Energieeffizienz Die heimlichen Stromfresser
Unternehmen in der EU geben jährlich sechs Milliarden Euro aus, nur um ihre Computerserver am Laufen zu halten. Ans Energiesparen in der IT denken viele nicht.
IBM geht nach einer einfachen Maxime vor: „Eat your own dog food“ – übersetzt: „Iss dein eigenes Hundefutter.“ Oder, etwas freier: „Nutze selbst die Produkte, die du verkaufst.“ Das weltweit agierende Software-Unternehmen, das sich im Bereich Energieeffizienz profilieren will, hat die Zahl seiner Computerserver von 3900 auf gerade einmal 33 zurechtgeschrumpft. Im hausinternen Rechenzentrum ist auf einmal wieder Platz – die neuen Großrechner brauchen gerade einmal zehn Prozent der ursprünglichen Fläche und 15 Prozent der früher nötigen Energie. Die Kostenabteilung freut's. „Die Energieeinsparpotenziale in anderen Rechenzentren können locker 50 Prozent betragen“, sagt Thomas Tauer, Direktor der Abteilung Site and Facility Management.
Unternehmen hängen von ihrer IT-Infrastruktur ab, und die hängt an der Steckdose. Das ist teuer. Eine soeben erschienene Studie der Österreichischen Energieagentur (ÖA) schätzt, dass sämtliche Server plus Infrastruktur in der EU etwa 1,5 Prozent des gesamten Stroms verbrauchen. Das sind rund 40 Terrawattstunden Strom im Wert von rund sechs Milliarden Euro. Thomas Bogner von der ÖA, der die Studie mit Sun, IBM und der Universität Karlsruhe erstellt hat, glaubt sogar, dass sich der Server-Strombedarf bis 2011 verdoppeln wird. Vor allem die Kühlung der Server ist energieintensiv, sie allein macht schon die Hälfte der Kosten aus.
Bislang schien die IT-Branche der Umweltsünden unverdächtig. Doch seitdem der Klimawandel für Aufregung sorgt, nehmen Unternehmen auch ihre Netzwerkabteilungen unter die Lupe – natürlich nicht nur unter Umweltaspekten, sondern auch, um Kosten zu sparen. Bislang geschieht dies allerdings noch recht zögerlich. Hören Firmenchefs das Thema „Energieeffizienz“, denken viele zuerst an ihre Produktions- und Fertigungsabteilungen, nicht aber unbedingt an die Server. „Es gibt noch nicht wirklich ein Bewusstsein, dass man hier handeln muss“, sagt Bogner.
Dabei sind die Einsparpotenziale enorm, vor allem durch die sogenannte Virtualisierung. Durch sie werden mehrere Server zu einem zusammengefasst – auf diesem laufen dann mehrere Anwendungen gleichzeitig und sozusagen virtuell ab, daher der Name. Zwar braucht man ein leistungsstärkeres Gerät. Aber die Investition rechnet sich, denn durch die Virtualisierung lässt sich bis zu 80 Prozent der benötigten Energie einsparen. Ein kleiner Betrieb, dessen zehn Server Strom für rund 4500 Euro jährlich verbrauchen, kann nach Schätzungen von Bogner locker 3000 Euro einsparen, „bei größeren Unternehmen sind bis zu 30.000 Euro möglich“, sagt er.
Doch vielen Unternehmen fehlt es bislang an Daten darüber, wie viel Strom ihre Netzwerke eigentlich verbrauchen. Der Firma flattert zwar eine Rechnung für Kühlsysteme ins Haus. Ob es aber die Server sind, die belüftet wurden, oder die Betriebskantine, wird nicht aufgeschlüsselt.
Zudem scheuen die Firmen häufig davor zurück, ihre Rechenzentren neu zu organisieren. Schließlich verwahren sie dort äußerst sensible Daten, von den Gehaltsabrechnungen der Firmenchefs bis zu Verkaufszahlen. „Wenn Sie an den Servern etwas ändern, kommt das einem Reifenwechsel bei 180 Stundenkilometern gleich“, sagt der Sprecher der IBM-Entwicklungssparte, Michael Kiess. Ein paar Unternehmen trauen sich trotzdem, ihre IT-Abteilungen zu überprüfen. Energieberater machten sich etwa bei der Lufthansa auf die Suche nach ineffizienten Systemen, tauschten die Kühlungssysteme aus und änderten die Luftzirkulation so, dass die warme Abluft aus den Server-Räumen jetzt die Büroräume heizt. Das firmeninterne Rechenzentrum bei Frankfurt verbrauche jetzt jährlich „nur“ noch 37 Gigawattstunden Strom - so viel, wie knapp 9000 Haushalte im gleichen Zeitraum benötigen.
Oder Bayer: Die IT-Sparte des Chemiekonzerns initiierte im vergangenen Jahr das Projekt TanGo. An den Standorten Leverkusen, Pittsburgh (USA) und Singapur hat das Unternehmen seine Server zusammengeführt und so die Hardware reduziert. Durch die Virtualisierung seien zudem die Server besser ausgelastet, sagt ein Bayer-Sprecher. Wie viel Energie und Geld man dadurch genau einspart, weiß er allerdings nicht. Zu viele verschiedene Abteilungen seien beteiligt.
Hier steht Bayer nicht allein da. Die BASF AG kann den Energieverbrauch ihrer IT-Abteilung ebenfalls nicht beziffern, auch bei Volkswagen ist man überfordert. Kaum überraschend, rangiert die Netzwerk-Abteilung doch eher auf einem hinteren Platz in der Wahrnehmung – Computer und Server müssen einfach nur funktionieren. Was die IT-Abteilung mit ihnen treibt, interessierte bislang nur wenige.
Es sei denn, man hat sich auf Server spezialisiert und vermietet selbst Speicherkapazitäten. Die Berliner Strato AG, nach eigenen Angaben zweitgrößter Webhost in Europa, hat sich voll der Energieeffizienz und dem Klimaschutz verschrieben. Allein durch bessere Kühlsysteme und Hardware hat das Unternehmen in den vergangenen anderthalb Jahren den Strombedarf pro Kunde um 30 Prozent gemindert.
Strato geht sogar noch einen Schritt weiter: Ab nächstem Jahr wird es den Strom für sein Rechenzentrum nur noch aus einem Wasserkraftwerk beziehen – und spart so jährlich 15.000 Tonnen Kohlendioxid ein.
- Datum 05.11.2007 - 05:48 Uhr
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- Serie Energiemaerkte
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Viele Mitarbeiter lassen ihre Computer ständig an - bei einer tatsächlichen Anwesenheitszeit von nur ca. 2000 Stunden pro Jahr lassen sich so bereits ca. 200 kWh sparen - pro Mitarbeiter! (Annahme: PC verbraucht ca. 300 Watt)Auch in der Mittagspause oder bei kurzer Abwesenheit kann gespart werden, indem der PC in den Standby-Modus versetzt wird - bei den meisten PCs klappt das per kurzem Druck auf die Power-Taste! Ganz zu schweigen von dem Monitor, der sowieso über das Powermanagement automatisch bei Nichtbenutzung auf Standby schalten sollte. Die Rückkehr vom Standby sollte bei modernen Computern lediglich wenige Sekunden betragen. Statt einem kompletten Shutdown der Computer bei Feierabend bietet sich auch die Aktivierung des Hibernation-Modus an, der den gesamten Speicherinhalt einfriert und auf die Festplatte speichert - damit dauert das wieder Hochfahren nicht so lange wie beim normalen Einschalten, da einfach nur der komplette Speicherzustand des PCs von der Festplatte gelesen wird und dann wie vor dem Ausschalten weitergearbeitet werden kann.Es gibt also viel zu tun an Aufklärung durch einen Energiespar-Beauftragten !!! ;-)
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