Halloween Karneval im Oktober

Am Abend ziehen wieder gruselig verkleidete Kinder von Haus zu Haus und fordern "Süßes oder Saures": Es ist Halloween. Wie kam das amerikanische Geister-Fest nach Deutschland?

An Halloween scheiden sich die Geister: Die einen finden es ein nettes, in unseren Breitengraden noch relativ neues Brauchtum, nicht nur für Kinder; sie veranstalten am 31. Oktober Halloween-Partys und stellen für die Kinder, die als Hexen oder Ungeheuer kostümiert an der Tür klingeln, Süßigkeiten bereit.

Die anderen halten das Ganze für eine rein kommerzielle, aus den USA übergestülpte Veranstaltung. Sie fühlen sich durch die ausgehöhlten Kürbisse und all die Halloween-Utensilien genervt, die seit Wochen in den Geschäften liegen. Evangelische Christen, die um das Reformationsfest bangen, laufen gegen das schaurige Treiben Sturm und verteilen als Gegenmittel "Luther-Bonbons".

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Dass Halloween in Deutschland inzwischen solche Verbreitung gefunden hat, ist in der Tat erstaunlich. Denn bis Anfang der neunziger Jahre war das Fest hierzulande praktisch unbekannt. Ursprünglich kommt es aus Irland. Dort und in katholisch gebliebenen Teilen Englands zogen Menschen schon immer am Tag vor Allerheiligen (" All Hallows' Eve ") durch die Straßen. Mit Einwanderern gelangte Halloween in die USA, wo es zum Volksfest wurde. Wie aber kam es von dort nach Deutschland?

Kurioserweise ist der Golf-Krieg 1900/91 dafür verantwortlich. Nicht etwa aus Solidarität mit den USA, die damals unter Präsident Bush senior zum ersten Mal gegen den Irak ins Feld zogen, sondern aus vornehmlich ökonomischen Gründen fasste der Brauch danach bei uns Fuß. Die Fachgruppe Karneval im Verband der deutschen Spielwarenindustrie rühmt sich, dazu wesentlich beigetragen zu haben. Zu Recht. Denn in vielen Städten wurden seinerzeit aus Pietätsgründen die Karnevalsumzüge abgesagt, die Kostüm-Firmen blieben auf ihrer Ware sitzen und suchten nach Ersatz. Durch geschickte Medienarbeit machten sie deshalb Halloween populär - mit nachhaltigem Erfolg.

Andere Branchen wie die Süßwarenindustrie sprangen gerne auf, auch immer mehr andere Firmen drucken im Herbst Kürbisse oder Hexen auf ihre Waren. Fachleute schätzen den Umsatz mit Halloween-Artikel inzwischen bereits auf über 150 Millionen Euro pro Jahr – ein hübsches Beispiel für kreativen Kapitalismus. Mittlerweile, so fand eine Studie der Universität Dortmund heraus, wird Halloween in Deutschland schon beinahe amerikanischer gefeiert als in den USA.

Aber muss man deshalb, wie manche Pfarrer und Kulturpäpste, diesen Geister-Import verdammen? Was kann daran Arges sein, wenn Menschen und insbesondere Kinder feiern? Schließlich haben wir auch viele andere Elemente unserer heutigen Alltagskultur aus Amerika übernommen, wie die Rockmusik oder die Jeans. Und wir können uns immerhin mit einem trösten: Letztlich hat das meiste davon, wie auch in diesem Fall, europäische Wurzeln. Es ist also nur ein Re-Import.

 
Leser-Kommentare
  1. Halloween ist längst nicht das harmlose Kinderfest, als das es der Autor beschreibt. Wäre Halloween nur ein lästiges, amerikanisches Kulturprodukt, ließe sich der neue "Kultur"feiertag als neumodischer Firlefanz einer Überdrußgesellschaft abtun.
    Leider ist Halloween mancherorts mehr: Das Alibi für Sachbeschädigung, Beleidigung und gar nicht so harmlose Anstiftung zu Eigentumsdelikten. Alles schon dagewesen und viele Bürger atmen erleichtert auf, wenn das unsinninge (nicht das unschuldige närrische) Treiben ein Ende hat.
    Halloween hat auch nicht den alleinigen Ursprung in der umtriebigen Werbeaktivität des Spielzeugherstellerverbandes. Ohne den missionarischen Eifer der Angestellten der Kindergärten und Kindertagesstätten wäre Halloween kaum mehr als eine flüchtige Modeerscheinung geworden. Ein beneidenswerter Einfluß, der den kirchlichen Trägern und Kulturträgern immer mehr abhanden gekommen ist.
    In diesem letzten Punkt wird der Irrwitz des "Festes" deutlich. Täglich wird der Ausbau der staatlichen Einrichtungen zur Förderung der kindlichen Entwicklung gefordert. Trägt Halloween zur Förderung kindlicher Entwicklung bei? Gleichwohl könnte man die Ausgabe von Gutscheinen für Fastfood als kulinarische Erziehung bezeichnen.
    Gleichwohl müssen wir uns nur das Gedränge in der "Kinderabteilung" der Fastfoodanbieter ansehen und wir wissen wohin die deutsche Gesellschaft treibt.

  2. Leider erfährt man durch den Artikel kaum etwas über die Hintergründe des Festes, das ja eine lange Tradition hat und weit mehr war (und teilweise auch noch ist) als nur ein Absatzfeiertag für die Maskenhersteller.

    Was meinen Vorkommentator angeht, so kann ich ihm und ähnlich Denkenden nur raten: Anstatt das angeblich unausweichliche Verderben der Kinder zu beklagen und den Schuldigen in Uncle Sam zu suchen, sollten sich Kritiker lieber informieren, und am besten ihre Kinder gleich mit. Lesefreudigen Geschichtenfreunden, gerade auch im jüngeren Alter, sei von Ray Bradbury "The Halloween Tree" empfohlen. Das Buch ist zunächst einmal eine phantasievolle Abentuer- und Gruselgeschichte, bietet aber auch einige Anknüpfungspunkte, sich weiter mit den Tatsachen und Legenden rund um Allerseelen und andere Totengedenktage in verschiedenen Kulturen und zu verschiedenen Zeiten auseinanderzusetzen.

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