sind ein Relikt deutscher Energiegeschichte. In den fünfziger und sechziger Jahren förderten gerade Kohlekraftunternehmen Elektroheizungen gezielt in ihrer Nachbarschaft, um nachts, wenn die Stromnachfrage sinkt, ihre Kapazitäten nicht drosseln zu müssen. Und wer wollte damals schon stinkende Kohleöfen im Haus? Nachtspeicheröfen galten als schick und günstig. In den Achtzigern landeten viele Heizkörper wegen ihres giftigen Asbestanteils auf dem Sondermüll. Allerdings wurden sie damals in der Regel nur durch giftfreie Stromheizungen ersetzt.

Auch 2007 sind Stromheizungen beliebt. Der Anteil von Heizstrom ist in den vergangenen Jahren sogar gestiegen, seit 1995 allein um sechs Prozent. "Elektroheizungen werden vor allem in Neubauten verbaut, weil sie so unkompliziert sind, ein Stromanschluss genügt", erklärt Frey vom IZES.

Geschickt ist auch das Marketing der Energieversorger. E.on Avacon etwa bezuschusst jeden Heizungsbesitzer, der seinen Speicherofen modernisiert, bis Ende des Jahres mit 250 Euro. Ein Pilotprojekt im niedersächsischen Nienburg 2005 garantierte dem Stromkonzern auf diese Weise allein "einen gesicherten Stromabsatz in Höhe von rund vier Millionen Kilowattstunden im Jahr", so der Konzern in einer Infobroschüre für seine Marktpartner.

Manche Energiekonzerne versuchen auch immer noch, über relativ günstige Stromtarife Kunden anzulocken. Von 22 Uhr bis sechs Uhr morgens berechnen sie meist einen Schwachlasttarif, bei dem die Kilowattstunde einige Cent preiswerter ist als der Tagtarif. Landläufig hat sich der Glaube festgesetzt, dass das nur möglich sei, weil die Konzerne ihren Strom nachts nicht loswerden - ein überholtes Argument, wie Frey erklärt. "Die Energiemärkte sind offiziell liberalisiert, der Strom wird an Börsen gehandelt - da spielt die zeitliche Verfügbarkeit gar keine Rolle mehr."

Die günstigen Tarife seien vielmehr nur möglich, weil die Netzbetreiber gezielt niedrige Dumping-Durchleitungsentgelte berechneten. "Das ist nach unserer Überzeugung schlicht illegal", sagt Frey. Aber: Wo kein Kläger, da kein Richter. Und Stromkunden haben wohl kaum ein Interesse daran, aus Klimaschutzgründen höhere Strompreise in Kauf zu nehmen.

Doch die juristische Preisdiskussion ist ohnehin müßig, sobald Vermieter und Hausbesitzer vom Gesetzgeber verpflichtet werden, die wärmenden Stromfresser auszutauschen. Welche Alternativen haben sie? Wer auf eine Erdgas- oder Erdölheizung umstellt, muss in einen neuen Kessel investieren, Heizkörper installieren und Leitungen im Haus verlegen - ein teurer Spaß. Zwar gibt es Zuschüsse und zinsgünstige Kredite der KfW Förderbank. Doch der Vermieter hat in der Regel kein Interesse an der Umrüstung, da er die Kosten am Ende nicht vollständig an seine Mieter weitergeben kann.

Mieter und Vermieter werden also wohl durch die neue Regelung verlieren. Die Gewinner stehen ebenfalls schon fest: das Klima - und die Branche der Heizungsbauer.

 
Leser-Kommentare
  1. Nicht jedes Haus wird schnell mit Pellets, Biogas, Erdwärme, Fernwärme oder Kollektoren auf dem Dach heizbar sein, besonders in den Innenstädten. Lieber jetzt für viel Geld Erdgas einbauen als mit Ökostrom heizen?

  2. Laut Analyse "objektiver" Verbraucher- u. Technikagenturen weisen "Nachtspeicherheizungen" keinerlei Nachteile gegenüber etwa Gas- oder Öl-Heizanlagen aus. Sperrige Nachtspeicheröfen  z.B. ? -  gibts schon lange nicht mehr - nicht nur diesbezüglich sind Herr Günter Frei und seine alles andere als objektiven "Spezialisten" auf dem Holzweg.
    Schwächere Stromauslastung "nachts" sind weiterhin eine Tatsache, da kann auch die Strombörse nichts daran ändern, da bis dato selbst im ohnehin monopol geregeltem europäischen Strommarkt, der Einbruch der Dunkelheit gleichzeitig u. gesammteuropäisch eintritt. Andersgesagt, Stromexporte von E-On & Co. nach Detroid oder Kanton werden wohl noch "etwas auf sich warten lassen"!
    Und was bietet man den Nachtspeichernutzern denn  vor Alternativen ? - etwa diese "rudimentären Öl- oder Gas-Heizungen" ? - diesen Uralt-Technik-Schrott, zwischenzeitlich mit digitalem Mumpitz optisch aufgpeppt, kann da weder umwelt- noch energie-technisch gesehen eine Lösung sein. 
    Die Installationen von Stromheizungen nehmen nicht ohne Grund zu - Nachtspeicheröfen selbst sind Schadstofffrei, das Problem liegt bei den Erzeugern  - und dort gehört es auch hin! Herr G. Frei und seine Spezialisten können sich ja mal bei ehemaligen Nachtspeicherstrom-Kunden umhören, wie ihnen z.B. die damalige Umstellung auf Gas-Heizung bekommen ist - die zwischenzeitlich von der Politik verlassen und von den Gaslieferanten daß Fell über die Ohren gezogen bekamen. Da helfen auch keine Mätzchen mehr wie solar gewärmtes Brauchwasser und sonstiger Bullshit, der viell. nach 150 Jahren störungsfreiem Betrieb den Break-Eaven-Point erreichen kann.
    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus R. Rausch, Klettgau/Germany
     
     
     

    • fpfka
    • 29.10.2007 um 15:47 Uhr

    "Die Energiemärkte sind offiziell liberalisiert, der Strom wird an Börsen gehandelt  - da spielt die zeitliche Verfügbarkeit gar keine Rolle mehr." Wer solcherart unzusammenhängenden Stuß von sich gibt, disqualifiziert sich als "Sachverständiger" ganz von selbst. Nach wie vor wird zwangsläufig nachts mehr Strom produziert als abgenommen, die Überproduktion kann man in die Luft blasen, damit Wasser nen Berg hochpumpen oder die Energie sonstwie mühsam zwischenspeichern oder eben Kunden einen nächtlichen Verbrauch schmackhaft machen durch günstige Angebote. Ob der Strom dann zum Heizen oder für sonstwas genutzt wird, ist zweitrangig. Energie ist nichts, was man sich mal eben für einige Zeit in den Vorratsspeicher legen könnte, um damit zu handeln. Das geht fast nur in Echtzeit.

  3. Der Artikel von Frau  Uken hat offensichtlich mehr mit Gesinnung statt mit sauberer journalistischer Recherche zu tun. Sie lässt in ihrem Beitrag nicht nur technische sondern auch wirtschaftliche Aspekte völlig außer Acht. Als betroffener Eigenheimbesitzer mit Nachtspeicherheizung macht sich für mich folgende Rechnung bei einem etwaigen Verbot von Nachtspeicherheizungen auf. Da in unserem Haus kein Anschluß für Gas besteht und auch keinerlei Leitungsrohre verlegt sind, würde eine Gasheizung etwa 30.000 € kosten. Nicht berücksichtigt sind dabei die nötigen umfangreichen Renovierungskosten. Die Verbraucherzentrale hat unsere potentielle Einsparung der Betriebskosten beim Wechsel von Nachstrom zu Gas mit ca. 1000 €/Jahr berechnet. Selbst wenn man keinerlei Kapitalkosten berücksichtigt, rentiert sich die neue Heizung erst nach 30 Jahren. Bei einer (staatlich geförderten) Fremdfinanzierung mit 2% kommt man auf ca. 46 Jahre. Ein solches Gesetz hat also Enteignungscharakter und es wäre interessant, was das Bundesverfassungsgericht dazu sagt.

  4. Ich besitze keine Aktien der Stromversorger.
    Grundlastkraftwerke lassen sich nunmal nicht jede Nacht auf
    die Haelte ihrer Kapazitaet zurueckfahren, also speichert manEnergie in Pumpspeicherbecken oder eben in Nachtspeicheroefen.Die generelle Reduzierung des Grundlastanteils an der Stromerzeugungzugunsten von gasgetriebenen Spitzenlastkraftwerken, die mit demBedarf floaten koennen, duerfte viel zu teuer kommen.Und warum nerven die Nachtspeicheroefen ? Sie sind fast wartungsfreiund den gluecksbringenden Schornsteinfeger koennen Sie auchfortschicken.

    • Anonym
    • 31.10.2007 um 20:49 Uhr

    Die Geräte sind irrelevant, solange man stets die Energieeffizientesten dieser Gattung benutzt. Dazu ist es Wichtig wie der Strom hergestellt wird und nicht wieviel man davon verbraucht. Unser Planet bietet uns potentielle Energie im absoluten Überfluss und die erneuerbaren Technologien um diese Energie abzuschöpfen werden immer preiswerter. Selbst wenn jeder Bürger Strom verschwenden würde wie wir es uns nicht einmal vorstellen können, das würde nicht einmal 0,001% der einfallenden Sonnenstrahlung benötigen. Wir müssen endlich Geld in Forschung investieren und diese Energie nutzbar machen. Auch darf Klimaschutz kein Luxushobby für die reichen Westler sein. Ein Afrikaner hat keine alternative zu seinem Dieselofen. Allein aus Geldgründen. Der ist froh wenn er zu Essen hat, egal was. Denen kann man nicht mit Klimaschutz kommen. Darum müssen diese Technologien spottbillig werden, so spottbillig wie fossile Energiequellen. Also nicht Technikfeindlichkeit ist der Ausweg. 

  5. Die Schreiberin des Artikels gibt offensichtlich in Unkenntnis der Zusammenhänge wieder. Falsch ist, daß Nachtspeicheröfen ineffizient sind oder Schadstoffe ausstoßen. Unerwähnt bleibt, daß die Politik vor 30 Jahren die heute angeprangerte Heizform als besonders umweltschonend, da keine Abgase ausstoßen, hochgelobt habt, denn damals träumte man  noch von  Atomkraftwerken als Träger der Energie-Grundlast und die brauchen nun mal die stetige Abnahme von Strom, auch nachts. Die Verteufelung der Nachtspeicherheizungen ist allein die Folge der Erkenntnis, daß der Atomausstieg  ohne auf ebenso leistungsfähige  alternative Energieerzeugungsformen zurückgreifen zu können, ein Fehler war, den keiner zugeben will. Nachspeicherheizungen sind keineswegs ineffizient. Sie setzen die aufgenommene Energie zu 100% in Wärme um und erzeugen KEINE Abgase. Wenn nun die heute eingesetzten Kraftwerke nicht in der Lage sind, Wärme effizient und abgasarm in Strom zu wandeln, so ist das ein Problem der Energieerzeuger und sollte auch von diesen gelöst werden. Dezentrale Wärmeerzeugung fördert nur wieder das alte Problem (Ungeeignete Anlagen, mangelhafte Wartung, Verheizung von ungeeigneten Brennstoffen um Geld zu sparen etc, siehe den kürzlich erschienenen Fernsehbeitrag über Haus- und Wohnungsbrände, Billigöfen vom Baumarkt). Bei den meisten Studien zur Wirtschaftlichkeit oder Ökologie von Heizsystemen ist gesundes Mißtrauen angebracht, diese geben lediglich die vom Auftraggeber gewünschten Ergebnisse wider. 

  6. Das Verbot der E-Heizungen zielt wo ganz anders hin:Bisher kann sich jeder, der nicht die Knete hat, für $$$ seine HeizungsAnlage zu restaurieren (HandwerkerZwangskosten etc.), einfach rausreden, er hätte mit Strom geheizt.Und das ist angesichts der horrenden HandwerksPreise auch gut so. Der gesetzgeberische Terror hat ja bspw. letztens erst auf die HolzKesselbetreiber gezielt: Jeder, der sich in den letzten Jahren einen HolzKessel einbauen lassen hat (vermutlich solvent genug, so die Politiker), muss sich jetzt zwangsweise für ca. 3000 EUR einen Filter einbauen lassen.Usw. .Wenn der Schornsteinfeger kommt, und kassieren will, wird er eben einfach abgefertigt: Haben mit Strom geheizt .Das soll bald nicht mehr gehen, zum Unwohl des kleinen Mannes und zum Wohl der lobbyisierenden Interessengruppen.

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