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Die Wirtschaft boomt, doch die Stimmung der Deutschen ist trübe. Gibt es Grund zur Sorge? Eine Analyse

Was ist bloß mit den Deutschen los? Jahrelang haben sie sich abgerackert und eingeschränkt. Viele, die keine Arbeit hatten, mussten ihr Geld eisern zusammenhalten, anderen wurden die Unterstützungsleistungen gekürzt. Entsprechend trübe war die Stimmung im Land. Nun boomt die Wirtschaft endlich wieder. Doch statt uns zu freuen, blicken wir immer noch voll Sorge in die Zukunft.

Nicht nur, dass viele sagen, der Aufschwung sei bei ihnen noch gar nicht angekommen. Fast die Hälfte der Deutschen rechnet trotz aller guten Daten zudem damit, dass es uns wirtschaftlich gesehen im kommenden Jahr schlechter gehen wird. Dies gab das Meinungsforschungsinstitut Forsa vor wenigen Tagen bekannt. Optimistisch sind der gleichen Umfrage zufolge viel weniger, nur noch ein Viertel.

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Dabei gibt es, bei Licht betrachtet, kaum Gründe, depressiv zu werden. Die Prognosen der Ökonomen sind positiv: Für das laufende Jahr erwartet die Bundesregierung 2,4 Prozent Wachstum, im kommenden Jahr immerhin noch glatte zwei Prozent – das liegt deutlich über den mickrigen Raten, die das Land zwischen 2001 und 2005 verzeichnete (Details im pdf-Format hier) . Die Wirtschaftsinstitute wagten in ihrem Herbstgutachten sogar eine optimistischere Vorhersage als die Regierung: Die Ökonomen erwarten im laufenden Jahr eine Wachstumsrate von 2,6 Prozent und von 2,2 Prozent im kommenden Jahr.

Auch auf dem Arbeitsmarkt hat sich die Lage merklich gebessert. Die Zahl der Arbeitslosen ist deutlich gesunken; so viele Menschen wie seit kurz nach der Einheit nicht mehr haben eine bezahlte Stelle , und 2008 sollen noch mehr Menschen in Lohn und Brot kommen. Das verspricht die Bundesregierung. Volkswirte erwarten, dass sie ihr Versprechen halten kann.

Doch es nützt nichts: Die Deutschen halten ihr Geld weiter beisammen, meldete die Nürnberger GfK Marktforschung Ende Oktober . Sie tragen mehr Geld zur Bank als seit Jahren, berichtete das Statistische Bundesamt zur gleichen Zeit anlässlich des Weltspartags. Trotz der positiven Prognosen für Konjunktur und Arbeitsmarkt fürchten die Verbraucher offenbar, sich künftig weniger leisten zu können. „Sie haben Angst vor der Teuerung. Vor allem das trübt derzeit den Konsum“, sagt Rolf Bürkl, Volkswirt und Marktforscher bei der GfK (Details zur GfK-Analyse im pdf-Format hier) .

Manche Medien schüren diese Sorge. Vergangene Woche verbreitete der Spiegel schlechte Stimmung, indem er auf mehreren Seiten vor der dräuenden Preissteigerung warnte. Das vielleicht wichtigste Stimmungsbarometer hierzulande, die Bild -Zeitung, hievt schon seit Wochen immer wieder Wirtschaftsthemen auf seine Titelseite. Meist sind es keine guten Nachrichten. Das Boulevardblatt empört sich über kletternde Milch -, Brot- und Benzinpreise oder warnt angesichts des immer teureren Öls vor schwindelnden Autoherstellern, die ihre Vehikel sparsamer rechnen, als sie sind. Zuweilen verteilt es auch mediale Trostpillen an die Leser, etwa, wenn eine Rentenerhöhung fürs kommende Jahr angekündigt wird . Doch die schlechte Grundstimmung dominiert.

Möglicherweise kommt das manchem ganz bekannt vor, denn es ist noch gar nicht so lange her, da stellte sich die Lage ganz ähnlich dar. Als die Mehrwertsteuer zum Jahresbeginn um drei Prozentpunkte stieg , fürchteten manche Ökonomen, dies könnte das zarte Pflänzchen Aufschwung knicken, bevor es sich so recht entfalten könnte. Auch die Konsumenten hatten Angst vor einem Preisschub und schränkten sich entsprechend ein. Doch die Schwarzmaler hatten unrecht. Relativ schnell war klar, dass die Preise nicht so stark stiegen wie befürchtet. Die Verbraucher lockerten den Griff um ihr Portemonnaie wieder etwas, die Gefahr schien gebannt.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 05.11.2007 um 15:43 Uhr

    Ein Blick in die einschlägigen OECD-Statistiken zur deutschen Einkommensentwicklung macht den Artkel überflüssig. Herr Jahnke ist mit seiner rührigen Website viel näher an der Wirklichkeit dran als das riesige und scheinbar hoffungslos verirrte Presse-Raumschiff "Deutschland".

  1. fragt sich der besorgte Leser, ob "Die Zeit" sich noch dem unabhängigen Journalismus verpflichtet fühlt oder die Journalisten ihr Blatt als nette Werbegabe der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft betreiben.
    Dem Autor des Artikels sei versichert, daß der Unterschied zwischen Brutto und Netto nicht ganz unwesentlich ist. Viele Arbeitnehmer machen die bittere Erfahrung, daß sie trotz harter Arbeit eisern sparen müssen.
    Manchmal wirken die Artikel in dieser Publikation wie die Standardpropaganda des Neuen Deutschland vor 11/1989: "Wir haben den Plan xy zu 145 Prozent erfüllt und die Produktivität um 285 Prozent gesteigert. Den Rest schnorren wir im Westen."
    Bevor sich die Bürger in den neuen Bundesländern aufregen, sei angefügt, daß diese Proklamation nur ironisierend auf den Widerspruch zwischen politischer Behauptung und gelebter Wirklichkeit hinweisen soll.
    Auf sich bezogen hätte der Autor den Artikel: "Wir Schönfärber" oder "Wir Roßtäuscher" überschreiben sollen. Allen, die nur rudimentärste Kenntnisse der Prozentrechnung beherrschen, muß einleuchten, daß wir mit unseren kümmerlichen 2,x % Wachstum die Versäumnisse der letzten Jahre nie aufholen werden. 12 Prozent effektive Arbeitslosigkeit lassen sich nicht mit unserem kümmerlichen Wachtum beseitigen, von der Schaffung einer menschenwürdigen Gesundheitsversorgung ganz zu schweigen.
    Im internationalen Vergleich mit den USA und den immer schneller aufstrebenden Ländern Asiens bedeutet unser angebliches Wachstum Stillstand.
    Wir mögen laufen, aber wir treten auf der Stelle.

  2. Jahrelange arbeitslos und eingeschränkt.
    Die Autorin hat einen Meinungsartikel abgeliefert, mitnichten eine Analyse.
    Für Christiansen oder einen CSU-Parteitag hätte der Artikel gereicht.

  3. kann ich den Artikel nur nennen. Statistische Allgemeinplätze werden angehäuft um künstlich gut Wetter zu machen. Ökonomischer Sachverstand: Fehlanzeige.
    Was wird das hier? Bildzeitung ohne Bilder?
     
    Don't get brainwashed: www.NachDenkSeiten.de

    • Jahey
    • 05.11.2007 um 19:29 Uhr

    Ohne Frage, die Lage in Deutschland entwickelt sich positiv.ABER, allein die Daten zu Einkommenssteigerung und Menge der arbeitenden Bevölkerung sagt noch nichts darüber aus, ob die Menschen mehr in der Tasche haben.Die Verteilung des Einkommens in Deutschland ist seit über einem Jahr gekippt. Während die Einkommen aus Zinsen, Wertpapieren usw. früher geringer waren als die Lohneinkünfte, ist es jetzt umgekehrt.Ein System bei dem alle gleiche Chancen haben, bewirkt automatisch dass es eine sehr starke ungleiche Verteilung des Kapitals gibt. Und das ist auch gut so. Im Moment jedoch profitieren die Kapitalbesitzenden Menschen stark überproportional. Die Arbeitende Bevölkerung hat jedoch nicht so starke Einkommenssteigerungen zu verzeichnen. Ja 3% in diesem Jahr. Aber sehen Sie das über die letzten Jahre verteilt und schauen Sie auf 2 und 3 stellige Steigerungen der Managergehälter...Es gibt noch eine andere Komponente der allgemeinen negativen Stimmung. Der Aufschwung ist für die Mehrheit in der Tasche kaum spürbar. Man verändert deshalb nicht die Einkaufsgewohnheiten. Die Verteilung des Geldes muss verändert werden. Das Thema ist unter anderem Vermögensbesteurung oder Konsumbesteuerung anstatt Einkommessteuer.

  4. Moin Moin, gerade wollte ich auf die Site von Herrn Jahnke verweisen, zu spät, Lindejung war schneller. Aber ich möchte doch noch einen Link loswerden zu dem Thema Konjunktur: http://www.jjahnke.net/ge... Da wird aus den >2,x% schnell mal gerade noch 1,2% (2.Quartal 2007 auf das Gesamtjahr hochgerechnet). Wenn das schon ein *Boom* ist, na ich weiss nicht..... Siehe auch: http://www.jjahnke.net/2q... Boom, brummende Wirtschaft, etc. das stelle ich mir anders vor... Eher so wie in China, mit Verlaub.... Zài Jiàn... (ich übe schon mal, um in ein paar Jahren die chinesischen Touristen durch die pittoresken Überbleibsel des deutschen Wirtschaftswunders führen zu können, SCNR)

    • cegog
    • 05.11.2007 um 23:02 Uhr

    Die unvermindert anhaltende Sparneigung derjenigen Deutschen, die noch sparen können ist nicht verwunderlich. Wer jahrelang die Erfahrung machen musste, dass selbst gut Qualifizierte ihren Job verlieren und damit rechnen mußten nach einem Jahr in die manifeste Armut abzurutschen, um schließlich dann im jetzigen "Jobwunder" zu einem niedrigeren Gehalt in einem befristeten Vertrag als Zeitarbeiter wieder in den Arbeitsmarkt "integriert" zu werden, hält den überwiegenden Teil des frisch verdienten Geldes doch erst einmal zusammen. Jeder weiß doch inzwischen, wie schnell sich alles wieder ändern kann und wer weiß, ob dann die Reintegration nicht zu noch schlechteren Bedingungen stattfindet - wenn sie stattfindet.
    Der Autor des Artikels ist offensichtlich nicht nur von ökonomischen Fakten unbeleckt, sondern blendet auch schlicht aus, dass selbst der unterstellte "homo oeconomicus" sich von seinen Erfahrungen in der Vergangenheit leiten läßt und die lauten: "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not."
     

    • ali-ch
    • 06.11.2007 um 6:09 Uhr

    "Allmählich fragt sich der besorgte Leser, ob "Die Zeit" sich noch dem unabhängigen Journalismus verpflichtet fühlt oder die Journalisten ihr Blatt als nette Werbegabe der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft betreiben."
    Ich persönlich stelle mir diese Frage nicht mehr: Ich habe sie mit einem donnernden JA beantwortet.
    Das einzige, was mich mit dem Zynismus der Frau Endres versöhnt, ist der Gedanke, dass auch die strammen Parteigänger des Neoliberalismus  ausgesondert werden; vielleicht nicht mit 50, sondern vielleicht mit 53. Aber spätestens mit 55 sehen wir uns dann alle wieder - bei Hartz IV. Ob nun Ingenieur, Journalist oder Junkie, der in seinem Leben keinen produktiven Handschlag getan hat.

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