Energie Die Sonne im Keller

Öl und Strom werden immer teurer. Doch bald sollen Privatleute Wärme und Elektrizität selbst erzeugen können: mit dem eigenen Kraftwerk im Keller.

Werner Flecks setzt auf Öko - und meint damit Ökologie und Ökonomie zugleich. Die Sunmachine GmbH aus Kempten, für die Ingenieur Flecks arbeitet, will mit einer neuen Technologie die Umwelt schonen und den Geldbeutel der Verbraucher gleich mit. Die Allgäuer haben eine Anlage entwickelt, die Holzpellets verbrennt und dadurch Wärme und Strom erzeugt. Weil sie nur so groß ist wie ein Kühlschrank, passt sie leicht in den Keller eines Einfamilienhauses: Es handelt sich um ein Mikro-Blockheizkraftwerk.

Blockheizkraftwerke produzieren in Deutschland bereits zwölf Prozent des Stroms. Meist sind es große Anlagen, die Strom für Unternehmen erzeugen und mit der dabei entstehenden Wärme umliegende Gebäude heizen. Durch diese Kraft-Wärme-Kopplung nutzen sie 90 Prozent der Verbrennungsenergie - in herkömmlichen Stromkraftwerken hingegen gehen davon zwei Drittel als Abwärme verloren. Im Verhältnis zur Strommenge erzeugen Blockheizkraftwerke deshalb, verglichen mit herkömmlichen Kraftwerken, besonders wenig Kohlendioxid.

Anzeige

Klimaschützer würden die Kraft-Wärme-Kopplung gerne weiter ausbauen. Das Potenzial ist groß: Rund 57 Prozent der gesamten deutschen Stromerzeugung könnte durch diese Technologie sichergestellt werden, hat eine Studie des Bremer Energieinstituts und des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums ergeben.

Dabei könnten die Kleinstkraftwerke in Privathäusern eine große Rolle spielen, sagt Adi Goldbach, Geschäftsführer des Bundesverbandes Kraft-Wärme-Kopplung. Viele Unternehmen entwickeln derzeit kleine Anlagen für den Hausgebrauch – mit unterschiedlichen Technologien und unterschiedlichen Brennstoffen. In der Testphase befinden sich etwa die Systeme der sauerländischen Otag GmbH und der österreichischen Bios Bioenergiesysteme GmbH und Mawera GmbH. Bei Sunmachine in Kempten sind die Tests schon abgeschlossen, Mitte kommenden Jahres soll die Anlage in Serie gehen.

Staatliche Förderung soll dafür sorgen, dass sich das Kellerkraftwerk trägt. Schon bisher bekommen die Betreiber von Blockheizkraftwerken für den Strom, den sie ins öffentliche Netz einspeisen, hohe Garantiepreise. Kaufen sie dann den selbst benötigten Strom zum Normalpreis zurück, steht unterm Strich ein satter Gewinn.

Die Sunmachine GmbH verspricht ihren künftigen Kunden, für jeden Euro, den sie zum Kauf von Holzpellets aufwenden, durch den ins Netz eingespeisten Strom 1,30 Euro zurückzuerhalten. Dann ist das Haus schon mollig warm – um steigende Heizölpreise müssten sich die Besitzer der "Sonnenmaschine" nicht mehr sorgen.

Leser-Kommentare
  1. Ich kenne Leute, die diese Blockheizkraftwerke seit mehreren Jahren betreiben und ich kann jedem, der eine Heizung benötigt und das Geld hat (wobei 28.000€ dafür etwas übertrieben sind. 18.000€ trifft es eher) nur raten, in ein Blockheizkraftwerk zu investieren. Es lohnt sich. Ökologisch UND Ökonomisch. Im Artikel stand ja auch, dass sich Anlagen nach 7 bis 8 Jahren amortisieren. Wenn eine Anlage dann 20 Jahre problemlos läuft, kann man sich ja ausrechnen, was das bedeutet. 

  2. Zitat aus dem Artikel:"Im Verhältnis zur Strommenge erzeugen Blockheizkraftwerke deshalb,
    verglichen mit herkömmlichen Kraftwerken, besonders wenig Kohlendioxid." .  Das ist leider falsch. Blockheizkraftwerke erzeugen sogar mehr Kohlendioxid pro Kilowatt Strom als herkömmliche Turbinenkraftwerke. Das liegt daran, dass (kleine) Stirlingmotoren nicht so effektiv sind wie (große) Turbinen.      .   Richtig ist, dass insgesamt im Verhältnis zur ENERGIE-Menge (Strom + Wärme) weniger Kohlendioxid erzeugt wird, weil die Wärme nicht ungenutzt "weggeworfen" wird, sondern weitergenutzt wird.Blockheizkraftwerke sind also vor allem da sinnvoll, wo man die Abwärme nutzen kann, z.B. zum Heizen. Muss aber nicht unbedingt nur Einfamilienhaus heissen. Man kann auch eine ganze Siedlung durch isolierte Warmwasserrohre heizen.

  3. Normalerweise liebe ich die ZEIT, aber dass die jetzt Verkaufsprospekte eins zu eins abschreiben, das ist mir neu. Vielleicht liegt es auch daran, dass es heutzutage ziemlich in ist, Ökothemen möglichst unhinterfragt zu übernehmen.
    Die Sunmachine mit Pellets ist ökologisch wie ökonomisch so ziemlich das Dümmste, das derzeit auf dem Markt ist. Ein heute neu gebautes Haus braucht höchstens noch das Äquivalent von 500 Litern Heizöl für Wärme, das sind 5000 kwh. Bei einem Verhältnis von 1 : 2 von Strom und Wärme und einem theoretischen, praktisch unmöglichen Wirkungsgrad von 100 % produziert die Sunmachine diese Wärme und dazu 2500 kwh Strom. Bei 20 cent geförderter Stromvergütung sind das dann € 500,-- für die Stromeinspeisung sowie € 350,-- eingesparte Heizenergie, insgesamt € 850,-- pro Jahr und dafür muss der Ökodepp dann Pellets für € 500,-- einkaufen. Es verbleiben ihm also € 350,--um € 28.000,-- zu amortisieren. Ohne Zinsen ist das eine Amortisationszeit von 75 Jahren. Gerechnet hab ich mit den bestmöglichen Prämissen.
    Die Ökojünger sind das beste Beispiel dafür, dass die PISA-Studie recht hat. Die Leute können nicht mehr rechnen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    für die 28000 euro bekommt man doch wohl eine nagelneue Heizung, oder?eine "normale" Heizung bekommt man ja auch nicht umsonst.und die meisten Häuser im Bestand brauchen mehr als 500 Liter Heizöl.Und wenn ich vom verkauften Strom Pellets kaufen kann und noch 350 Euro übrig bleiben ist doch nicht so schlecht, oder? Ohne diese Anlage müsste ich die ja auch kaufen (oder Öl)also reden wir doch über 850 Euro Ertrag und nicht nur 350, oder? Und die Amortisationsdauer verkürzt sich immens wenn ich von den 28000 Euro den Preis einer Heizungsanlage OHNE Stirlingmotor abziehe.Also, PISA hin oder her, so ganz fehlerfrei ist Ihre Rechnung wohl auch nicht, oder?

    für die 28000 euro bekommt man doch wohl eine nagelneue Heizung, oder?eine "normale" Heizung bekommt man ja auch nicht umsonst.und die meisten Häuser im Bestand brauchen mehr als 500 Liter Heizöl.Und wenn ich vom verkauften Strom Pellets kaufen kann und noch 350 Euro übrig bleiben ist doch nicht so schlecht, oder? Ohne diese Anlage müsste ich die ja auch kaufen (oder Öl)also reden wir doch über 850 Euro Ertrag und nicht nur 350, oder? Und die Amortisationsdauer verkürzt sich immens wenn ich von den 28000 Euro den Preis einer Heizungsanlage OHNE Stirlingmotor abziehe.Also, PISA hin oder her, so ganz fehlerfrei ist Ihre Rechnung wohl auch nicht, oder?

  4. für die 28000 euro bekommt man doch wohl eine nagelneue Heizung, oder?eine "normale" Heizung bekommt man ja auch nicht umsonst.und die meisten Häuser im Bestand brauchen mehr als 500 Liter Heizöl.Und wenn ich vom verkauften Strom Pellets kaufen kann und noch 350 Euro übrig bleiben ist doch nicht so schlecht, oder? Ohne diese Anlage müsste ich die ja auch kaufen (oder Öl)also reden wir doch über 850 Euro Ertrag und nicht nur 350, oder? Und die Amortisationsdauer verkürzt sich immens wenn ich von den 28000 Euro den Preis einer Heizungsanlage OHNE Stirlingmotor abziehe.Also, PISA hin oder her, so ganz fehlerfrei ist Ihre Rechnung wohl auch nicht, oder?

    Antwort auf "Verblödung pur"
  5. neue Heizung ist doch gar nicht nötig. Es gibt Energiesparprozessoren auf dem Markt, die bis zu 70% CO einsparen, bis zu 20% der Energiekosten einsparen und ebensoviel CO2. damit kann echt sparen!

    [...]

    [Link wurde entfernt. Bitte beachten Sie, dass in diesem Rahmen keine Werbung erwuenscht ist. Vielen Dank. / Die Redaktion as.]

    • todis
    • 22.03.2011 um 21:16 Uhr

    Soweit ich weiß hat Sunmachine schon vor einiger Zeit Insolvenz anmelden müssen. Das ist insofern schade, indem sich das sehr interessante Konzept der Firma nicht durchgesetzt hat. Letztes Wochenende war ich in Frankfurt auf der ISH 2011 und habe mich mit ein paar BHKW Herstellern unterhalten. Preislich fangen die Geräte inkl. Installation wohl so im Schnitt ab 20.000 Euro an. Ohne Installation gibt es die Blockheizkraftwerke auch schon ab 10 - 15.000 Euro (http://www.blockheizkraft...)

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
  • Serie Energiemaerkte
  • Quelle ZEIT online
  • Kommentare 6
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Technik | Energie | Energiesparen
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service