Ökostrom

Wasser marsch in Kassel

In Kassel gibt es nur noch Öko-Strom: Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Ohne ihr Zutun wurden die knapp 200.000 Kunden der Städtischen Werke Kassel an diesem Dienstag zu Abnehmern umweltfreundlichen Stroms. Ihr Versorger stellte sein Angebot komplett auf Ökostrom um und bezieht Elektrizität nun nur noch aus skandinavischen Wasserkraftwerken des Energiekonzerns Vattenfall. Kassel ist nicht die erste Stadt, die einen solchen Schritt tut: Seit vergangener Woche bestreiten die Stadtwerke der Kleinstadt Wolfhagen in Hessen die Versorgung ihrer rund 10.000 Kunden nur noch mit Strom aus österreichischen Wasserkraftwerken. Vorreiter der Bewegung waren die Stadtwerke Heidelberg. Sie versorgen ihre Kunden schon seit 2001 mit Strom aus Solar-, Wind- und Wasserkraftwerken, nutzen allerdings daneben auch konventionell erzeugte Energie.

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Die Kasseler Stromwerke verfolgen durch ihren Wechsel große Ziele. Pro Jahr wollen sie 197.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) einsparen. Damit das auch wirklich funktioniert, verpflichtet sich der Energiekonzern Vattenfall, für jede in Kassel verbrauchte Kilowattstunde Strom die gleiche Menge an Elektrizität aus Wasserkraft zu produzieren. Diese wird dann in das Stromnetz zurückgeführt. Bestimmte Zertifikate sollen garantieren, dass Vattenfall jede Kilowattstunde Ökostrom nur einmal verkauft. Dadurch komme Schwung in den Strommarkt: „Wir schaffen jetzt Nachfrage nach erneuerbaren Energien. Und Nachfrage schafft Angebote“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Städtischen Werke Kassel, Andreas Helbig. Geht da ein ökologischer Ruck durch die deutsche Stromlandschaft?

Für die Kasseler Strategie sprechen nicht nur Gründe des Umweltschutzes. Bislang verkauften die dortigen Stadtwerke weitgehend konventionelle Energie. Doch in Deutschland wollen immer mehr Kunden sauberen Strom - sie wechseln von konventionellen hin zu Öko-Versorgern. Allein das Hamburger Unternehmen Lichtblick meldete im Juli dieses Jahres 20.000 Neukunden. Wenn die Kasseler Stadtwerke nun selbst zum Ökostrom-Anbieter werden, so ist das ein gelungener Schachzug, zumal die große Einkaufsmenge und eine lange Laufzeit der Verträge ihre Kunden zunächst vor höheren Strompreisen bewahrt.

Laut Greenpeace Energy ist Ökostrom jedoch nicht gleich Ökostrom. Wahrer Ökostrom werde ausschließlich von Unternehmen produziert, die, im Gegensatz zum Energiekonzern Vattenfall, nicht an Atomkraftwerken beteiligt seien, sagt Corinna Hölzl von greenpeace energy. Darüber hinaus investierten diese Firmen immer auch in neue Anlagen zur Produktion von regenerativen Energien. Hölzl möchte den eigenen Ökostromstrom deshalb von dem zertifizierten Kasseler Strom deutlich unterschieden wissen.

Trotz der Kritik bewerten Ökoexperten den Wechsel in Kassel als einen Schritt in die richtige Richtung. „Wenn andere Stadtwerke auch wechseln, kann das durchaus zu einem Erfolg für die regenerativen Energien werden“, sagt Christoph Timpe vom Ökoinstitut Leipzig. Würde ein Wechsel mehrerer Stadtwerke Schule machen, würden automatisch mehr erneuerbare Energien in das Stromnetz fließen. Vielleicht gut für die Kundenstatistik der Stadtwerke - in jedem Fall gut für die Umwelt.

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Leser-Kommentare

  1. Koeln bekommt nun reinen Oekostrom, alle anderen bekommen ein Epsilon weniger Oekostrom. Unter dem Strich ist die Summe des guten Gewissens aller deutlich gewachsen, veraendert hat sich nichts, und Vattenfall macht sicher ein gutes Geschaeft. Everbody wins.

  2. Es ändert sich nichts. DennVattenfall steht für eine verantwortungslose Energiepolitik. Ende Juni
    sind uns die Gefahren der Atomenergie wieder bewusst geworden. Zwei
    gefährliche Störfälle in Brunsbüttel und Krümmel haben Schlagzeilen
    gemacht. Die Informationspolitik von Vattenfall war ebenfalls eine
    eigene Katastrophe. Gleichzeitig beantragt das Unternehmen, die
    Laufzeiten für die Schrottreaktoren zu verlängern.

    Beide Atomkraftwerke sind für den Konzern Gelddruckmaschinen und für
    Mensch und Natur eine große Gefahr. Während alle Welt vom Klimaschutz
    redet und die Bundesregierung das Ziel vorgibt, bis zum Jahre 2020 40%
    weniger CO2 freizusetzen, setzt Vattenfall auf neue Kohlekraftwerke.
    Nicht zuletzt produziert Vattenfall gefährlich billigen Strom und
    erhöht dennoch ständig die Strompreise – seit dem Jahr 2000 um 40%! Mit
    900 Millionen Euro hat Vattenfall Europe im letzten Jahr ein
    Rekordgewinn erzielt. Entsprechende Investitionen in erneuerbare
    Energien, in die Forschung und Energiesparmaßnahmen tätigt Vattenfall
    nicht.
    Mit Vattenvall wird eindeutig auf das falsche Pferd gesetzt, und
    verhilft dem in der öffentlichen Wahrnehmung wegen seiner skandalösen
    Informationspolitik angeschlagenen Konzern zu einer mit nichts zu
    rechtfertigen Reputation.
    Die beiden deutschen Vattenfall-Kernkraftwerke gehörten im Jahr 2006 zu
    den deutschen Atomkraftwerke mit den meisten meldepflichtigen
    Ereignissen. In der Pannenstatistik belegte das Atomkraftwerk Krümmel
    mit 15 Ereignissen Platz 1, das Atomkraftwerk Brunsbüttel mit 11
    Störungen Platz 3. Wenn nun Kassel dieses unverantwortliche Vorgehen
    von Vattenfall mit einem 5-Jahresvertrag auch noch stützt, ist dies ein
    Armutszeugnis für diese Stadt. "Grüner Strom" jedenfalls hat auch etwas
    mit Übernahme von Verantwortung für die nachfolgenden Generationen zu
    tun. Vattenfall tut dies bestimmt nicht. Bedauerlich ist ebenfall, dass
    die Städtischen Werke zu einem Viertel dem Privatunternehmen Vattenfall
    gehören, anstatt als kommunaler Versorger zu 100% in Bürgerhand zu
    sein. Vielleicht ist aber nur so dieser neu eingeschlagene Weg zu
    erklären.
    Wir empfehlen vier Stromanbieter, die die Kriterien für nachhaltige
    Energiewirtschaft erfüllen und keine eigentumsrechtlichen Verbindungen
    zur Atom- und Kohleindustrie aufweisen. Diese vier Anbieter sind:
    Elektrizitätswerke Schönau, Greenpeace energy, LichtBlick und
    Naturstrom AG.

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  • Von Simone Miesner
  • Datum 1.11.2007 - 11:40 Uhr
  • Serie Energiemaerkte
  • Quelle ZEIT online
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  • Schlagworte Wirtschaft | Energie | Alternative Energie | Politik | Umweltpolitik
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