Montagskolumne Gegen die WandSeite 2/2
Zudem wurde er aus der Schwäche des Militärregimes geboren, und das macht seine Folgen so gefährlich für die Zukunft des Landes und der Region. „Schwäche“ heißt in diesem Fall ein zunehmendes Legitimationsdefizit Präsident Musharrafs und der Herrschaft des Militärs. Genau dieser Mangel an Legitimation wird aber durch den Putsch verstärkt und nicht verringert.
Die eigentlichen Gewinner dieser Konfrontation werden die Radikalen sein. Pakistan und sein Geheimdienst ISI hatten über Jahre hinweg die afghanischen Taliban aufgebaut, ausgerüstet und gefördert. Nunmehr gerät es aber zunehmend in die Rolle des Zauberlehrlings, dem sein Besen außer Kontrolle geraten ist. Denn mittlerweile haben sich „pakistanische Taliban“ entwickelt, die in den Grenzgebieten zu Afghanistan und zunehmend auch im Norden des Landes über „befreite Gebiete“, also über eine territoriale Rückzugsbasis, verfügen. Und diese Entwicklung hält an.
Zudem bleibt es eine offene und wichtige Frage, wie weit und wie tief der Einfluss der pakistanischen Taliban in das Militär und in den ISI hineinreicht. Die in Pakistan kursierenden Informationen darüber geben wenig Anlass zu Hoffnung. Die militärische Unterdrückung des Aufstands in der Roten Moschee in Islamabad vor einigen Monaten scheint zudem die islamistischen Radikalen eher gestärkt als geschwächt zu haben, wie eine ganze Serie verheerender Attentate auf das Militär danach gezeigt hat. Und auch die Militäraktionen in den Nordwestprovinzen und in Belutschistan waren ein Fehlschlag und haben zu einer wachsenden Demoralisierung im Militär geführt.
Angesichts dieser jüngsten Ereignisse in Pakistan hat in den USA eine Diskussion begonnen, die mit viel Recht auf die Parallelität der Entwicklung in Pakistan mit der Entwicklung im Iran vor dem Sturz des Schahs von Persien im Jahr 1979 hinweist.
Heute wie damals war die fehlende Legitimation des Regimes dessen größte Schwäche; heute wie damals hat der Westen das Regime unterstützt, anstatt rechtzeitig auf eine demokratische Modernisierungsalternative zu setzen und zu ihrem Aufbau über die Jahre hinweg beizutragen; heute wie damals hatte er überhaupt kein Verständnis für die historische Kraft eines revolutionären Nationalismus in diesen Ländern, der sich zudem religiös aufgeladen hat; und heute wie damals wird der Westen und vor allem Amerika von einer wachsenden Mehrheit in diesen Ländern als die Kraft gesehen, die jene ins Wanken geratenen Regime mit mangelnder Legitimation an der Macht hält. Antiamerikanismus und der Hass auf den Westen wird dadurch zu einer weiteren Antriebsfeder eines revolutionären Nationalismus, und genau dies geschieht gegenwärtig ebenfalls in Pakistan.
Allerdings, Geschichte wiederholt sich nicht. Dies ist aber alles andere als eine beruhigende Erkenntnis, denn Pakistan verfügt über Atombomben und eine riesige Bevölkerung. Wenn dieses Land außer Kontrolle gerät, dann würde die iranische Revolution von 1979 dagegen nur einem milden Lüftchen gleichen. Und auch Afghanistan wäre dann endgültig verloren.
Der Einsatz, um den es in Pakistan regionalpolitisch und weltpolitisch geht, ist sehr hoch. Wenn der Westen nicht den Mut und die Einsicht aufbringt, jetzt, trotz aller Schwierigkeiten, auf die in Pakistan vorhandenen rechtsstaatlichen und demokratischen Kräfte zu setzen, die das Legitimationsdefizit des gegenwärtigen Regimes schließen können, dann werden eines nicht allzu fernen Tages die radikalen Islamisten das Vakuum füllen. Iran lässt grüßen. Auch deshalb ist jetzt die in Pakistan sichtbare und spürbare Solidarität des Westens mit all jenen Richtern, Rechtsanwälten und Journalisten - darunter sehr viele Frauen -, die von der Militärregierung ins Gefängnis geworfen werden, von entscheidender Bedeutung - anstelle von Solidaritätsadressen für Musharraf.
- Datum 19.11.2007 - 02:23 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 12.11.2007
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Hi @llSo der "Westen" ist wieder mal Schuld wenn fanatisierte Moslems die Machtfrage stellen.Die islamischen Terroristen die in Islamabad die Rote Moschee besetzten, Strassenkämpfe anzettelten, alles niederprügelten was ihnen nicht passte sind dann wohl "demokratische Wiederstandskämpfer" die böse unterdrückt werden.(Ironie, für die Merkbefreiten)Die Zustände in Pakistan und anderswo in der islamischen Welt sind in erster Linie ein komplettes Versagen der dortigen Gesellschaften die restlos unfähig sind ihre Probleme allein zu lösen.GrussRene
> So der "Westen" ist wieder mal Schuld wenn fanatisierte Moslems die Machtfrage stellen.
Wer lesen kann ist klar im Vorteil.
Die Machtfrage wurde vom obersten Gericht gestellt. Im Gefängnis sind nach dem Putsch die Angehörigen der Zivilgesellschaft - Richter, Juristen, Journalisten, Schlüsselfiguren der Opposition. Kein einziger Islamist.
Die Islamisten sind die lachenden Dritten, weil "der Westen" nach oberflächlicher Betroffenheit seine eigenen Werte mal wieder ignoriert und statt der Zivilgesellschaft den Diktator unterstützt.
Ja, ja, ein hübscher Einstieg. Eine Zustandsbeschreibung die dem Kenntnisstand eines halbwegs informierten Lesers entspricht und die garantiert frei von neuen Gedanken und Lösungsansätzen ist. Wenn selbst "dem Größten" nix mehr einfällt, dann ist die Lage mal wieder ernster als wir alle ahnten. Passt das alte Super-Fischer Trikot gerade mal wieder nicht mehr? Nur eine Frage plagt mich: Wer sind die demokratischen Kräft in Pakistan, etwa Frau Bhutto?
Die Machtfrage wird nicht nur von fanatisierten Moslems gestellt, sondern vom ganzen Volk. Ein Geschäftsmann, der mit der Religionsfrage nun überhaupt nichts zu tun hat, schrieb mir vergangene Woche, daß Musharaf selbst das größte Problem im Land ist. Die Ursache dieser Zustände haben nicht im geringsten etwas mit den Islamisten zu tun. Diese würden lediglich aus der Situation heraus partizipieren.Musharaf weiß, daß er schwach und obendrein unrechtmäßig an der Macht ist, aber bevor das endgültig geklärt werden konnte, hat er den supreme court in den Wind geschossen.
Insofern hat Fischer recht, wenn er sagt, daß es nicht immer der Königsweg ist, auf den Vasallen zu setzen. Dies hat man bei Saddam und vielen anderen oft genug gesehen.
Man darf gespannt sein, bis wann Bhutto zur ersten Hasspredigerin gekührt wird.
Welchen Schiller hat Herr Fischer in der Schule gelernt? Wohl eher war er bei Heines "Belsazar" etwas unaufmerksam ("Die Mitternacht zog näher schon ..."). Doch vielleicht findet er einmal die Zeit, das Gedicht in Schumanns schöner Vertonung zu hören.
haben ihn zu dem gemacht, was er heute ist.Herr Fischer ist ein lebendes und schreibendes Beispiel dafür, daß gute Politik oder deren Ansatz zum größten Teil aus Opposition oder von "Ruheständlern" kommt.Sein eigener Opportunismus hat ihn seinerzeit dazu gebracht, nach einer USA-Reise vor die Mikrofone zu treten, und zu sagen:"Wir haben die USA nicht zu kritisieren".Daß Gewaltstaaten wie USA und Pakistan machen können, was sie wollen, liegt an dem Verhalten auch unserer politischen "Elite" und nicht an Fischer´s flachen "Erkenntnissen".Wer glaubt, dass es den USA um Freiheit und Demokrtie in der Welt geht, kann die Zusammenhänge ohnehin nicht verstehen.Unterstellt man Herrn Fischer Wissen und Gewissen, haben wir sieben Jahre einen ziemlich dummen Außenminister gehabt.Wahrscheinlicher aber ist, dass er, einmal damit in der Regierungsverantwortung angefangen, das Einlullen und Beschwichtigen nicht mehr nachlassen kann.Mir tut es schon weh, ihm zuzuhören, oder seine "Kolumne" zu lesen.
Sehr geehrter Herr Rene!
Wenn Sie sich die Mühe machen und Fischers Artikel noch einmal lesen, lesen Sie vielleicht heraus, dass er viel differenzierter Stellung bezogen hat zur Situation in Pakistan als Sie es in Ihrem Kommentar darstellen. Fischer schreibt nichts davon, dass "der" Westen daran schuld ist, dass Terroristen Bomben legen. Er beschreibt vielmehr sehr treffend, dass die westliche Unterstützung des Regimes (damals im Iran) u. a. zu Antiamerikanismus führt(e) und damit "eine weitere (! - nicht die alleinige) Antriebsfeder eines revolutionären Nationalismus" ist. ... Schon gar nichts findet man in Fischers Kolumne von dem Vergleich, den Sie ziehen zwischen islamistischen Terroristen und "demoraktischen Widerstandskämpfern". So einfach - wie Sie es sich ausdenken und Fischer in den Mund legen - ist es wohl kaum.
Zu den "Gesellschaften, die restlos unfähig sind, ihre Probleme allein zu lösen" wie Sie schreiben, nur so viel: Glauben Sie wirklich, Probleme einzelner Lände entstehen in einem Vakuum? Glauben Sie nicht, dass die Vorgeschichte im Nahen und Mittleren Osten einen Einfluss hat? Und schließlich ein Beispiel aus der eigenen Geschichte: Glauben Sie, dass wir unsere Probleme (gelinde gesagt), die wir uns ab 1933 eingebrockt hatten, auch hätten alleine lösen können? (Ganz abgesehen davon, dass d i e s e Geschichte auch wiederum eine Vorgeschichte hatte ...)
Freundlich grüßt SieLady Vetinari
leider hat er sich auf diesses Glatteis ziehen lassen und gleichzeitig den Spaltpilz Bhutto auf Drängen der USA ins Land gelassen. Eine Alternative die die Unabhängigkeit Pakistans sichern kann gibt es in Wirklichkeit doch gar nicht China wird sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen, und kulturell ist der Islam dort auf dem Vormarsch was nicht zwangsläufig schlecht ist. Auch Indien ist nicht an unsichern Verhältnissen interessiert. Fischer sieht alles nur aus dem Blickwinkel des Imperiums. Aber die Welt verändert sich rasant , das Strohfeuer des Ölbooms bricht zusammen, und damit auch die Existenzsicherung für die Menschen im Westen auf der die Demokratie beruht. Tagelöhner und Leibeigene werden die Bourgoisie künftig durchfüttern müssen, also soweit is Pakistan schon lange.
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