Beziehungen
Lektionen der Liebe
Jede Partnerschaft ist voller Situationen, in denen man alles falsch machen kann. Der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer sagt, wie es richtig geht
Er hat das von Anfang an klargestellt: Er will kein Wort von ihr darüber hören, mit wem sie früher zusammen war. Einfach nichts. Und er wird auch kein Wort erzählen von seinen früheren Frauen, nichts. In Sachen Liebe haben also beide keine Vergangenheit. Sie findet das eigentlich ätzend. Sie möchte erzählen, sie möchte was erfahren von ihm. Doch er blockt. Über alles diskutiert und streitet er gerne. Nur nicht darüber. Er schweigt.
- Datum 24.10.2008 - 15:13 Uhr
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Zurück zur Ausgangsseite





Sehr andere Wertungen als die Herrn Schmidbauers
Ich habe zwei Bücher von W. Schmidbauer gelesen, zudem die meisten Aufsätze, die auf seiner Homepage stehen. Bei der Lektüre von Schmidbauers ZEIT-Antworten fielen mir Aussagen von ihm "an anderen Orten" ein, Aussagen, die meines Erachtens im Widerspruch zu Wertungen stehen, die WS in dem aktuellen Frage-Antwort-Spiel der ZEIT vertritt. Ich mache mir nicht die Mühe, die genauen Fundorte anderslautender Wertungen und Empfehlungen herauszusuchen. Der Autor kennt sie sicher - smiley.
Zur Einleitung. - Wolfgang Schmidbauer kritisiert an anderem Ort die modernen Medien: Diese versprächen die (eigentlich irreführende) Reduzierung der komplexen, ja schwierigen Welt der Gefühle. Was tut Schmidbauer im ZEIT-Frage-Antwort-Spiel?? - Er bestätigt genau jene Vereinfachungstendenz; Schmidbauer lässt den ZEIT-Mitarbeiter über WS behaupten: WS sage; "wie es richtig ist". Dabei bestehen die Antworten Schmidbauers jeweils nur aus wenigen Sätzen.
Frage-Antwort 1: Ein Mann will seiner neuen Frau nicht die Frage danach beantworten, wie seine früheren Beziehungen verlaufen seien. – Schmidbauer findet diese Haltung schlicht "weise" – An ANDEREM Ort hält Schmidbauer einer von ihm verurteilten rigoristischen, fordernden, moralisierenden Haltung als WÜNSCHBARE Haltung das ERZÄHLEN entgegen. Das ist aber das genaue Gegenteil der Haltung, die er im ZEIT-Text für "weise" erklärt. – Schmidbauer rechtfertigt die Schweigehaltung des Ehemannes damit, dass dieser die "Sehnsucht" habe, dass "die eigene Beziehung einzigartig ist." - An anderem Ort plädiert Schmidbauer für einen nüchternen Blick auf Beziehungen. Ich frage rhetorisch: Welche Beziehung kann vor einem nüchternen Blick "einzigartig" bleiben? – Ich behaupte weiters: Nichts wird einzigartig dadurch, dass es geheimgehalten wird.
In Frage-Antwort 4 schwärmt Schmidbauer von der einstigen Form der Brautwerbung durch einen beauftragten Dritten, den Brautwerber. "der werbende Mann zeigt durch seine Geduld und sein Dranbleiben, dass er eine ehetaugliche Kränkungsverarbeitung aufgebaut hat." – Ich frage: Warum muss ein Ritus vergangener Zeiten derart geheiligt werden? – Ein Möchtegern-Bräutigam, der sich nicht abwimmeln lässt, zeige, so Schmidberger, dass er ehe-vorteilhaft kränkungsverarbeitungsfähig ist. Ich frage: Liegen andere Erklärungen nicht genau so nahe oder näher? Etwa jene, dass das Bräute-Angebot nicht groß ist und der Bräutigam halt nehmen muss, was angeboten ist, auch wenn er gern was anderes hätte? Oder jene Erklärung, dass der Möchtegern-Bräutigam exzessiv von sich eingenommen ist, sich und seinen Wert überschätzt und meint, er sei der einzig richtige für die Umworbene?
In Frage-Antwort 5 entwertet Schmidbauer höflichen Umgang (Kant nannte dieses Verhalten "UmgangsTUGEND") zu einer Kuriosität, die dem Kind aus seiner Kindheit quasi als Marotte eines Unreifen anhaften geblieben ist. Ich hingegen behaupte: Dem Partner aus Begeisterung heraus etwas über die Welt erzählen – eine solche Haltung ist generell wünschenswert, und das Zuhören seitens des Partners ist eine schöne, gute, angebrachte Ergänzung. Man bedenke nur, in welchem zeitlichen Umfang Ehepaare miteinander reden! (smiley). - Ich möchte auch entgegenhalten: Höfliches, aufmerksames Sprechen und Zuhören erfordert Selbstkontrolle, ist Arbeit, ist Anstrengung, erleichtert aber dann auch das Gespräch in anderen, SCHWIERIGEREN Situationen. Ein solches Verhalten sollte nicht disqualifiziert werden, wie Schmidbauer das hier tut. – Dass die Frau ihrem Mann NACH dem Gespräch sinngemäß cool sagt. Dein Zeugs interessiert mich nicht; das ist sicher ehrlich, aber auch sicher nicht förderlich für eine Partnerschaft. Die Frau geht mit Kälte daran vorbei, dass ihr Partner sich für etwas Immaterielles BEGEISTERT (im vorliegenden Fall für Astronomie, eine der großartigsten menschlichen Wissenschaften).
Letzte Frage-Antwort: Da wird vom ZEIT-Frager ein Softie geschildert, der seiner Frau entzückend phantasievolle Freundlichkeiten und Liebenswürdigkeiten erweist. Ich möchte wetten: Das sind Freundlichkeiten, von denen die meisten Frauen träumen, aber nur TRÄUMEN können. – Nach einer dieser Freundlichkeiten fragt die Ehefrau ihren Mann rhetorisch. "Kannst du nicht einfach mal etwas total Arschlochmäßiges machen?" – Der Ehemann darauf: "Klar, was hättest du denn gerne?" – Eigentlich kann man diese Antwort als witzig, also als gelungen, empfinden. Schmidbauer indes zieht übel über diesen Mann her, wörtlich: "Ach, da ist einer voll in die Softiefalle gestürzt." Schmidbauer kritisiert den Mann de facto als Doofi, der seiner Frau "einfach alles recht machen" will "und glaubt, sie ist dann glücklich. Aber er ist doch nicht der Mustersohn und sie nicht die Mama."
Meine Empfindung bei dieser Passage: Die Parallelisierung höflichen, freundlichen phantasievollen Verhaltens mit dem Verhalten von "Mustersohn" gegenüber der "Mama" ist nichts als hässlich. Diese Disqualifizierung passt auch nicht zu Aufrufen Schmidbergers anderswo zu mehr Empathie etc.
Für die Ehefrau hat Schmidbauer nur so viel Kritik übrig, dass sie es anders machen sollte und dass sich in ihrem Verhalten eine innere Unfreiheit ausdrückt.
An anderem Ort erfindet Schmidbauer für Menschen, die Normen für sinnvoll halten und sie hörbar vertreten, den hart abfälligen Ausdruck "Normopathen". Ich bin ein solcher "Normopath" und denke: Zunächst und zu allererst hätte die Frau erkennen sollen, dass sie boshaft, wenn nicht gar bösartig zu ihrem Mann ist und dass sie ein solches Verhalten wie das hier gezeigte hätte einfach unterlassen sollen. Punkt! - Wenn sie sich aber schon ein so dreckiges Maul geleistet hat, dann sollte sie baldmöglichst um Entschuldigung bitten. - In einem weiteren Schritt kann sie, wenn sie viel Geld hat, zu Herrn Schmidbauer in die Psychotherapie gehen und sich erklären lassen, welche ihr bis dato unbekannten inneren Strebungen sie zu ihrer frechen Äußerung führten. – Aber letzteres ist ein ZWEITER Schritt, nach dem notwendigen ersten, und zudem, einer, der vermutlich nur in ganz seltenen Fällen stattfindet. Leute, die mobben, Leute, die hassen, Leute, die bösartig sind und verletzen, halten sich nur in den seltensten Fällen für behandlungsbedürftig (drei Smileys!).
Schmidberger gefällt sich a.a.O. mit Goethe-Zitaten. Hier sei ein Zitat aus dem Mund des zwischendurch auch ganz ordentlich normopathischen Goethe nachgeschoben: "Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil".
Schmidberger ist natürlich nicht immer gegen Normopathen. In seinem Aufsatz "German Angst" auf seiner Website bedauert er, dass in Deutschland zahlreiche Werte durch das Dritte Reich diskreditiert wurden, er bedauert, dass die Eltern "materialistischem Erfolgsdenken" anhängen (wenn das mal keine normopathische Aussage ist), er hält es für wünschenswert, dass man "gelebte und lebendige Ideale" "anbietet".
Veit Feger
Bin mit Schmidbauers Bewertungen der verschiedenen Situationen auch nicht immer so ganz einverstanden. Seine Interpretationen erscheinen mir da manchmal sehr exklusiv, etwa beim Sternenanbeter, der sich offenbart und ihre kühle Reaktion darauf. Wenn sich jemand offenbart, sollte man ihn nicht ins offene Messer laufen lassen - meine Meinung!Andererseits könnte die kühle Reaktion der Angebeteten auch einen konkreten Hintergrund haben. Vielleicht hatte ER ihr kurz vorher gesagt, dass es mit dem geplanten gemeinsamen Urlaub nicht klappt. Ihre ernüchternde Reaktion auf seine Sternenanbetung wäre dann u.U. ein Abblitzen, eine Retourkutsche, so wie er sie beim Urlaub hat abblitzen lassen. Da ist also bei den Geschichten noch sehr viel Interpretationsmasse drin! Deswegen greifen da vermeintliche Patentrezepte und Erklärungen womöglich zu kurz.Beim Thema Liebe und Konflikte ist für mich entscheidend: Erstens - ist die Liebe einseitig verteilt, dann sind Konflikte vorprogrammiert. Zweitens - wie kann ich mit den Eigenarten des Partners umgehen? Drittens - man kann über alles reden, und das sollte man auch. Alles hat seine Zeit (siehe Prediger Salomo) - auch das Schmollen! Aber hinterher muss es gut sein damit und am besten sollte dann die gemeinsame Aufklärung des eigenen Verhaltens folgen.Hündische Ergebenheit ist sicherlich auch in der Liebe fehl am Platze. Aber eine aufmerksame Liebe, die den anderen merken lässt, dass er begehrt wird, dass man mit ihm sein Leben verbringen möchte - warum nicht? Auch das sollte gesagt werden - gegenseitig...Ach ja - Liebe ist was Schönes (und Aufregendes, was uns auch manchmal aufregt)! Gib mir einen Kuss der bis zum Abend hält wenn die Sonne versinkt in der Untergangswelt Gib mir einen Kuss der bis zum Abend dauert und nicht nur nach dem nächsten lauert Gib mir einen Kuss und dann in der Nacht noch einen was hast Du denn gedacht (http//www.lyrikstunde.de).wm
Als hätte Mario Barth zwei Semester Soziologie studiert.
Nein, wirklich: Diese ganzen "Tipps" sind letzte Schublade.
Klischees, pubertäre Rangehnsweise, Pseudowissenschaftliche Ansätze.
Primitiv.
Es ist traurig wie die Zeit vergeht.
Ich könnte mich wirklich aufregen! Ist das Internet Schuld? Der Drang möglichst viel Inhalt zu generieren, so dass sogar Vorstadtlehrer auf einmal zu Beziehungsberatern werden? Aber ohne Witz: Hätte es vor fünf Jahren in der Zeit ein Frage und Antwortspiel mit einem Unterschichtspsychologen gegeben zum Thema "Sie will mein Handy. Ich will aber nicht. Was soll ich tun?"
Gerade läuft auf Sat1 eine Vormittagssendung mit erstaunlichen Ähnlichkeiten zu dieser "Kolumne".
Ab morgen lese ich Bild, die unterscheidet sich nur noch durch die nackten Brüste.
Dennoch freundlich Grüße,
fyp
Wo findet man die Tipps, die Herr Schmidbauer zu den angegebenen Situationen gibt?
Ich kann nur ein Bild und eine Schilderung der schwierigen Situationen lesen, aber wo steht, "wie mans richtig macht"?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren