Arbeit Schuften unter Druck
Franz Müntefering propagiert seine Vision von "guter Arbeit". Doch kann es die unter den Bedingungen einer vernetzten Weltwirtschaft überhaupt geben?
Vor wenigen Tagen ging ein Aufschrei durch die Medien: In Indiens Hauptstadt Neu-Delhi nähen Kinder offenbar für den Zulieferer eines renommierten internationalen Markenherstellers bis zu 16 Stunden am Tag Kleidungsstücke. Bezahlt werden sie nicht, aber bedroht und geschlagen. Ein Skandal - jedoch einer von geringem Neuigkeitswert.
Fast zeitgleich stellte in Hamburg Bundesarbeitsminister und Vizekanzler Franz Müntefering seiner Partei, der SPD, seine Vision von „guter Arbeit“ vor. „Gleiche Augenhöhe“ und „starke Arbeitnehmer“ gehörten zu den einprägsamen Schlagworten, mit denen er sein Publikum zu begeistertem Beifall hinriss. Sein Grundsatzpapier ist ein lesenswertes Dokument, doch auch es enthält wenig Neues.
In Neu-Delhi versammelten sich derweil
über 25.000 Menschen zum Protest. Doch sie demonstrieren nicht gegen die Kinderarbeit
. Die Menschen waren über 300 Kilometer marschiert, um gegen die Vertreibung von ihrem Land - ihrer Einkommensquelle - zu demonstrieren. Sie waren vertrieben worden, um für Industrieparks Platz zu machen.
Die Demonstration war vielleicht das wichtigste Ereignis unter den dreien, denn sie weckte das Interesse der indischen Regierungsparteien und verlief, anders als viele vor ihr, friedlich. In den vergangenen Jahren gab es überall in Indien gewaltsame Auseinandersetzungen um Land - mit Dutzenden, wenn nicht Hunderten von Toten.
Was bedeutet „gute Arbeit“ für Menschen, die in solchen Verhältnissen leben? Und ist Kinderarbeit wirklich immer „schlecht“?
Überall in der Welt suchen Politiker aller Couleur nach Wegen, die Arbeitsbedingungen in ihren Ländern nach bestimmten Wertvorstellungen zu gestalten. Die Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) versucht, mit den sogenannten Kernarbeitsstandards gemeinsame Richtlinien zu schaffen. Am medienwirksamsten ist sicher das Verbot von Kinderarbeit, verbunden mit dem Ziel, sie abzuschaffen. Doch manche Kinderarbeiter fühlen sich dadurch diskriminiert. Sie vertreten ihre Interessen in einer eigenen Organisation, die gerade das Recht auf Arbeit fordert, auf „gute Arbeit“ eben.
- Datum 02.11.2007 - 09:25 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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Zitat:"Der Markenhersteller und der Vizekanzler ähneln sich darin, dass sie
kaum mehr als symbolhafte Bilder bieten koennen. Routiniert hat der
eine das Publikum für seine Idee von „guter Arbeit“ begeistert, ebenso
routiniert hat der andere die durch Kinderhand genähte Kleidung
vernichten lassen, Untersuchungen eingeleitet, Verträge gekündigt,
seinen Verhaltenskodex bekräftigt. Routiniert verschwinden beide
schnell aus den Schlagzeilen."Und deine Vorschläge zur Verbesserung? Wenn ich mich richtig erinnere, hast du noch vor kurzem jemanden wegen Schlechtrederei kritisiert, dann sollten doch wenigstens einige innovative Vorschläge im Artikel stecken, oder habe ich sie überlesen?Auch wird mir dein Standpunkt nicht so richtig klar, bist du jetzt für oder gegen Kernarbeitsstandards, findest du die zunehmende wirtschaftliche Vernetzung (ala Freihandel, ala Globalisierung) gut, schlecht, schicksalhaft oder verbesserbar? Bist du für oder gegen (gute) Kinderarbeit?Klare Aussagen fehlen, das macht den Artikel als Tatsachenschilderung nicht weniger wertvoll, aber er geht damit leider auch nicht über das typische intellektuelle Allerweltsgejammere hinaus...
was ich mit dem Artikel anfangen soll. Der Autor ist ratlos wegen der Zustände, die er beobachtet und stellt einige interessante, über das plumpe Maß an gängiger Empörung hinausgehende Fragen.
Antworten hingegen hat er keine. Und das wäre sicher auch zuviel verlangt. Selbst dort stellt der Autor Fragen, wo sie wohl zu weit gehen und zumindest einer tiefgehenderen Auseinandersetzung bedürfen: "Ist denn Kinderarbeit wirklich "schlecht"?", fragt er. So gut wie jeder vernünftige Mensch würde dies ohne nachzudenken bejahen. Ohne zu fragen, was für eine Kindheit es denn wäre, die das Kind, das nun nicht mehr arbeitet, anstattdessen hätte. Ob es für die Familie des arbeitenden Kindes überhaupt eine andere Möglichkeit gibt? Genauso gut könnte man allerdings Kinderprostitution in Thailand gutheißen.
Solche Gedanken zur Kinderarbeit habe ich erst kürzlich in meinem Bekanntenkreis von einer Unternehmerin im Textileinzelhandel mitgeteilt bekommen. Wenn man das Elend nicht vor Augen hat, wenn man nicht in die in so jungen Jahren beinahe erloschenen Kinderaugen blicken muss, könnte so etwas fast überzeugen.
Wer in diesen Ländern investiert, hat die Macht Dinge zu verändern. Wenn Konzerne dort solche Bedingungen bewußt in Kauf nehmen und sie insgeheim begrüßen, dann laden sie eine große Schuld auf sich. Die traurige Wahrheit ist aber auch, dass Ausbeutung durchaus im Sinne von Gewinnmaximierung liegt. Wenn Regierungen in Kenntnis dieser Umstände Wirtschaftsverträge vermitteln oder selbst abschließen, ohne entsprechende Auflagen zu machen, bahnen sie dieser Form der Ausbeutung ihren Weg und billigen sie dazu noch.
Sicher trägt auch der Verbraucher in den westlichen Industrieländern Schuld daran, Produkte nachzufragen, die in menschenunwürdigen Produktionsverfahren hergestellt werden. Doch der Verbraucher weiß am allerwenigsten wie die Produkte tatsächlich vor Ort produziert werden. Mancher Verbraucher hat zudem nicht die finanziellen Möglichkeiten alternative Produkte zu erwerben. Dessen Schuld ist mit Sicherheit die geringste.
Konzerne und Regierungen sind die Architekten guter wie schlechter Arbeit.Wirschaftssysteme sind von Menschen gemacht und keine unverrückbaren Naturgesetze wie uns weißgemacht werden soll und können daher verändert werden.
Aber hey, wenn sich nur alle Länder dem Freihandel öffen und den Kräften des freien Marktes hingeben, ist dies nur ein tristes Zwischenstadium. Nachdem diese Zeit überwunden ist, gibt es Wohlstand für alle-von Alaska bis Samoa, von Kapstadt bis Bogota....
Don't get brainwashed: www.NachDenkSeiten.de
Egal was unsere hochverehrte Frau Budneskanzlerin tut oder nicht tut. Ob man sie nun liebt oder gegenteilige Wallungen in der eigenen Gefühlswelt fest stellt... An den Tatsache der Grundsatzproblematik in der Bundesrepublik Deutschland kommt man8n) auch nicht vorbei, wenn man8n) plötzlich einen Rock anhat und man(n) plötzlich Herr Frau Bundeskanzler.IN heißt. Schade - denn da fällt mir persönlich immer nur das entrückt wirkende Gesicht ein unserer hochverehrten Frau Bundeskanzle-IN Merkel bei der Fußball-WM auf ihrer Tribüne ein... Schunkeln um den Bürger abzulenken...
Mann, Mannomann, man(n) lass das doch, das bringt nichts. Denn dem Bürger dämmert es auch ohne Götterdämmerung - beim Bliuck in die Lohntüte - und wer zwecks Arbeitslosigkeit sowieso keine hat - dem dämmerts vielleicht erst, wenn dieser eine Jahreseinkommensteuererklärung abzugegeben versucht ... Man(n) ach männo Frau Herr Bundeskanzler-IN, das ist ja Spielverderberei. "Gute Arbeit" und doch arbeitslos?
Sascha-Boris Schlender, Präsident -NGO- Int. Friedenskonferenz, Stadtresidenz
Es erscheint mir ein lohnendes Unterfangen, die Sache von dieser und jener Seite zu beleuchten, ohne jedesmal “fuer und gegen” sein zu muessen. Das bringt vielleicht Unschaerfe ins Bild, im guenstigeren Fall Farben und Schattierungen. Dafuer bietet dieses Forum wunderbar Gelegenheit.
Bertrand Russell meinte Anfang der 1960er Jahre, die “Soziale Frage” sei bestimmt von der Schaffung einer internationalen Regierung, Stabiler Bevoelkerung und vergleichbarem Lebensstandard fuer alle. Damit ist auch heute, 50 Jahre spaeter, der Rahmen perfekt vorgegeben. Russell sah “internationale Regierung” als Bedingung fuer Sicherheit. Waehrend es auf dem Gebiet der zwischenstaatlichen Sicherheit einige beachtliche Fortschritte gibt (mit einer Reihe regionaler Ausnahmen, siehe Darfur), schiebt sich das Thema “Terrorismus” in den Vordergrund (wobei mir das ein ganz unklarer Begriff zu sein scheint, aber ich bin kein Sicherheitsexperte). Das Thema vergleichbarer Lebensstandard steht ganz vorn – oder sollte dort stehen. Mit dem UNDP-Ansatz der “human security” verschmilzt das Thema vergleichbarer Lebensstandards mit dem der Sicherheit. Ich weiss nicht, ob dies mehr oder weniger Klarheit in die Diskussion bringt. Aber es hat einen grossen Pluspunkt: Es schaerft den Blick fuer die Tatsache, dass Unsicherheit eine Kategorie von Armut ist. Die Armen, diejenigen ohne wirtschaftliche Resourcen und soziale Netzwerke, sind mehr als alle anderen Kriminalitaet, Misshandlung (einschliesslich unwuerdiger Arbeitsbedingungen), Gewalt ausgesetzt. Schliesslich Bevoelkerungswachstum: Da gibt es verhalten positive Erwartungen: Die Bevoelkerung wird sich in den naechsten 20 Jahren oder so stabilisieren. Allerdings bei um die 10 Milliarden, dass sind nochmal ca. 50% mehr als heute. Bevoelkerungswachstum ist der wichtigste Faktor der gesellschaftlichen Veraenderungen, nicht zuletzt beim Sicherheitsthema, welches ich als Gewalt als Mittel zum Umgang mit Veraenderung sehe.
In welchem Verhaeltnis stehen die Massnahmen, welche wir diskutieren, zu den drei genannten Bestimmungsfaktoren der “Sozialen Frage? Land- und andere Rechte fuer Menschen in Indien; Mindest- und Hoechstloehne fuer Menschen in Europa – die sind sehr relevant, leider nicht kurzfristig zu verwirklichen. Kinderarbeit bekaempfen oder ALG II verlaengern sind ueberbewertete Nebenkriegsschauplaetze. Oft werden sie nur dazu benutzt, Schwarz und weiss, gut und boese, Konzerne und Globalisierungskritiker sauber gegeneinander zu sortieren. Das ist nicht gut genug.
Oliver Schmidt, Weblog www.oli-of-india.blog.de
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