Erderwärmung Schlammschlacht ums Klima

Die sachliche Klimadebatte scheint am Ende. Mediale Angriffe gegen Forscher häufen sich. Jetzt schlagen die Wissenschaftler zurück. Zu Recht? Ein Kommentar

Die Welt wird ungemütlicher. Nicht nur wegen des Klimawandels , dessen Auswirkungen unseren Planeten sehr wahrscheinlich in einem Ausmaß verändern werden, das wir uns heute kaum vorstellen können. Recht unangenehmen wird es schon jetzt für die Protagonisten in der öffentlichen Debatte um die ungewisse Klimazukunft: Die Wissenschaftler, von denen wir so gerne glauben, dass sie genau wissen, was sie uns erzählen; die wir uns gerne nicht nur im weißen Kittel, sondern auch mit weißer Weste vorstellen.

Um die Unbeflecktheit dieser Weste fürchtet die Wissenschaft nun offenbar. Gerade veröffentlichte die Leibniz-Gemeinschaft, in der 83 außeruniversitäre deutsche Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen sind, einen engagierten Zwischenruf . Mit ihm wollen sie dem Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) den Rücken stärken im Kampf gegen die Medien, deren Angriffe auf die Person Rahmstorfs „den Rahmen des Erträglichen verlassen“ hätten.

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Was war passiert? In jüngster Zeit, klagen die Forscher, hätten Medien und Sachbuch-Autoren den Klimawandel immer öfter sachlich falsch in Frage gestellt. Als der Physiker Rahmstorf dagegen zu Felde zog und in der FAZ eine nüchterne Abhandlung schrieb, warum die Argumente der Skeptiker falsch seien, schlug ihm als deren Antwort nur barsche persönliche Anfeindung entgegen. Er betreibe eine „fanatische Verfolgung Andersdenkender und nutze in der öffentlichen Debatte „rabiate Methoden“, durften die Kritiker dem Forscher ebenfalls in der FAZ entgegnen.

Den Wissenschaftlern der Leibniz-Gemeinschaft geht das entschieden zu weit. Sie holen zum Gegenangriff aus und nehmen die Medien generell ins Visier. Konkret benennen sie Spiegel Online und die Welt als öffentliche Akteure, die sich von einer sachlichen und verantwortungsbewussten Diskussion des Klimawandels inzwischen verabschiedet hätten, und nun nur noch mediale Schlammschlachten um Personen schlügen.

Es ehrt die Leibniz-Gemeinschaft, dass sie ihr Mitglied Rahmstorf so heldenhaft verteidigt. Bloß: Warum glaubt sie, dass das nötig ist? Es ist ja keineswegs so, dass Rahmstorf oder das PIK mit dem Rücken zur Wand stünden – im Gegenteil. Der Ruf des Instituts ist in Forschung wie Politik gleichermaßen exzellent. Die Bundesregierung sucht bei Rahmstorf und seinen Potsdamer Kollegen Rat und finanziert wohlwollend ihre Arbeit mit. Der Chef des PIK, Hans Joachim Schellnhuber, ist gleichzeitig klimapolitischer Chefberater der Kanzlerin. Keiner in seinem Dunstkreis hat irgendeine Schädigung durch die öffentliche Debatte zu befürchten.

Leser-Kommentare
  1. Die Aufforderung an die Journalisten gilt leider nicht nur für das Thema Klimaschutz. Immer wieder entdecke ich Artikel, die entweder unredigiert von Reuthers oder sonstwem übernommen werden oder Ergüsse, deren Einseitigkeit schon aus der zusammengefalteten Zeitung stinken. Die  fundierte Information ist nichts mehr wert. Agitation bringt Auflage, wir Leser machens mit.

  2. http://scienceblogs.com/d...Wem dem Link folgt, der erkennt sehr schnell, dass Journalisten nicht informieren wollen, sondern Hahnebüchenes aus der Feder fließen lassen und dann kontrollieren,wie viel bringt es an Aufmerksamkeit.
    Ich fühle mich verarscht und gehe dort hin, wo ich ernst genommen werde, z.B. hier: http://www.realclimate.org/

  3. Wie meinen? Prof. Rahmsdorf soll eine "nüchterne" Abhandlung zu den Klima-"Skeptikern" in der FAZ geschrieben haben? Er hat gekeilt, ausgeteilt und daraufhin Wind von vorne bekommen. Die von vielen Medien gemästete Klimasau, die durchs globale Dorf gejagt wird, hat nichts mit der Klima-Realität zu tun. Es sieht weitgehend  (mit Ausnahmen) so aus, dass aus den hahnebüchenen Verlautbarungen des politischen (!) Gremiums IPCC abgeschrieben wird. Klimatologen, die sich kritisch zu den Aussagen des IPCC äüßern, haben Mühe, sich Gehör zu verschaffen oder werden gemobbt. Dieses miese Spiel lässt sich bis ins Nobel-Komitee verfolgen, die das IPCC und den gerichtsbekannten Propagandalügner  (zumindest im Vereinigten Königreich) Al Gore mit einem Friedensnobelpreis adeln.

  4. Das Wissenschafts-Geschaeft laeuft im Grunde in fast allen Spaten der Wissenschaft aehnlich ab, wie es hier dargestellt wird! Es kommt auf die richtige Strategie des Forschers an der Karriere machen will, also wie er seine wissenschaftliche Richtung auf den Plattformen vermarktet. Ganz wichtig sind auch Beziehungen zu bereits etablierten Machthabern an den Universitaeten. Wichtig ist auch sich an starken Richtungen und deren Vertreter anzuhaengen, wie es im Falle der Klimaforschung hier beschrieben wird. Man braucht in gewisser Weise die Mentalitaet eines Autoverkaeufers, sonst geht es nicht! Was wirklich neues zu erforschen ist mit viel echte und harte wissenschaftliche Arbeit verbunden und ist sehr riskant  in der gewoehnlichen und hierarchischen Karrierestruktur (siehe hierzu das Buch: Forschen auf Deutsch, Der Machiavelli fuer Forscher und solche, die  es werden wollen, von S. Baer). In der Literatur der Wissenschaftssoziologie schon laengst eingeangen, nur auf dem entsprechend hoeheren Niveau!Dies war in Kreisen der Wissenschaft schon immer voellig klar und jetzt, im Falle der Klimadiskussion, die die breite Oeffentlichkeit sehr interessiert, wird dieses soziologische Gesicht der Wissenschaft endlich fuer alle sichtbar!  Leute wie Rahmsdorf und Schellnhuber usw. kennen die internen Regeln und Marktgesetzte des wisschenschaftlichen Aufstiegs (hier sei angemerkt, das es keine Kritik dein soll).Wissenschaftler reinen Herzens wie der Mathematiker Grigori Perelman haben gezeigt, das man diesen Marktplatz mit all seinen Eitelkeiten und Intrigen widerstehen kann und der Welt eindrucksvoll gezeigt, was wahre Wissenschaft ist!

  5. 5. Danke

    Lieber Bjoern Schwentker,
    "Beides steigert die Auflage. Beides ist gefährlich."
    vielen Dank fuer diesen Beitrag. Wenn man sich die Kommentare weiter unten ansieht, wird deutlich, wie dringend noetig er war!
    Ich verfolge die Debatte seit einiger Zeit aus Sicht des Wissenschaftlers. Ich glaube, und da bin ich mit den meisten Kollegen einig, dass die Wissenschaft natuerlich die Verantwortung hat, sich mit sogenannten Skeptikern auseinanderzusetzen. Das liegt nicht nur an den Steuergeldern, von denen wir leben, sondern auch daran, dass Klimaforschung relevant fuer politisches Handeln ist. Jeder politisch handelnde Akteur wird wissenschaftliche Erkenntnis in seinem Sinne nutzen, unsere Aufgabe ist es, den Hintergrund zu erklaeren, so weit wir kompetent sind.  Das bedeutet uebrigens auch, politische Statements von wissenschaftlichen zu trennen und als solche zu kennzeichnen, egal ob man nun gruen ist oder von Exxon bezahlt wird.
    Nur ist diese Diskussion immer auch eine Gradwanderung: Viele Menschen sind ja sicher wirklich einfach nur skeptisch und wollen verstehen. Mit denen setze ich mich gerne auseinander, solange ich nebenbei auch Arbeiten kann. Ich kenne renommierte Kollegen, die vor lauter Hilfsbereitschaft kaum zum Forschen kommen. Andere sind aber, wie Sie so schoen schreiben, wirklich ideologiegetrieben oder zumindest geltungssuechtig. Ich will hier nicht fragen, welche Ideologien das sein moegen, aber einige Akteure (auch Journalisten), die bewusst falsch zitieren, kann man schnell entlarven. Ein wunderbares Beispiel sind zwei Zitate zur angeblichen Saettigung der CO2 Absorption. Unzaehlige Male trifft man im Internet ein Buch von Graedel und dem Nobelpreistraeger Crutzen zum Thema zitiert, genauso wie einen IPCC Bericht von 1994. Beide Zitate werden vollkommen ins Gegenteil verkehrt. Jemand der so dreist vorgeht, verdient es nicht als Skeptiker bezeichnet zu werden.  Dann gibt es die Kritiker, auch in diesem Forum, die lieber an bestimmte Dinge glauben, als sich mit der Wirklichkeit auseinanderzusetzen: Das IPCC ist kein politisches Gremium. Die Arbeitsgruppe I (WG I), das sind Wissenschaftler, schreibt einen Bericht, der den Stand der Klimaforschung zusammenfasst. In dieser Rolle ist das IPCC nicht mehr oder weniger wissenschaftlich als jede andere Gruppe von Wissenschaftlern, die einen Forschungsbericht schreibt. Diesen Bericht kann jeder interessierte Leser kostenfrei auf der Seite www.ipcc.ch runterladen. Da so viele Wissenschaftler an diesem Bericht beteiligt sind, neigt er auch nicht zu Uebertreibungen, da nur Elemente aufgenommen werden, ueber die Konsens herrscht. Alle Kontroversen werden als solche gekennzeichnet. Natuerlich ist er nicht sakrosankt, wie jedes andere Werk auch. Lediglich an der Zusammenfassung fuer Politiker sind auch Regierungsvertreter beteiligt. Aber wem das zu zensiert erscheint, kann wie gesagt das Original lesen. Jemanden, der dies nicht sehen will, halte ich nicht fuer objektiv.
    Mit solchen Kritikern muss man sich also als Wissenschaftlernauseinandersetzen, und das moeglichst ohne persoenliche Angriffe. Nur wo ist die Grenze? Wenn man gar nicht antwortet, gilt man schnell als anmassend. Vielleicht sollte man die Grenze als Wissenschaftler in Zeit bemessen, und vielleicht Literaturhinweise zum nachlesen geben (den IPCC Bericht und das Buch von Graedel/Crutzen findet man z.B. in Universitaetsbibliotheken).
    Weiterhin glaube ich, sollten wir Wissenschaftler aufpassen, uns nicht politisch vereinnahmen zu lassen. Ich bin zwar relativ gruen, aber deshalb will ich nicht zu sehr mit einer Kampagne eines Al Gore in Verbindung gebracht werden. Selbst wenn Gores Film nach Aussage eines britischen Richters bis auf 9 Maengel gut  ist und die Kernaussage stimmt (Eine Frage an dwarsloper: Wer bitte macht hier Propaganda? Bei Kritik bitte bei den Fakten bleiben!) ist, so kann Gore doch relativ frei mit Fakten umgehen. Auf Dauer ist zu grosse Naehe da sicher gefaehrlich fuer unsere Glaubwuerdigkeit.
    Schliesslich denke ich, auch das hat mit Glaubwuerdigkeit zu tun, sollten wir Wissenschaftler auch  unsere Methodik besser vermitteln. Fuer Modelle kann ich nur bedingt sprechen, aber ich bin beeindruckt von der Modellvalidierung der letzten Jahre, wie gut die Qualitaet mittlerweile ist, Klimaphaenomene zu reproduzieren. Aber trotzdem haben Modelle natuerlich Schwaechen, was Details angeht. Keine Schwaechen, die Kernaussage der Forschungsergebnisse (Der Klimawandel ist sehr wahrscheinlich menschgemacht und wird voraussichtlich global in dem prognostizierten Bereich liegen) ueber den Haufen werfen werden, aber doch den Einfluss des Klimawandels auch bestimmte Regionen vielleicht ungenau einschaetzen. Eher kann ich fuer statistische Analysen sprechen, und da gibt es zwischen verschiedenene Untersuchungen fundamentale Unterschiede. Der grosse Rahmen ist mittlerweile sehr gut verstanden, mittels statistischen Methoden kombiniert man Modelle und Messdaten (Detection Attribution oder Fingerprinting). So kann man ziemlich sicher sein, dass Global Warming menschgemacht ist, auch viele andere Fragen, die die Physik des Klimas angehen, sind wahrscheinlich beantwortet. Aber wenn man sich Untersuchungen ueber die Auswirkungen auf z.B. Oekosysteme anschaut, dann sind unsere Erkenntnisse einfach wackeliger. Dort sind die Phaenomene komplexer und die Daten schlechter. Man sieht Trends, wahrscheinlich stammen sie von Global Warming, aber so sicher wie in der Klimaphysik sind wir uns nicht. Diese Unterschiede sollten wir benennen.
    Umgekehrt erlaube ich mir aber auch, Wuensche an Journalisten zu formulieren.  Zum einen sollte man als Journalist die Akteure der Diskussion sauber trennen; einem Ihrer Herausgeber scheint das ja neulich ein wenig missglueckt zu sein. Es gibt Politiker, Aktivisten, Wissenschaftler, Journalisten und die einfachen Buerger. Alle sind sie in der Diskussion zum Klimawandel aktiv, auch ist natuerlich niemand nur Aktivist oder nur Wissenschaftler.  Aber alle ueber einen Kamm zu scheren, ist mehr als polemisch. An dem Vorwurf des Klimatismus ist natuerlich etwas dran, wenn man staendig Schlagzeilen a la "Schildkroete hat zwei Koepfe wegen Klimawandel" liest, aber deshalb gleichzeitig die Wissenschaft als ganzes zu kritisieren, ist vielleicht ein wenig uebertrieben.
    Zweitens erwarte ich von einem Journalisten, nicht zu uebertreiben. Okay, das ist jetzt vielleicht so, als wuerde ich von einem Vertreter Ehrlichkeit verlangen, aber es sollte nicht zu weit gehen. Natuerlich gibt es Wissenschaftler die schon von selbst uebertreiben (Achtung: Stefan Rahmstorf hat KEINE Eiszeit angekuendigt, auch wenn manche Ideologen das bis heute nicht sehen wollen). Aber ich erinnere mich noch gut, wie ein Journalist - gerade gab es die grosse Flut in Sheffield -  meinen Chef fragte, ob denn dieser Niederschlag auf global Warming zurueckzufuehren seien. Da unsere Ergebnisse dies nicht bestaetigen konnten, sagten wir auch genau dies: nein. Was den Journalisten dann zu immer spitzfindigeren Fragen trieb, bis er endlich entnervt aufgab.
    Drittens erwarte ich von Journalisten, nicht zu paraphrasieren, sondern wissenschaftliche Artikel auch zu bewerten. Wenn ein Journalist sich als Mittler zwischen Fachwissen und Oeffentlichkeit sieht, dann ist es auch seine Aufgabe, serioese Ergebnisse nach bestem Gewissen von unserioesen zu trennen. Natuerlich kann es da nicht um Detailfragen gehen, sondern um einen Ueberblick. Ich verlange von keinem Journalisten zu verstehen, was ein Maximum Likelihood Schaetzer ist. Ein statistisches und naturwissenschaftliches Grundwissen erwarte ich aber schon (sehr gut: Das Ziegenproblem von Ihrem Kollegen von Randow). Und wenn das Wissen nicht weiterreicht? Nun, gute Journalisten bitten dann bei anderen Wissenschaftlern um einen Kommentar, um ein besseres Bild zu bekommen. Wer ohne dieses Grundwissen und ohne diese Absicherung vorgeht ist fahrlaessig. Im Zweifelsfall sollte man dann lieber den eigenen Artikel etwas vorsichtiger formulieren, und nicht gleich mittelmaessige Wissenschaftler zu neuen Alfred Wegeners erklaeren.
    So viel von einem (vielleicht nicht ganz objektiven) Beobachter, dem die ganze Debatte mittlerweile genauso auf die Nerven geht, wie manchem Zeit-Herausgeber. Nur liegt die Verantwortung dafuer eben auch bei Journalisten. Vielen Dank, dass Sie dies hier so ausgewogen klargestellt haben!
    Dr. Douglas MaraunNorwich, UK

  6. Mich stört
    das Niveau, auf der die Diskussion über den Klimawandel zum Teil
    stattfindet.Dagegen ist die Frage, ob die Erde sich um die Sonne
    dreht oder umgekehrt, intellektuell ausgesprochen anspruchsvoll.
    "Jedes Kind" weiß, das es so ist. Mit Erfahrungen des
    Alltags ist diese Behauptung aber keineswegs nachweisbar. Das hat
    Galileo Galilei schmerzhaft erfahren. Er konnte zwar sehen, dass sich
    die Monde um den Jupiter drehten, fand aber keinen Beweis dafür,
    dass sich die Erde genauso um die Sonne dreht. Auch Nikolaus
    Kopernikus konnte sein enorm ansprechendes Weltbild nicht beweisen.
    Erst Johannes Kepler gelang mit seiner wenig anschaulichen
    Beschreibung der
    Planetenbahnen als Ellipsen  der Beweis durch die exakte
    Vorhersage der Position von Planeten.Wie viel einfacher ist es,
    den Treibhauseffekt über Anschauung herzuleiten. Wenn Dipl. Met.
    Dr. phil. Wolfgang Thüne vor ein paar Jahren behauptet hat, es
    gebe überhaupt kein Klima, sondern nur Wetter, dann ist das
    schon heftig. Seine Aussage wurde im Jahr 1498 widerlegt. Mit
    seiner ersten Fahrt nach Indien weit abseits der Küsten
    bewies Vasco da Gama, dass es sich wiederholende, verlässliche
    Wetterphänome gibt, halt das Klima. Im Zusammenhang mit der
    Klimadiskussion behaupteten im Jahr 2005 zwei Astronomen oder besser
    gesagt Möchtegern Astronomen, die Abkühlungen, der die Erde
    im Rhythmus von etwa 150 Millionen Jahren ausgesetzt ist, kämen
    daher, dass die Sonne in diesen Zeiträumen bestimmte Strukturen
    der Milchstraße passieren würde. Mehrere
    Wissenschaftler wehrten sich, leicht genervt, gegen diesen kompletten
    Blödsinn. Worauf hin sich ein Wissenschaftsjournalist im SWR 2
    über die Unterdrückung der wissenschaftlichen Diskussion
    aufregte. Man sieht: Dummheit ist unbegrenzt steigerungsfähig.
    Mancher Akteur sollte erst einmal recherchieren, bevor er sich an
    seinen PC setzt. Vielleicht lässt man manchen Irrsinn einfach
    unkommentiert stehen, um zu den Fakten zurückzukehren. Mir
    gefällt die Art, wie Stephan Rahmstorf versucht, der
    Öffentlichkeit die Arbeitsweise von Wissenschaft nahe zu
    bringen.Stefan Starke

  7. Lieber Douglas Maraun,

    haben Sie vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar. In fast allem, was Sie schreiben, würde ich Ihnen zustimmen, insbesondere darin, dass dem Journalismus eine besondere Verantwortung in der Klimadebatte zukommt. Doch gestatten Sie mir, trotz aller Versäumnisse unserer Zunft ein gutes Wort für die Kollegen (und mich) einzulegen.

    Im Idealfall ist der Journalimus die Kraft, die das Verständnisproblem zwischen Skeptikern und Wissenschaftlern lösen kann. Denn im Idealfall sind die Journalisten auf keiner der beiden Seiten, unabhängig, fair, kritisch nach allen Seiten hin und vor allem so gut informiert, dass sie all dieses auch wirklich sein können. Das würde den Journalismus ungeheuer glaubwürdig machen. (Ich glaube allerdings, dass seine Rolle dann keineswegs die eines Vermittlers wäre. Eher die einer unabhängigen dritten Partei, die nach strengen, eigenen Qualitätsregeln arbeitet, und zwar mit dem Ziel, letztlich dem demokratischen Meinungsbildungsprozess zu dienen, indem sie den Lesern eine Bewertung des Klimawandels möglich macht, auf deren Grundlage demokratische/politische Entscheidungen möglich sind.)

    Doch diese Glaubwürdigkeit haben die Medien nicht mehr. Jene Kriterien, die Sie nicht zu unrecht von uns Journalisten einfordern (Akteure der Diskusion kennen und auseinander halten können, nicht übertreiben, wissenschaftliche Artikel lesen und bewerten können, dazu das nötige statistische Verständnis haben), hat heute kein Journalist mehr - vielleicht hatte sie auch nie einer. Unser Beruf findet inzwischen fast überall unter solchem Zeitdruck und unter solcher Finanzknappheit statt, dass solche Ressourcen einfach nicht mehr da sind und auch nicht geschaffen werden können.

    Nun ist allerdings ohnehin klar, dass ein Journalist kein Wissenschaftler ist, und gar nicht sein Wissen haben kann. Dafür hat er zum Beispiel ein Telefon. Er könnte es einfach mal öfter benutzen und mehrere (!), voneinander unabhängige (!), hochkarätige (nicht nur wegen ihrer Publikationsliste!) Wissenschaftler anrufen, sie zu ein und demselben Thema befragen und es sich erklären lassen. Und sich dann entweder eine eigene Meinung bilden, die er den Lesern in Form eines Kommentars weitergibt. Oder aber, und das ist der eigentliche Kerngedanke des Journalismus: Er könnte all diesen Meinungen in ihrer Vielfalt eine Stimme geben, und den Leser selbst für mündig erklären, sich eine Meinung zu bilden.

    Doch das passiert erstaunlich selten. Einfacher ist es schließlich, direkt tendentiös zu schreiben. Dazu muss man nicht viel recherchieren. Das wäre vermutlich auch ziemlich hinderlich, denn so mancher Autor will ja seine ganz persönliche Meinung bis zum Schluss durchhalten. Und das könnte schwierig werden, wenn er plötzlich aus der Wissenschaft eine anderslautende Ansicht (womöglich faktisch wohlbelegt) hört.

    Was also ist zu tun? Sicherlich sind die von Ihnen formulierten Erwartungen nicht herunterzuschrauben. Man sollte sie als Ziel vor Augen haben. Wohl wissend, dass sie praktisch unerreichbar sind. Wir Journalisten müssen uns immer wieder auf den Hosenboden setzen und bei aller Zeit- und Mittelknapheit doch versuchen, zu verstehen. Aber auch Sie, die Wissenschaftler, können etwas tun: Indem Sie zum Beispiel ans Telefon gehen, wenn wir anrufen. Nehmen Sie sich ein Bisschen Zeit für uns und verzeihen Sie uns, wenn wir selbst nach drei Nachfragen noch nicht begriffen haben. Unsere Beharrlichkeit richtet sich nicht gegen Sie. In der Tat ist sie gut gemeint. Und manchmal führt sie tatsächlich zu mehr Verständnis. Auf allen Seiten.

    (Björn Schwentker, Redakteur ZEIT online Wissen)

    • Colon
    • 26.10.2007 um 2:24 Uhr

    Lieber Herr Schwentker,

    Da titelt ZEIT-Online, "nicht einmal Talkshow-Niveau" in der Bildunterschrift zu Frau Langers, gelungener Grafikcollage, da fordern Sie Sachlichkeit und schimpfen gegen die Schlammschlacht in der Klimadebatte. Da bemerken Sie persönliche Angriffe gegen Klimaforscher statt Argumente in der Diskussion. Dann liefern Sie selbst, vor allem einen persönlichen Angriff auf Herrn Ramstorf , der sich nicht so zieren solle, weil er doch selbst kräftig austeile. - Auch bei fairster Betrachtung bleibt da ein Geschmäckle, wenn Ihnen dabei selbst die benutzten Sprachbilder ins Klischeehafte abrutschen. - Beobachten Sie Klimaforscher vorwiegend in weißen Kitteln? - Könnte es sein, dass auch Sie sich lieber durch langfrsitig gehegte eigene Vorurteile leiten lassen, weil Sie tatsächlich glauben die Wissenschaftler genösssen einen fast ärztlichen Vertrauensvorschuss und Ihnen, den Journalisten, würde nicht allzu viel geglaubt?

    Alas.

    Gänzlich unsachlich werden Sie, wenn Sie die Klimadebatte so darstellen, als sei die Presse in der überwiegenden Mehrheit, gar mit der Bildsprache der Apokalypse, auf Seiten der Forscher des IPCC und dramatisiere. - Wohlgemerkt, einmal die Zeitung mit den vier Großbuchstaben ausgenommen, ist genau das Gegenteil der Fall.

    Tatsache ist, dass sowohl die von der Leibniz-Gesellschaft erwähnten Qualitätszeitungen, als auch Ihr Blatt, die ZEIT/ZEIT-Online, in den letzten Jahren bei der Beurteilung der Fakten fast immer auf der falschen Seite lagen und, im Wunsch die Dinge zu entdramatisieren, - ich unterstelle einmal naiv diese positive Absicht -, die früheren schon recht zurückhaltenden und konservativen IPCC - Berichte massiv kritisierten. Seit geraumer Zeit rudern Sie nun zurück und akzeptieren, was bei der erdrückenden Datenlage nicht mehr länger geleugnet werden kann.

    Sie, Herr Schuh, ihr Herausgeber Herr Joffe erst jüngst wieder in einer reinster Polemik, neigen jedoch weiter sehr zur persönlichen und zur pauschalen Kritik, ohne den eigenen Faktenhintergrund öffentlich zu machen. Das ist, denke ich, unsachlich. Noch unsachlicher, wenn man zur eigenen Absicherung wiederum z.B. nur auf die Polemiker einer journalistischen "Achse des Guten" verweist.

    Ich hoffe sehr, Herr Schwentker, Sie steigen vom Pferd und spielen nicht den Oberschiedsrichter der Klimadebatte. Bald publizieren Sie ein sachliches Essay zum Thema und geben die Quellen am Ende an. Damit wäre der Debatte wirklich gedient! Ich bin sicher, Sie können das.

    Im Übrigen ist die beste Lösung für eine persönliche Kritik, wenn es Sie denn danach gelüstet, ein ausführliches Streitgespräch mit den IPCC-Klimatologen in der ZEIT/ZEIT-online. Dann kann das geneigte Publikum direkt Pro und Kontra abwägen. Bitte führten Sie das Gespräch und nicht Ihr ideologischer und uninformierter Herausgeber, Herr Joffe!

    Ganz bösartig ist Ihr Argument, es ginge den Wissenschaftlern des IPCC vor allem um die Forschungsgelder.
    Ich kann mich wirklich nicht erinnern, die ZEIT seit 1988 regelmäßig lesend, je einen solchen Vorwurf aus diesem Verlagshause vernommen zu haben, als es um die Finanzierung und öffentliche Förderung der fast zu 100% industrieabhängigen Forscher in der Autoindustrie, bei der weißen und grünen Gentechnik oder bei der Raumfahrt, geschweige denn bei der sündhaft teuren Teilchenforschung, oder bei der Nuklearforschung ging. Kein Wort von Ihnen zur Finanzierung der völlig industrienahen Forschung bei den Kontolleuren in der Pflanzenschutzmittelforschung und bei den chemischen Gefahrstoffen. Nie las ich in gleich kritischer Weise einmal eine Botschaft von Ihnen zur Militärforschung! Da wird übrigens, um den Kopperschen Ausdruck abzuwandeln, ein Vielfaches der "Forschungsgeld- Peanuts" für Klimatologen verbraten. - Wenn da einmal etwas in der ZEIT/ZEIT-Online stand, dann schrieben es meist Gäste.

    Auch wenn Sie Ihr Anliegen in der Antwort auf Herrn Maraun verdeutlichen und versachlichen, spricht Ihr Artikel und der Ihres Herausgebers eher gegen Ihre löblichen Absichten, uns alle zu mehr Sachlichkeit in der Debatte zu bewegen. 

    Liebe Grüße

    Christoph Leusch

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