New York Kolumne Lichter der GroßstadtSeite 2/2
Damit trifft er leider nicht die Stimmung des Publikums, denn das verehrt nun gerade den deutschen Film, das Genre. Fassbinder! Wim Wenders! Himmel über Berlin ! Lola rennt ! Ob es denn auch ein kommerzielles deutsches Kino gebe, will Denby irgendwann wissen. Ja, sagt Schlöndorff, es sei sogar sehr erfolgreich, „Sexy Comedies“, aber es sei schlecht und seicht. Der Name Bully Herbig fällt nicht, und hier wüsste auch gar keiner, wer das ist.
Ganz lässt einen das alte Berlin in New York nicht los. An der New York University wird ein Buch über Leni Riefenstahl vorgestellt. Und im MoMA läuft eine deutsche Filmreihe. Der Eröffnungsfilm war Am Ende kommen Touristen , der im Auschwitz von heute spielt. Den Film habe ich verpasst wegen einer Diskussionsrunde von Journalisten, die im Irak waren, aber danach gab es einen Empfang in einem Hotel im Theaterdistrikt, direkt neben dem Pool. Mit Shrimps und Champagner aus Plastikgläsern. Das ist Vorschrift, wegen dem Pool. Verletzungsgefahr. Ich notiere auf einem mentalen Post-it in meinem Kopf nachzuforschen, ob es möglich ist, sich am Pool als Hotelgast auszugeben. So ungefähr wie Samantha in Sex and the City , die in einer Episode unter falschen Namen auf dem Dach des SoHo House plantscht. In New York muss man sehen, wo man bleibt. Draußen ist es kalt. Aber wärmer als Berlin.
Derweil freuen sich die Amerikaner in Berlin über ihre großen Wohnungen. „New Yorker, die hier leben, sagen gerne, dass Berlin sie an New York in den siebziger Jahren erinnert“, schrieb die Exil-New-Yorkerin Anna Winger neulich in der New York Times . „Aber eigentlich meinen sie, dass Berlin sie an Woody-Allen-Filme erinnert, die im New York der siebziger Jahre spielen.“ Vielleicht ist ja auch New York bloß ein Narrativ.
- Datum 05.11.2007 - 08:22 Uhr
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