Israel Der Schmerz sitzt tief
Auch zwölf Jahre nach dem Mord an Yitzhak Rabin ist die israelische Gesellschaft tief gespalten. Die einen gedenken seiner Friedenspolitik, die anderen fordern die Freilassung seines Mörders
Seit zwölf Jahren kommen sie einmal im Jahr Anfang November zum Kikar Rabin, dem Rabin Platz. Auch in diesem Jahr haben sich Hunderttausende Menschen dort am Wochenende im Herzen Tel Avivs versammelt, um den Jahrestag der Ermordung Yitzhak Rabins zu gedenken. Es ist der Ort, an dem am 4. November 1995 der damalige Ministerpräsident während einer großen Friedenskundgebung erschossen wurde.
Der Mord hat eine Generation von jungen Leuten geprägt. Aviv Geffen gehört zu ihr. Der Sänger war der Letzte, den Rabin an dem Abend seines Todes umarmt hatte, bevor er die Bühne verließ. Gemeinsam mit anderen Künstlern hatte der damals 22-jährige Geffen, der in Israel mittlerweile ein Popstar mit einer starken politischen Botschaft ist, an jenem Abend das Friedenslied,
Schir HaSchalom
, gesungen.
Der Sohn einer bekannten israelischen Künstlerfamilie, der mit 18 damit gedroht hatte, Selbstmord zu begehen, falls man ihn in den obligatorischen Armeedienst einziehen würde, repräsentiert einen Teil der israelischen Gesellschaft. Eine Woche nach dem Mord an seinem großen Vorbild sang er wieder. Mit kugelsicherer Weste auf derselben Bühne auf demselben Platz, gemeinsam mit 250.000 Menschen. Das Lied Livkot Lecha (Ich weine um dich) wurde zur Trauerhymne einer Generation, die er in einem seiner Songs als "kaputte Generation" bezeichnet.
Für Geffen ist der Rabin-Platz heiliger als die Klagemauer. An diesem Ort hätten sie nicht nur Rabin erschossen, sondern auch seinen Traum, sagt er immer wieder in Interviews. Sie alle hatten geglaubt, dass hier eine wunderbare Ära anbrechen würde, eine Ära des Friedens. "Frieden, wie gut dass du endlich da bist, denn so sehr haben wir uns gefürchtet“, hatte er, gemeinsam mit anderen, an jenem schicksalhaften 4. November 1995 gesungen. Die Euphorie hielt nur wenige Minuten. Heute, angesichts der politischen Lage im Nahen Osten, sagt Geffen, "hängen riesige Fragezeichen über der israelischen Gesellschaft. Die ist so gespalten wie nie zuvor".
Wenn Geffen die eine Seite der israelischen Gesellschaft repräsentiert, nämlich jene, die das politische Erbe Rabins fortsetzen, die Siedlungen aufgeben und in Frieden mit den Palästinensern und den arabischen Nachbarn leben will, dann ist das die andere Seite: Eine Umfrage in der israelischen Tageszeitung Maariv kürzlich hat ergeben, dass sich etwa ein Viertel der Israelis für eine Begnadigung des Rabin-Mörders im Jahr 2015, also nach 20-jähriger Haftstrafe, ausspricht.
Es war ein angekündigter Mord, schreibt der Israel-Korrespondent von Le Monde , Amnon Kapeliuk, einige Monate nach dem Mord. Bereits zwei Jahre vor Rabins Tod offenbarten sich die tiefen Gräben in der israelischen Gesellschaft in aller Deutlichkeit. Unter Federführung der ultranationalen Bewegung wurde damals eine Schmutzkampagne gegen den Ministerpräsidenten initiiert. Es sind nicht die Orthodoxen, sondern die National-Religiösen, die Siedlungen ausbauen wollen. Nicht aus Sicherheitsbedenken, die viele Israelis plagen. Sondern ihr Motiv ist ein ideologisches, sie träumen von einem Groß-Israel, dessen Grenzen vom Mittelmeer bis zum Jordan reichen. In ihrer Welt ist kein Platz für Palästinenser, geschweige denn für einen palästinensischen Staat. Für sie sind Politiker wie Rabin Verräter.
- Datum 05.11.2007 - 02:14 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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Wenn das Existenzrecht für Palästina durch Europäische- und US-Politik nicht so missachtet werden würde, indem die UN-Resolutionen belächelnde, Völkerrecht brechende und Palästina verhindernde Besatzungspolitik der Israelis unterstützt wird, dann würde sich das israelische Volk mehr wegen seiner Rassisten schämen, und diese Rabin-Mord-Unterstützer gesellschaftlich bekämpfen.
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