Garantiefonds

Selbstgebaute Sicherheit

Viele Anleger fürchten sich davor, Geld zu verlieren - und suchen Schutz durch Garantiefonds. Dabei lässt sich eine sichere Geldanlage ganz einfach selbst konstruieren.

Renditen ohne Risiko ziehen Anleger in Deutschland offensichtlich magisch an: Zwischen Januar und September 2007 haben Privatanleger 2,6 Milliarden Euro für sogenannte „wertgesicherte Produkte“ ausgegeben. 21 Milliarden Euro liegen mittlerweile in dieser Anlageklasse, fast drei Mal so viel wie noch zwei Jahre zuvor, meldet der Bundesverband Investment und Asset Management. Ein erstaunlicher Befund, denn in einer Zeit, in der die Börsen weltweit boomen, verkaufen sich ausgerechnet solche Fonds, die mit der Aussicht auf Werterhalt werben.

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Wer Fondsanbieter danach fragt, wie es dazu kommt, hört immer Gleiches: Man könne ja machen, was man wolle – die Kunden seien verunsichert und kauften einfach nur Produkte, die ihnen „Sicherheit“, „Garantie“, „Protektion“ oder „Kasko-Schutz“ versprächen.

Erfüllen Anlageberater, die Garantiefonds verkaufen, also nur ein Kundenbedürfnis? In den meisten Fällen nicht. Denn Garantiefonds mögen die bequemste Antwort sein, wenn ein Kunde nach „Sicherheit“ fragt. Die beste sind sie aber keinesfalls. Denn sie kosten unnötig Geld: Das Garantieversprechen, für die die Fondsmanager häufig ein Prozent oder mehr an jährlichen Gebühren verlangen, lässt sich nämlich ohne viel Aufwand völlig kostenlos einlösen. Es braucht nur einen Taschenrechner und ein wenig Zinseszinsrechnung.

Uns so funktionieren Garantiefonds der Marke Eigenbau:

Zunächst definiert man das Anlageziel: In der Regel versprechen die Fonds, dass der Käufer zu einem festen Zeitpunkt in der Zukunft – zum Beispiel in fünf Jahren – mindestens sein Geld zurückbekommt, hierfür seien 10.000 Euro angenommen. Außerdem will man natürlich möglichst noch eine ansehnliche Rendite erwirtschaften.

Nun geht es an die Strategie: Als absolut sichere Renditequellen kommen Bundesschatzbriefe oder Festgeld infrage. Damit lassen sich zurzeit – konservativ kalkuliert – vier Prozent jährliche Zinsen erzielen. Kapital vermehrt sich dadurch per Zinseszinseffekt in fünf Jahren um 21,7 Prozent. Wer all sein Geld in einen Schatzbrief steckt, hat am Ende 12.167 Euro Kapital. Also eine 122-Prozent-Garantie.

Allerdings ohne zusätzliche Gewinnchancen. Um diese zu erhöhen, legt man nur 8220 Euro zum Festzins an, die in fünf Jahren wieder auf 10.000 Euro angewachsen sind. So bleiben 1780 Euro für andere Anlagen übrig. Dazu bietet sich zum Beispiel ein Indexfonds auf den Dax oder den Euro-Stoxx an, der für Gebühren zwischen 0,1 und 0,2 Prozent immer genauso abschneidet wie der entsprechende Aktienmarkt. Bei acht Prozent Kursplus pro Jahr – einem langjährigen Mittel – würden daraus 2615 Euro. Macht insgesamt 12.615 Euro. Das entspricht einer jährlichen Rendite von fast 4,8 Prozent. Bei 100 Prozent Kapitalgarantie.

Und es ist sogar noch mehr drin: Denn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Indexfonds seinen Wert vollständig verliert, ist zu vernachlässigen. Langjährige Statistiken zeigen: Selbst eine Halbierung ist bei weit gestreuten Aktienkursbarometern wie dem Euro-Stoxx in Fünf-Jahres-Zeiträumen kaum wahrscheinlich. Wer sich auf eine solche Spekulation einlässt, verliert zwar die letzte Sicherheit – gewinnt dafür aber noch mehr Renditepotenzial, wie zwei Rechnungen mit unterschiedlichen Annahmen zeigen:

Zunächst gehe man davon aus, dass der Aktienmarkt im Anlagezeitraum höchstens zwei Drittel an Wert verliert. Dann reicht für den sicheren Teil der Geldanlage ein Kapitalstock von 7547 Euro, der nach fünf Jahren bei vier Prozent Zinsen auf 9182 Euro anwächst. Die übrigen 818 Euro für die Garantie – die freilich nur noch eine hohe Gewissheit darstellt – stammen aus dem Aktienanteil von 2453 Euro. Und so steigen die Renditechancen: Bei acht Prozent Kursplus in guten Jahren würde der Aktienanteil auf 3604 Euro wachsen, was ein Endkapital von 12786 Euro einbrächte, oder umgerechtet fünf Prozent jährliche Rendite pro Jahr.

Wer sich noch mehr traut, greift zur Annahme, der Aktienmarkt verlöre maximal die Hälfte seines Werts. Dann reichen sogar 6977 Euro auf der sicheren Seite. Daraus werden in fünf Jahren 8488. Aus den 3023 Euro im Aktienteil können derweil in guten Zeiten 4442 Euro werden. Macht unterm Strich 12.930 Euro oder 5,3 Prozent Rendite pro Jahr.

Noch höhere Renditen sind drin, wenn man seinen Garantieanspruch senkt und nur 80 oder 90 Prozent sicher zurückhaben möchte. Oder aber, wenn die Sicherheit erst später in der Zukunft zählt. Wer zum Beispiel erst in zehn Jahren sein Kapital zurückhaben will und davon ausgeht, dass die Börsen in dieser Zeit nicht mehr als die Hälfte einbüßen, kann bereits 45 Prozent auf der Aktienseite anlegen. Steigen die Kurse dort dann um je acht Prozent, bringt die selbstgebaute „Sicherheitsstrategie“ sechs Prozent Rendite pro Jahr.

Gegen solche Erträge machen Garantiefonds eine schwache Figur: So erbrachten nach Berechnungen der Ratingagentur Morningstar 210 Produkte im Jahr 2006 durchschnittlich nur 3,3 Prozent Rendite ein. Die Hälfte der Fonds schaffte sogar weniger als zwei Prozent Plus. Und 33 Produkte sorgten gar für ein zwischenzeitliches Minus im Depot.

Olaf Wittrock ist Wirtschaftsjournalist im Journalistenbüro wortwert in Köln. Er beschäftigt sich mit Geld- und Vorsorge-Themen - unter anderem schreibt er für das Wirtschaftsressort der ZEIT und ZEIT online.

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