Fernsehen Fürs Erste nicht schlecht
Politik trifft Realität – mit diesem Versprechen bewirbt Frank Plasberg seinen Polit-Talk „Hart, aber fair“. Am Mittwoch feierte er Premiere in der ARD.
Thema war das Soziale. Der Titel: „Hilfe, Sie haben die Reform geschrumpft“ wirkte arg gedrechselt, spielte im Folgenden aber auch keine Rolle mehr. Denn die Unterstellung, die Menschen seien besorgt, weil die Agenda 2010 revidiert werden könnte, war allein dem politischen Hauptgast geschuldet, Finanzminister Peer Steinbrück. In der Sendung ging es dann weniger um die avisierte Veränderung des ALG I, sondern generell um Gerechtigkeit.
Peer Steinbrück und Linken-Fraktionschef Gregor Gysi stritten sich, so wie Zuschauer und Gastgeber das erwarten durften. In ihren verbalen Gefechten waren sie gelegentlich schlagfertig, manchmal schlicht. Steinbrück legte sich darauf fest, der Linken vorzuwerfen, sie wolle nur verteilen. Gysi nervte mit Zahlen, Körperschaftssteuer und der angeblich zu geringen Staatsquote im Lande. Steinbrück liebt - gelegentlich zu sehr - sein kantiges Anderssein; Gysi zeichnet das Bild eines Landes, das auf der einen Seite nur aus Kinderarmut, Hartz-Empfängern und auf der anderen Seite ausschließlich aus „Bonzen“ zu bestehen scheint.
Für die Meldungen aus der Wirklichkeit war Frau Köper-Pape zuständig. Eingefleischte Plasberg-Zuschauer kannten auch sie schon als Studiogast. Drei Jahre lang war sie arbeitslos, 250 Bewerbungen hat sie vergebens losgeschickt, den ALG-II-Fragebogen empfindet sie als entwürdigend. Inzwischen hat sie einen Job in der kommunalen Entsorgungswirtschaft und Angst vor deren möglicher Privatisierung. Ihr Sohn erzählte, gestützt vom freundlich fragenden Moderator, wie er schon einmal einspringen musste, wenn die Telefonrechnung zu zahlen war. Taschengeld wäre ihm lieber gewesen.
Die Betroffenen sollen bei Plasberg nicht die Petersilie sein, nicht auf einem Sofa geparkt oder zu Tränen gerührt werden, sondern mitdiskutieren. Das taten sie wacker. Dennoch blieb es bei zwei Welten, die aufeinandertrafen: hier die Sicht der Betroffenen und Berichtenden; dort der Schlagabtausch der Strategen. Erhellend kann auch das sein.
Wie war der Moderator?
Alles kreiste um Frank Plasberg. Er ist das Zentrum der Sendung. Darin liegt ihre Stärke, aber auch eine Gefahr. Plasberg muss aufpassen, dass er die Sendung nicht zu einer Personality-Show macht.
- Datum 26.10.2007 - 14:07 Uhr
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Smart, aber leer?Jetzt endlich sitzt Frank Plasberg in der ersten Reihe. Und talkt neben Anne. Will uns das Hinweis sein auf noch mehr Popularität? Oder besteht viel eher die Gefahr, das Schielen auf die Quote zu verstärken? Nach der ersten Sendung im Ersten muss zunächst einmal festgestellt werden, dass, wenn man von der Kürzung um 15 Minuten absieht, sich nichts Wesentliches verändert hat. Der Moderator ist entspannt, die Gäste sind gespannt. Und der Zuschauer hat - aus alter Gewohnheit - aufs Dritte gedrückt und - die Sendung vermisst. Dann eben Fußball auf SAT1. Champions League.Genau in dieser Liga ist Frank P. nun angekommen. Mit seiner Präsenz, seiner ausgefeilten Technik und einer im dritten Programm erworbenen Routine könnte er sich zu einem Leistungsträger des 1. FC ARD entwickeln. Er sollte aber auch in Zukunft darauf achten, hart nachzufragen, smart im Umgangston zu bleiben, aber weiterhin ohne Leerformeln auszukommen. Die Gäste dürfen jetzt vermehrt von jenseits des NRW-Marianengrabens kommen.Die Sendung "Hart, aber fair" ist gut. Der Moderator ist es auch. Weiter so!
Also, mir fehlt die Sendung im Dritten des WDR, dort hatte man das Gefühl, unter sich zu sein und Zeit zu haben für den jeweiligen politischen Diskurs. Man sprach mit den Zuschauern, hörte Experten genoss die Souveränität des Moderators - und alles zur besten Sendezeit !! Wie wir es früher einmal gewohnt waren, als auf diesem Sendeplatz auch die polit. Magazine liefen.
Heute wird alles der Quote geschuldet und muss ins Schema passen und wird immer mehr zur späten Stunde gesendet.
Ein groß Teil der arbeitenden Bevölkerung muss früh raus und hat aus diesen Gründen schon keine Lust bis 23:00 Uhr vor der Kiste zu verharren.
Das könnte für Frank Plasberg auch zum Verhängnis werden und das hat er einfach nicht verdient !
So recht sind die
wohlwollenden Kommentare zum Plasberg-Erstling in der Hoheitszone der ARD nicht
zu verstehen. Hier geriert sich doch nur ein üblicher Fall: Wird ein Jemand
samt seiner Sendung ins Erste gehoben, hat er längst seinen Zenit überschritten
oder, anders gesprochen, die Stufe seiner Kompetenz überhupft, so er je
über eine solche verfügte (siehe: “Peter-Prinzip”). Statt das Format zu erneuern
oder zu beenden, wird es in die erste Reihe gehievt. Die Sendung war einfach
unsäglich, nicht besser oder schlechter als etwa “Klipp & Klar” des rbb:
Krawall, nix als Krawall UM NICHTS. Das Motto der Sendung ist völlig schnurz,
hier war es eine kindische Christiansen-Anleihe (die schon ein van Rossum
sezierte), - nur sollte dieses Mal eine plumpe direkte Bestätigung erfolgen,
nicht wenig, sondern schön alt-neoliberal, noch immer hat es “keine
Alternative”, predigt indirekt qua Gästeführung ein Herr Plasberg, unterliegt
ein Eitling vor dem Herrn der “Agitation und Propaganda” der “Initiative Neue
Soziale Marktwirtschaft” (INSM). Dieses Gespreize des Moderators, ähnlich einer
dreistfröhlich über alles salbadernden Frau Illner, ist geradezu lächerlich:
Wie bin ich toll, ist wer mehr, bin ICH DER Größte? Lächerlich das und traurig,
weil niemanden weiterbringend, keinen Erkenntnisgewinn hervorlockend, schlicht
und bündig: überflüssig. Infantiltainment.Nur zwei kleine Beispiele: In
einem Filmchen mit anschließend arroganten Kinderfragen an Herrn Gysi ging es
um Privatisierungen in grundlegenden Lebensbereichen. Was wurde gezeigt als
einziges bebildertes Beispiel: Telefonistinnen der Vorzeit, die noch mit
Steckern von hier nach da hantierten. Um das Telefonmonopol ging und geht es
schon lange nicht mehr, das sollte auch einem Herrn Plasberg gewärtig sein.
Vereinzelte Bruchstücke aus einem Parteiprogramm zu zitieren, ohne den Gast-Darsteller
ausreden zu lassen, könnte als Manipulation bezeichnet werden, ebenso die
Voraussehbarkeit von (erwünschten) Antworten, dass das Konzept-Pferdchen fein
an der Longe galoppiert... – Im Vieraugen-Gespräch mit dem Minister werden nicht
etwa Probleme von Land, Wirtschaft und Politik mal differenziert behandelt,
sondern es geht einzig und allein, wie innovativ, und darin “hart” und
wunderbar “fair” um Phänotypisches wie Image, Selbstdarstellung,
Fremdwahrnehmung, Außenwirkung, Umfragewerte und solches Primitives... Die
gesamte Sendung triefte nur so von Oberflächlichkeit, Staffage und Spielchen um
das große ganze Nichts. Punktum. Die ZEIT sollte sich nicht entblöden, jenes
auch noch zu verpositivieren, oder sind die Ansprüche so gering geworden
inzwischen (der Beitrag des Patrik Schwarz “Die Anne Will in uns” verheißt
anderes). Nichts für ungut.
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