Energie Angst vor dem Ölpreis
Kurz vor dem Winter erreicht der Preis für Rohöl einen neuen Rekord. Steuert die Weltwirtschaft auf eine Ölkrise zu? Ein Gespräch mit dem Rohstoffexperten Jochen Hitzfeld
ZEIT online: Der Preis für ein Barrel Rohöl steuert auf die 100-Dollar-Marke zu, die Weltwirtschaft scheint bislang kaum Schaden genommen zu haben. Warum?
Hitzfeld: Noch sind die gestiegenen Preise für Rohöl nicht beim Verbraucher angekommen. Stattdessen sind die Raffineriemargen der Ölkonzerne drastisch gesunken. Benzin ist etwa in den USA nicht viel teurer als noch im Sommer 2006, als Rohöl 75 Dollar pro Barrel kostete. Die Gewinnmarge, berechnet als Differenz zwischen dem Benzinpreis und dem Rohölpreis, ist aber zuletzt von 35 auf 5 Dollar geschrumpft. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Preise für Benzin, Kerosin und Heizöl steigen werden. Erst dann gibt es auch realwirtschaftliche Effekte.
ZEIT online: Einige Ökonomen vertreten die Ansicht, dass der hohe Ölpreis der Weltwirtschaft nicht unbedingt schaden muss. Etwa, weil moderne Volkswirtschaften weniger abhängig vom Öl sind als früher.
Hitzfeld: Sicherlich setzen die USA, Europa, insbesondere Deutschland, Energie heute effizienter ein als früher. Das mindert die Abhängigkeit vom Öl. Unsere Studien zeigen, dass man etwa in den USA aus einem Barrel Öl doppelt so viel volkswirtschaftliche Wertschöpfung gewinnen kann wie noch zu Beginn der achtziger Jahre. Pendelt sich der Preis langfristig bei 90 Dollar pro Barrel ein, wird es aber auch für diese Volkswirtschaften kritisch.
ZEIT online: Wie erklären Sie denn, dass die Preise derzeit so rasant steigen?
Hitzfeld: Das ist im Prinzip ganz einfach. Die weltweite Förderung von Erdöl stagniert seit inzwischen drei Jahren bei 85 Millionen Barrel pro Tag. Auf der anderen Seite treibt das starke Wachstum der Weltkonjunktur die Nachfrage stetig nach oben. Ab dem vierten Quartal 2007 bis Ende 2008 wird die Nachfrage durchschnittlich um 3 Millionen Barrel pro Tag über dem Angebot liegen. Die Erdölkonzerne bauen ihre Lager ab, die Preise steigen.
ZEIT online: Wie ließe sich das Problem lösen?
- Datum 21.11.2007 - 11:19 Uhr
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- Serie Energiemaerkte
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In diesem Interview klingt es so, als könne man davon ausgehen, dass auf die eine oder andere Art der Ölpreis schon wieder sinken werde. Warum wird denn nicht das Szenario angesprochen, dass es jetzt mit dem billigen Öl endgültig vorbei ist? Wenigstens die Frage, ob "Peak-Oil" erreicht sein könnte, wäre doch angebracht gewesen. Seltsamerweise wird diese doch so eminent wichtige Frage in keinem der Artikel im "Schwerpunkt" zentral behandelt.
Warum wird das Problem der Spekulationen mit dem Öl nicht angesprochen? Darin liegt doch der eigentliche Grund für die Preisexplosion. Warum wird der internationale Spekulationsmarkt nicht limitiert? Wer steckt da dahinter?Das inhaltslose Blabla des Herrn Experten (sinkende Nachfrage, Einpendeln bei 90 Dollar: Ein Witz), das können Sie sich sparen!
Ich kann mich "Locke1" nur anschließen. Nicht nur in diesem Artikel, sondern fast immer wenn in großen deutschen Zeitungen und Medien über den hohen Ölpreis berichtet wird, herrscht die Meinung vor, dass der Ölpreis sich schon bei irgendeinen nicht allzuhohen Wert einpendeln würde, dass er ja irgendwie doch für die Volkswirtschaften zu verkraften sei und überhaupt wären ja nur die Spekulanten schuld. Sicher, letzteres trifft kurzfristig zu (und zeigt ein weiteres Mal das man den Märkten nicht zuviele Freiheiten bei Preisbildung zugestehen sollte).
Aber langfristig wird sich der Ölpreis bei keinem Wert einpendeln, er wird, er muss weiter steigen, insbesondere dann dramatisch, wenn das Wachstum der Nachfrage mit sinkender Förderung einher geht. Binsenweisheiten. Alles seit 40 Jahren bekannt.
Getan wurde aber nichts, stattdessen beruhigt man das Gewissen mit den törichten Prognosen von irgendwelchen Experten. Und es werden auch jetzt keine ernsthaften Anstrengungen unternommen, Rohstoffe effizienter zu nutzen oder neue Technologien zu entwickeln, obwohl der steigende Ölpreis weit gefährlicher für unseren Wohlstand ist als der Klimawandel. Sehenden Auges nehmen wir das in Kauf, und niemand scheint das zu interessieren. Seine Bequemlichkeit wird dem Menschen zum Verhängnis.
Worauf heute Leute schon ein "Menschenrecht" erheben! Auf Öl und Autos gewiss nicht! Das Öl liegt nicht unter unseren Füßen also müssen wir jenen unter deren Füßen es liegt ordentlich dafür bezahlen oder wir kaufen eben keines. So ist das Leben. Anstatt wieder in Katzenjammer auszubrechen sollen wir tun was schon seit den 70ern gesagt wird, weg vom Öl. Wir hätten genug Zeit gehabt und so oder so es war seit der ersten Ölkrise jedem klar dass das Erdöl endlich ist. Also wieso wartet man immer auf den letzten Drücker bis alles fast zu spät ist bevor man umsteuert??? Gerade durch den hohen Ölpreis stimmt nicht mehr was meinetwegen noch vor wenigen Jahren bei 20 Dollar ölpreis stimmte, Öl wäre billig und erneuerbare Energien nicht. Inzwischen ist JEDE Antriebsform sogar Wasserstoff schon preiswerter geworden (im großen Maßstab natürlich). Das beste ist einfach das Elektroauto, auch technologisch kein problem mehr und man muss es auch keinem Auto ansehen oder anmerken - außer das es leise ist und kein Dreck mehr rauskommt. Und für längere Strecken, irgendwann ist doch auch der Benzintank leer und was machen wir dann? Tanken. Das Tankstellennetz gibt es also. Und es gibt auch seit 100 Jahren standartisierte Batterien, auf der ganzen Welt kann man neue Batterien für seinen Walkman kaufen. Wieso soll das nicht für Auto-Akku's möglich sein? Das Tankstellennetz auf Akkus umzurüsten, jeder mit einer Kapazität von sagen wir 100 Kilometern. Das reicht jedem normalen Pendler locker und für längere Strecken tankt man eben nach. Und mit dem Großeinsatz des ganzen steigt die Forschung und die Kapazität einer Akkuladung wird genauso kontinuierlich steigen wie seit 100 Jahren die Motorleistung unserer Verbrennungsmotoren. Den Strom dazu haben wir im Überfluss, unsere Sonne schickt uns MILLIONEN mal mehr als wir je Verbrauchen können - täglich. Und durch den hohen Ölpreis gibt es inzwischen keine erneuerbare Energie mehr die teurer wäre als die Ölwirtschafterei - selbst Solar ist inzwischen gleichauf mit dem Öl! Nicht flegmatischer Kulturpessimismus vom Untergang unserer auf Öl basierenden Zivilisation ist das was wir tun müssen sondern schlicht das tun was Menschen immer am besten konnten, Probleme lösen mit Forschung und Köpfchen! Das alles ist innerhalb von 10 Jahren also bis 2020 problemlos möglich. Je länger wir dieses (unvermeidbare) aber hinauszögern, je schwieriger wird das in der Tat. Etwas anderes ist auch richtig, für diese Umstellung brauchen wir viel viel Geld. Und wenn wir erst in einer Wirtschaftskrise sind durch das knappere Öl, dann wird es immer schwerer dieses Geld aufzubringen.
Was ist eigentlich mit dem Rest der verarbeitenden petrochemischen Industrie? Eigentlich müssten doch alle Produkte aus Erdöl wesentlich teuerer werden, nicht nur Treibstoff. Ansonsten bleibt mir nur den Kommentatoren hier zuzustimmen. Es war 30 Jahre lang Zeit um die Forschung und die Umstellung auf andere Energieträger umzustellen. Nicht jammern, sondern endlich die Abhängigkeit beseitigen!
Bisher fünf Kommentare (letzter 07:40) und alle haben eigentlich Recht mit der Meinung, "wir" hatten genug Zeit.
Ja es wäre genug Zeit für die Entwicklung und der Anpassung für uns alle gewesen.
Aber, was sagt uns dass über unsere Volksvertreter und unserer Parteien Bürokratie, Verzeihung ich meinte natürlich Demokratie, in der Vergangenheit und auch heute noch aus. Haben sie verantwortlich und vorausschauend in den letzten 30 Jahren, zum Wohle aller, ihre Entscheidungen in dem so hohen Haus dem Deutschen Bundestag getroffen?
Ich sage NEIN, sie haben nicht und sie tun es auch aktuell nicht.
Die Konsequenz aus so einer Erkenntnis, muss jeder für sich selber bei den anstehenden Wahlen treffen.
Mit freundlichem Gruß
ARON
Das Problem ist natürlich auch, dass Herr Hitzfeld (wie alle anderen, die in den Medien zum Thema befragt werden) als Volkswirt mitnichten ein Experte für Rohstoffe, sondern einer für den Handel damit ist. Ob der "Ölknick" (Peak Oil) erreicht ist oder nicht, ist eine Frage der Geologie, nicht der Märkte. Wenn man also wissen möchte, wie sich die Ölversorgung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickeln wird, sollte man doch bitteschön einen Geologen fragen, und die Volkswirte weiter ungestört an ihren Marktmodellen basteln lassen.
läßt doch sehr zu wünschen übrig. Ich wundere mich in den letzten Jahren immer wieder, wieviel schlechter doch journalistische Leistungen geworden sind. Das beginnt schon mit der Auswahl der Gesprächspartner und endet mit den eher dummen Fragen der Journalisten. Die bisherigen Kommentatoren haben da wesentlich mehr drauf, als der fragende Journalist der ZEIT. Woran liegt das nur? Macht sich kein Journalist mehr die Mühe, sich wirklich mit einem Thema auseinanderzusetzen oder ist das einfach nicht mehr gewollt??
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