Bundesliga Schicksale des DDR-FußballsSeite 5/5

FC Energie Cottbus
Energie Cottbus ist der einzige Traditionsverein der ehemaligen DDR, der nach der Wiedervereinigung nicht weniger erfolgreich spielte als vorher. Der Verein hat zwar keine Titel gewonnen, ist aber schuldenfrei. Ein möglicher Grund: Nachdem Energie vor der politischen Wende die besten Talente per SED-Beschluss an den BFC Dynamo nach Berlin abgeben musste, kann der Verein gute Spieler nun gewinnbringend verkaufen.
Als Betriebssportgemeinschaft (BSG) Energie Cottbus – den Name Energie ergab ein Leserwettbewerb der
Lausitzer Rundschau
– war der Verein eine sogenannte Fahrstuhlmannschaft der DDR-Oberliga. Fünfmal folgte nach einem Aufstieg der direkte Abstieg. Durch die schlechte Platzierung in der letzten DDR-Oberliga Saison startete Cottbus nur in der dritthöchsten Spielklasse ins vereinte Fußballdeutschland. Doch zahlreiche Aufstiege folgten. „Hol’s der Geyer! Ede löst Nikolinski in Cottbus ab", titelte die
Bild
-Zeitung, als im Juni 1994 Eduard Geyer das Traineramt übernahm. Mit dem Dresdner als Coach blieb die Mannschaft von 1996 bis 1997 in 57 Pflichtspielen in Folge ohne Niederlage. 1997 schaffte sie überraschend den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Als zweiter Amateurverein der deutschen Fußball-Geschichte gelang im gleichen Jahr der Einzug ins DFB-Pokalfinale. Drei Jahre später folgte der Aufstieg in die Bundesliga.
Für viele Kritiker zählt Cottbus aus rein sportlicher Sicht überraschend immer noch zu den beiden einzigen Bundesligisten aus der ehemaligen DDR. In der wirtschaftlichen Not der neunziger Jahre wuchs in Cottbus der Mut zur Improvisation. Im Jahr 2001 war Energie Cottbus der erste Klub, der in einem Bundesligaspiel nur ausländische Spieler aufstellte. In der vergangenen Saison konnten die Cottbuser mit einem Etat von 19,5 Millionen die Bundesliga vorzeitig halten. Das Team von Borussia Mönchengladbach, welches mit einem 27-Millionen-Euro-Kader spielte, stand bereits Wochen vor dem Saisonende als Absteiger fest.
Die erste Elite-Schule des DFB wurde im vergangenen Jahr von Matthias Sammer in Cottbus eröffnet. Die Rumänen Sergiu Radu und Vlad Munteanu schossen in der Saison 2006/2007 zusammen 25 Tore für Cottbus. Der Verein hatte beide Spieler für zusammen 300.000 Euro gekauft. Im Sommer wechselten sie für viereinhalb Millionen Euro nach Wolfsburg. Seitdem ist der FC Energie Cottbus schuldenfrei.
Ehemalige Spieler:
Gregg Berhalter (1860 München), Sergiu Radu (VfL Wolfsburg), Petrik Sander, Vlad Munteanu (VfL Wolfsburg)
Lesen Sie im ersten Teil der Serie die Schicksale von Hansa Rostock, Dynamo Dresden, Chemnitzer FC, Lokomotive Leipzig und Carl Zeiss Jena
- Datum 06.05.2008 - 05:42 Uhr
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