Konjunktur Wir HypochonderSeite 2/2
Bloß: Dieselbe Gefahr erscheint im Moment vielen größer als damals. Nicht nur, weil der Anstieg der Verbraucherpreise im September auf vergleichsweise hohe 2,4 Prozent kletterte. Erstmals sind auch Güter des täglichen Bedarfs, also Brot, Butter und Benzin, von den Preissteigerungen so stark betroffen. „Das treibt die ,gefühlte Inflation’ besonders stark“, sagt GfK-Marktforscher Bürkl, zumal in Deutschland bislang die Lebensmittelpreise eher gesunken sind, statt zu steigen. „Zwar sind manche Lebensmittel in den vergangenen Wochen sogar günstiger geworden“, sagt Bürkl. „Aber das kommt in der Öffentlichkeit nicht an.“
Und die öffentliche Stimmung kann das Verhalten der Menschen eben stärker beeinflussen als
harte Inflations- oder andere Konjunkturdaten
. Derzeit präge die Diskussion über steigende Preise die öffentliche Wahrnehmung so stark, dass die eigentlich günstigen Rahmenbedingungen – die gute Entwicklung des Arbeitsmarkts, die steigenden Löhne in vielen Branchen – von den Verbrauchern kaum wahrgenommen würden, hat Bürkl beobachtet. Ähnlich sieht Andreas Scheuerle, Volkswirt bei der Deka-Bank, die Lage: „Die Deutschen fühlen sich schlechter, als es ihnen geht“, sagt er.
Doch das muss gar nicht schlimm sein, sind sich beide Ökonomen einig. Die gute Entwicklung des Arbeitsmarkts werde schon dafür sorgen, dass sich die Laune der Konsumenten auch diesmal wieder aufhelle und der Aufschwung stabil bleibe. „Im kommenden Jahr werden die verfügbaren Einkommen um mehr als drei Prozent wachsen“, sagt Deka-Mann Scheuerle. „Das war zuletzt im Jahr 2001 der Fall. Die entscheidende Botschaft: Davon bleibt selbst dann etwas übrig, wenn man die Inflation berücksichtigt. Was den Konsum angeht, haben wir noch eine gute Zeit vor uns.“ Das werde die Konjunktur auch im kommenden Jahr noch stützen, ist er sicher.
Einige Probleme sind allerdings noch zu überwinden. Sorge bereitet Scheuerle derzeit vor allem der starke Euro , denn dieser macht deutsche Waren im Ausland teuer. Bleibt der Kurs der Gemeinschaftswährung so hoch oder steigt er gar über die 1,50-Dollar-Marke, träfe das den deutschen Export, bislang der Motor des Aufschwungs, hart. „Im Moment spürt die deutsche Exportwirtschaft das noch nicht so stark, denn die Unternehmen verkaufen vor allem Hochtechnologie“, sagt der Deka-Mann. „Viele versuchen außerdem, ihre Dollar-Preise noch konstant zu halten, selbst wenn sie dadurch draufzahlen." Doch langfristig werden die Firmen das kaum durchhalten.
Bislang half die boomende Weltwirtschaft den deutschen Maschinenbauern, denn sie hielt die Nachfrage hoch. Doch im Moment treiben vor allem Länder das globale Wirtschaftswachstum, die nicht unbedingt zu den besten Kunden der deutschen Exporteure gehören. Auch deshalb könnte die starke Gemeinschaftswährung auf lange Sicht zu einer Belastung werden.
Doch auch sie muss den deutschen Aufschwung nicht unbedingt zum Kippen bringen, wenn man den Modellen der Ökonomen glaubt. Der
Eurokurs
zumindest sank zum Wochenbeginn wieder ein wenig.
- Datum 06.11.2007 - 06:21 Uhr
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Ein Blick in die einschlägigen OECD-Statistiken zur deutschen Einkommensentwicklung macht den Artkel überflüssig. Herr Jahnke ist mit seiner rührigen Website viel näher an der Wirklichkeit dran als das riesige und scheinbar hoffungslos verirrte Presse-Raumschiff "Deutschland".
fragt sich der besorgte Leser, ob "Die Zeit" sich noch dem unabhängigen Journalismus verpflichtet fühlt oder die Journalisten ihr Blatt als nette Werbegabe der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft betreiben.
Dem Autor des Artikels sei versichert, daß der Unterschied zwischen Brutto und Netto nicht ganz unwesentlich ist. Viele Arbeitnehmer machen die bittere Erfahrung, daß sie trotz harter Arbeit eisern sparen müssen.
Manchmal wirken die Artikel in dieser Publikation wie die Standardpropaganda des Neuen Deutschland vor 11/1989: "Wir haben den Plan xy zu 145 Prozent erfüllt und die Produktivität um 285 Prozent gesteigert. Den Rest schnorren wir im Westen."
Bevor sich die Bürger in den neuen Bundesländern aufregen, sei angefügt, daß diese Proklamation nur ironisierend auf den Widerspruch zwischen politischer Behauptung und gelebter Wirklichkeit hinweisen soll.
Auf sich bezogen hätte der Autor den Artikel: "Wir Schönfärber" oder "Wir Roßtäuscher" überschreiben sollen. Allen, die nur rudimentärste Kenntnisse der Prozentrechnung beherrschen, muß einleuchten, daß wir mit unseren kümmerlichen 2,x % Wachstum die Versäumnisse der letzten Jahre nie aufholen werden. 12 Prozent effektive Arbeitslosigkeit lassen sich nicht mit unserem kümmerlichen Wachtum beseitigen, von der Schaffung einer menschenwürdigen Gesundheitsversorgung ganz zu schweigen.
Im internationalen Vergleich mit den USA und den immer schneller aufstrebenden Ländern Asiens bedeutet unser angebliches Wachstum Stillstand.
Wir mögen laufen, aber wir treten auf der Stelle.
Jahrelange arbeitslos und eingeschränkt.
Die Autorin hat einen Meinungsartikel abgeliefert, mitnichten eine Analyse.
Für Christiansen oder einen CSU-Parteitag hätte der Artikel gereicht.
kann ich den Artikel nur nennen. Statistische Allgemeinplätze werden angehäuft um künstlich gut Wetter zu machen. Ökonomischer Sachverstand: Fehlanzeige.
Was wird das hier? Bildzeitung ohne Bilder?
Don't get brainwashed: www.NachDenkSeiten.de
Ohne Frage, die Lage in Deutschland entwickelt sich positiv.ABER, allein die Daten zu Einkommenssteigerung und Menge der arbeitenden Bevölkerung sagt noch nichts darüber aus, ob die Menschen mehr in der Tasche haben.Die Verteilung des Einkommens in Deutschland ist seit über einem Jahr gekippt. Während die Einkommen aus Zinsen, Wertpapieren usw. früher geringer waren als die Lohneinkünfte, ist es jetzt umgekehrt.Ein System bei dem alle gleiche Chancen haben, bewirkt automatisch dass es eine sehr starke ungleiche Verteilung des Kapitals gibt. Und das ist auch gut so. Im Moment jedoch profitieren die Kapitalbesitzenden Menschen stark überproportional. Die Arbeitende Bevölkerung hat jedoch nicht so starke Einkommenssteigerungen zu verzeichnen. Ja 3% in diesem Jahr. Aber sehen Sie das über die letzten Jahre verteilt und schauen Sie auf 2 und 3 stellige Steigerungen der Managergehälter...Es gibt noch eine andere Komponente der allgemeinen negativen Stimmung. Der Aufschwung ist für die Mehrheit in der Tasche kaum spürbar. Man verändert deshalb nicht die Einkaufsgewohnheiten. Die Verteilung des Geldes muss verändert werden. Das Thema ist unter anderem Vermögensbesteurung oder Konsumbesteuerung anstatt Einkommessteuer.
Moin Moin, gerade wollte ich auf die Site von Herrn Jahnke verweisen, zu spät, Lindejung war schneller. Aber ich möchte doch noch einen Link loswerden zu dem Thema Konjunktur: http://www.jjahnke.net/ge... Da wird aus den >2,x% schnell mal gerade noch 1,2% (2.Quartal 2007 auf das Gesamtjahr hochgerechnet). Wenn das schon ein *Boom* ist, na ich weiss nicht..... Siehe auch: http://www.jjahnke.net/2q... Boom, brummende Wirtschaft, etc. das stelle ich mir anders vor... Eher so wie in China, mit Verlaub.... Zài Jiàn... (ich übe schon mal, um in ein paar Jahren die chinesischen Touristen durch die pittoresken Überbleibsel des deutschen Wirtschaftswunders führen zu können, SCNR)
Die unvermindert anhaltende Sparneigung derjenigen Deutschen, die noch sparen können ist nicht verwunderlich. Wer jahrelang die Erfahrung machen musste, dass selbst gut Qualifizierte ihren Job verlieren und damit rechnen mußten nach einem Jahr in die manifeste Armut abzurutschen, um schließlich dann im jetzigen "Jobwunder" zu einem niedrigeren Gehalt in einem befristeten Vertrag als Zeitarbeiter wieder in den Arbeitsmarkt "integriert" zu werden, hält den überwiegenden Teil des frisch verdienten Geldes doch erst einmal zusammen. Jeder weiß doch inzwischen, wie schnell sich alles wieder ändern kann und wer weiß, ob dann die Reintegration nicht zu noch schlechteren Bedingungen stattfindet - wenn sie stattfindet.
Der Autor des Artikels ist offensichtlich nicht nur von ökonomischen Fakten unbeleckt, sondern blendet auch schlicht aus, dass selbst der unterstellte "homo oeconomicus" sich von seinen Erfahrungen in der Vergangenheit leiten läßt und die lauten: "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not."
"Allmählich fragt sich der besorgte Leser, ob "Die Zeit" sich noch dem unabhängigen Journalismus verpflichtet fühlt oder die Journalisten ihr Blatt als nette Werbegabe der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft betreiben."
Ich persönlich stelle mir diese Frage nicht mehr: Ich habe sie mit einem donnernden JA beantwortet.
Das einzige, was mich mit dem Zynismus der Frau Endres versöhnt, ist der Gedanke, dass auch die strammen Parteigänger des Neoliberalismus ausgesondert werden; vielleicht nicht mit 50, sondern vielleicht mit 53. Aber spätestens mit 55 sehen wir uns dann alle wieder - bei Hartz IV. Ob nun Ingenieur, Journalist oder Junkie, der in seinem Leben keinen produktiven Handschlag getan hat.
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