Russland Die Methode FSB
Der Rechtsanwalt Boris Kusnezow war in Russland ein Star. Bis er den Geheimdienst herausforderte. Nun ist er auf der Flucht
Wir sitzen in einem Café irgendwo in Berlin und trinken Tee. Gemessen an seinem Status sieht er eigentlich etwas ungewöhnlich aus. Kein Nadelstreifenanzug, keine teuere Aktentasche, kein Chauffeur, der draußen mit einer Limousine auf ihn wartet. Der grauhaarige bärtige Mittsechziger, der eine Zigarette nach der anderen raucht, trägt Jeans und ein etwas verschmutztes Armani-T-Shirt, kam mit der U-Bahn. Fahrten durch Berlin mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind für ihn jedes Mal ein Abenteuer. Er kennt die Stadt nicht, kann kein Deutsch, nur ein paar Brocken Englisch.
Noch vor wenigen Wochen lebte er in einer Nobelsiedlung bei Moskau in einer Millionenvilla, die er, ein Schiffsnarr, in Form einer alten Fregatte bauen ließ – mit einem hohen Mast, echten Segeln, Strickleitern und sogar schusstauglichen Bordkanonen. Das Schiff mitten im Wald beherbergt kostbare Antiquitäten, eine riesige Bibliothek und museumswürdige Sammlung historischer Waffen. Der Hausherr zeigte es gerne seinen zahlreichen Gästen, der Moskauer Elite, die ihn besuchte.
Nun wohnt er in Berlin in einem Plattenbau, einer winzigen, einigermaßen eingerichteten Wohnung, die ihm ein Bekannter zur Verfügung gestellt hat. Die Frage nach seiner genauen Adresse und der Zeit, die er noch in Berlin verbringen will, wäre unangebracht. Er ist auf der Flucht. Die ersten Tage in Deutschland, erzählt er, hat er sich zwei Bodyguards genommen. Auch wenn er es herunterspielt, sitzt in ihm eine tiefe Angst, zumindest große Vorsicht. Es ist nicht auszuschließen, dass der russische Geheimdienst hinter ihm her ist. Und diesen Leuten kann man alles zutrauen. Wenn sie einen Litwinenko umgebracht haben, der sich mit ihnen angelegt hat, warum können sie nicht auch ihn beseitigen? Er habe ebenso wie Litwinenko den FSB herausgefordert, versucht, die allmächtige Behörde in die Schranken zu weisen. Mehr noch, er habe kompromittierende Unterlagen über seine schmutzigen Praktiken herausgeschmuggelt. Vielleicht ist sein Laptop ihnen noch wichtiger als er selbst.
Aber um ihn zu schnappen, müssen sie erst mal seinen Aufenthaltsort herausfinden. Keine einfache Aufgabe. „Wo stecken Sie denn?“, fragte ihn ein Untersuchungsführer, als er bei der Generalstaatsanwaltschaft anrief, um mitzuteilen, dass er unmöglich zum Verhör erscheinen kann. „In Eurasien“, antwortete er und nannte die Telefonnummer seiner in Paris lebenden Tochter für den Fall, dass der Mann ihm eine Nachricht hinterlassen wollte.
Dass „Eurasien“ Berlin ist, wissen nur seine engsten Vertrauten. Ihnen gibt er auch die Nummer seines deutschen Prepaid-Handys, das auf weiß Gott wessen Namen registriert ist. Aber so sind seine Telefonate abhörsicher. Diejenigen in Russland, die mit ihm etwas Diskretes besprechen wollen, benutzen weder das Festnetz noch den russischen Mobilfunk. Sie rufen ihn über das Funknetz eines westlichen Anbieters an. Die Wahrscheinlichkeit, dass der FSB darauf Zugriff hat, ist gering.
Seine E-Mails fragt er in Internetcafés ab. Nicht zu Hause. In Berlin hat er sich bei einem deutschen kostenlosen Provider eine neue – deutsche – E-Mail-Adresse angelegt, die ebenfalls nur seine engsten Freunde kennen. Als ehemaliger Kriminalkommissar mit 20 Jahren Berufserfahrung kann er ziemlich schnell feststellen, ob er beschattet wird oder nicht. Werden wir jetzt im Café observiert? Nein, ihm fällt nichts Verdächtiges auf, obwohl es heutzutage in Berlin mehr russische Spione gibt als zu Zeiten des Kalten Krieges. In Moskau, als sie ihn festnehmen wollten, gelang es ihm, sie zu überlisten.
Wie? Es ist sein Geheimnis, aber okay, er erzählt es. Er saß in seiner Villa und bestellte zu sich ein Auto nach dem anderen, die er dann gleich wieder wegfahren ließ, unter ihnen auch sein eigenes. Ein regelrechtes Autokarussell! Es war stockdunkel, man konnte nicht sehen, wer in den wegfahrenden Autos saß. Die Beschatter meinten, in einem dieser Autos sei er abgehauen und verfolgten eine falsche Fährte. Als die Luft rein war, stieg er in einen Reservewagen, der am Hintereingang geparkt war, und fuhr unbemerkt los. Richtung der ukrainischen Grenze, an der die Kontrollen verglichen mit denen am Moskauer Flughafen Scheremetjewo noch ziemlich lasch sind. Erst auf dem ukrainischen Boden konnte er aufatmen. Von Kiew kam er nach Deutschland, wo er viele Freunde hat, darunter reiche Russen, denen er schon mal aus der Patsche geholfen hat. Jetzt sind sie dran, ihm zu helfen. Und das tun sie auch.
Ist es gefährlich, ihm auf seiner Flucht zu helfen und überhaupt in seiner Nähe zu sein? Wohl nur für Unternehmer, die in Russland Geschäfte machen, sagt er. Als Rache riskieren sie Probleme mit den Finanzbehörden und können um ihr Geschäft gebracht werden. Für normale Menschen sei ein Kontakt mit ihm ungefährlich. Was heißt ein normaler Mensch? Der keinen roten Heller hat und zu Putin völlig loyal ist? Bedeutet aber eine Sympathie für ihn, quasi einen Staatsfeind, Ausgestoßenen, nicht automatisch ein Zeichen der Illoyalität gegenüber Putin mit allen daraus resultierenden Konsequenzen?
Die Nachricht, dass der Staranwalt Boris Kusnezow aus Russland geflüchtet ist, schlug in den russischen Medien wie eine Bombe ein. Ein weiterer prominenter politischer Flüchtling innerhalb von wenigen Monaten, der die Emigration dem Schicksal eines inhaftierten Chodorkowski oder einer ermordeten Politkowskaja vorzog. Die Geschichten sprechen für sich.
Der Direktor des Moskauer Zentrums für strategische Forschungen, einer der heftigsten Kritiker Putins in den demokratischen Reihen Andrej Piontkowski setzte sich ins Ausland ab, als die Staatsanwaltschaft sein Buch mit dem beredten Titel Ungeliebtes Land für „extremistisch“ befand und gegen ihn einen Strafprozess anstrengte. Die Journalistin Elena Tregubowa, Autorin eines Bestsellers über die Sitten im Kreml unter Putin, floh nach London, nachdem sie knapp einem Attentat entgangen war. Aus Angst vor dem langen Arm des FSB wohnt sie in der britischen Hauptstadt in der absoluten Anonymität. Der seit Kurzem in Paris lebenden Menschenrechtlerin Manana Aslamasjan, Leiterin der aus dem Westen finanzierten unabhängigen Stiftung Internews, wurde ein unbedeutender Vorfall zum Verhängnis. Bei der Einreise nach Russland wurde sie mit ein paar Euro mehr in der Tasche als erlaubt erwischt. Eine Ordnungswidrigkeit, die normalerweise höchstens mit einer Geldbuße geahndet wird. Aber die Staatsanwaltschaft hängte Aslamasjan einen Strafprozess an, der mit Haft enden konnte. Ihre Bitte, die Gerichtsverhandlung in ihrer Abwesenheit abzuhalten, lehnte die Staatsanwaltschaft ab und verlangte ihr persönliches Erscheinen vor Gericht. Nach Aslamasjans Flucht wurde Internews von der Polizei durchsucht und geschlossen.
- Datum 04.11.2007 - 10:16 Uhr
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Es ist erschreckend, wenn man solche Zeilen liest. Was geschieht nur in Russland? Oder besser im Putinland? Von einer Demokratie kann ja keine Rede mehr sein. Hier finden sich eine Menge parallelen zur Ns-Zeit! Polizeistaat nenne ich das! Loyal oder tot ist die Devise. Es ist ja nicht das erste mal, dass einflussreiche Personen aus Russland flüchten, weil sie um ihr Leben fürchten, da sie nicht in Putins Muster passen. Auffällig ist nur, dass die Folge der fliehenden immer schneller wird, was bedeutet, dass die Diktatur Putins immer härtere Formen annimmt. "Kampf gegen den Terror" heißt es im Westen, doch wir müssen uns bewußt werden, wo der Terror herkommt! Nur gut, dass der Reichsttag in Berlin steht, denn in Moskau würde er bereits brennen!!
Dazu eine ganz aktuelle Meldung von heute:http://www.dailymail.co.u...
Du Mama aber das ist ja schrecklichDu Mama sind die dort drüben alle
so bös ?Ja wie wir voriges Jahr in der Ukraine
waren,da war alles schon deutlich besser.Da haben die Amis den Ukrainern schon
viel geholfen.Vorher war es genauso wenn nicht schrecklicher.Du Mama, aber warum haben die Amis den
Russen den Killerkapitalismus gebracht,wo eh schon so viele böse durch
den Stalin da waren? Wollten sie ,daß sich alle umbringen ?Nein sie wollten das fürchterliche
System einfach vollkommen umkrempeln .Aber haben die Amis gedacht,daß
wenn ein Kommunsist zu einem Wirtschaftsboß wird, daß er dann ein besserer Mensch
wird?Schau in der Ukraine haben sie es dann
anders gemacht, dort haben sie gute Leute 2004 gesucht und die dann unterstützt
und jetzt wird alles besser.Ja Mama warum schaut denn der Putin so
bös? Der will doch Raketen basteln ?Und der Bush der schaut ja auch so
bös,der will doch auch Raketen basteln ?Warum spielen die nicht einfach
gemeinsam, ich möchte ja auch nicht alleine Papierflieger basteln? Das ist ernst ?Ja wenn die so ernst sind,dann sollen
sie doch lieber was lustiges trinken, vielleicht gemeinsam.Dann werden beide wieder lustig. Der
eine verliert seinen Führerschein und kann nichts mehr anstellen, der andere wird so
lustig, wie sein Vorgänger Boris und stellt auch weniger an?
erwischt nun die Kriegsgewinnler der destruktiven Jelzin Ära, deshalb das Heulen und Zähneklappern, aber nun winkt ja das einkömmliche Leben eines Berufsdissidenten und subversiven Elements im Dienste feindseliger westlicher antirussischer Kräfte. Aber der Fall Litiwenko zeigte dass ein toter Dissident der antirussischen Politik nützlicher sein kann als ein quasi unbekannter lebendiger. Ob Berlin also sicherer ist als London für solche nützlichen Idioten ?
Leitfiguren der Gesellschaft , Bücher die die Machenschaften
beschreiben, das alles, was in fast jedem osteuropäischen Land
vorhanden ist, vermisst man im Osten der BRD. Ich kenne z.B. kein
einziges Buch, das den Weg der Stasi- und SED-Gelder nach der Wende
beschreibt. Von den ungeheurelichen Koruptionsfällen der 90er bis in
die Gegenwart ganz zu schweigen.Nicht mal die ZEIT hat sich getraut, die Unterlagen im Fall Leuna öffentlich zu zeigen.
Worum geht es konkret?
Um die illegale Abhörung privater Telefongespräche durch einen Geheimdienst.
Na und?
Was George W. Bush und gefühlten 70 Prozent der US-Bürger recht ist, kann Putin doch nur billig sein.
"Na und?Was George W. Bush und gefühlten 70 Prozent der US-Bürger recht ist, kann Putin doch nur billig sein. "Gell...ja...und dem Herrn Schäuble auch....
.....und hinterher fällt der Herr Meier nicht vom Himmel....aber aus allen Wolken......"Ja...das haben wir doch nicht wissen können"....
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