Unsere Leser schreiben Ob er wohl weiterspielt?

Der Meisterpianist fordert Konzentration: In Frankfurt zeigt sich Keith Jarrett als so empfindlicher wie empfindsamer Künstler. Sieben ZEIT-online-Leser berichten vom Konzert

„Du lebst nur noch in deiner Klavierwelt,“ sagt Herr Hanack zu seinem Sohn. Adrian ist 16 Jahre alt und wohnt mit seiner Familie im brandenburgischen Berge. Er liebt Keith Jarretts Musik. Er kennt seine Platten und die berühmten Konzerte, hat die Mitschnitte auf DVD. Manchmal leiht er seinem Vater eine Jazz-Platte.

Adrian Hanack war am vergangenen Sonntag in Frankfurt und hat Keith Jarrett im Konzert gesehen. Der ist seit 15 Jahren nicht mehr allein in Deutschland aufgetreten, aber jetzt, endlich. Innerhalb kurzer Zeit waren alle 2400 Karten für die Alte Oper ausverkauft. ZEIT online hat siebenmal zwei Tickets an seine Leser verschenkt, wenn sie denn hinterher vom Konzerterlebnis berichten wollten.

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Und sie wollten gern. Mona Eichhof aus Düsseldorf, Christine Grabher aus Lustenau in Österreich, Jörg Räther aus Hamburg, Ralf Neitzert aus Lohmar, Uta Kleffling aus Leipzig, Ron Cherian aus Köln und Adrian Hanack schickten uns ihre Beobachtungen.

Jörg Räther, der Musikkritiken weder liest noch schätzt, beschreibt die übergroße Erwartungshaltung des Publikums: "Es gibt nur wenige Konzerte, die eine musikalische Geographie abstecken – wie Johnny Cash in Folsom oder Frank Zappa in Montreux. Keith Jarretts Frankfurt Concert in der Alten Oper wird lediglich für die Anwesenden einen persönlichen Punkt markieren. Es wurde nahezu zwangsläufig den überspannten Erwartungen, auch denen des Künstlers, nicht gerecht."

Was erwartete denn der Meister von seinen Gästen? Ralf Neitzert schildert's auf Kölsch: "Zoeets kam en lecker Mädche, dat hät uns jesaht, wat mir all nit dörfe. Ävver dat Hoste met dobei sin künnt, dat han de Lück nit jedach. Un dann is et passeet, dreimol Hoste, vun zweienhalf Dausend Lück, in dä staats Aale Oper. Un et wor höösch do, an dä Stelle vun däm Kies singe Stöck. Ävver dann nix mih. Dann hät hä met singem Klaveer zerögg jespillt. Ganz laut, un met ener Rage, da han ich ens Angs krijje. Un dann noch en höösch Stöck. Widder Hoste. Do jit et nur eins, dat Publikum muss erus us dem Saal, oder dä Kies maht dat Klaveer zo."

Und Uta Kleffling übersetzt: "Jarrett erwartete absolute Konzentration. Doch man täuschte sich, glaubte man, dass dies die Masche eines egozentrischen Künstlers sei, denn sie war ebenso für den Zuhörer entscheidend. Nur so konnte man die Schwingungen aufnehmen, die der Improvisateur in den Saal sandte."

Leser-Kommentare
  1. Was ist das für ein esoterischer Personenkult, wenn der Meister "Schwingungen in den Saal sendet" (- ja klar, irgendwas muß bei Musik ja schwingen, oder?), wenn "sein gewundener Körper Klänge aus einer anderen Welt" hervorbringt und das Publikum verzaubert ist "von der Magie der spontanen Erfindung"? Und dann versteht Keith Jarrett es noch, sich wie ein Tastengott zu gebärden, indem er das Publikum anraunzt. Soll er halt einfach nur Musik machen - die kann man dann schön finden oder gut, kann beseelt oder gelangweilt nach Hause gehen, beschwingt oder aber müde vom angestrengten Zuhören. Da war mal ein wirklich klasse "Köln Konzert" und dann lange nicht mehr viel Bedeutsames. Wär ja schön gewesen, wenn einen das Konzert beseelt entlassen hätte, so war´s nur bemüht und man gab sich geblendet von einstiger Größe.

  2. Mr. Jarrett hatte vor dem Konzert darum bitten lassen. dass man ihn doch nicht fotografieren möge. Nach der vierten Zugabe des Konzerts schien es, dass er sich gerade hinsetzen wollte um eine weitere zu spielen, als er mit Blitz fotografiert wurde. Nach einer kurzen Geste der Art "Dann eben nicht..." verliess er sofort die Bühne und das Saallicht wurde wieder eingeschaltet. Mich beschleicht das ungute Gefühl in diesem Bericht das dabei entstandene Foto erblickt zu haben. Falls dem so ist, hat Ihre Fotografin durch Ihr rücksichtsloses, egoistisches Verhalten das komplette Publikum von 2400 Leuten um den Genuss eines weiteren Stückes in einem nichtsdestotrotz grossartigen Konzert gebracht.

  3. Verehrter Lessefff,um Sie zu beruhigen: Das Foto in unserem Leser-Beitrag vom Keith-Jarrett-Konzert haben wir von der Bildagentur Getty übernommen. Es zeigt Keith Jarrett bei einem Auftritt in La Fenice in Venedig am 19. Juli 2006. Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie, dass er eine andere Weste trägt als in Frankfurt und wegen der hochsommerlichen Temperaturen auch ein kurzärmeliges Hemd.Beste Grüße aus der ZEIT-online-Musikredaktion

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