Ausstellung

Abu Ghraib in Washington

Lange wurde gerungen, nun sind Fernando Boteros Bilder über das Foltergefängnis im Irak in einer großen Ausstellung zu sehen. Die linke US-Intelligenzia jedoch leidet.

Abu Ghraib ist nach Washington zurückgekehrt - als Kunst. Fernando Botero, der kolumbianische Maler, der durch seine lebensfrohen, nachgerade bacchantischen Gestalten weltberühmt wurde, hat die Folterszenen von Abu Ghraib nachgestaltet. Das ist zwar schon zwei Jahre her, aber erst jetzt stellt ein amerikanisches Museum, das Katzen Arts Center des American University Museum, die Gemälde aus.

Dort sind sie nun noch bis zum Ende des Jahres zu sehen, nachdem sie zuvor bereits für ein paar Tage in einer Galerie in New York und in der Bücherei der kalifornischen Universität von Berkeley einer kleineren Öffentlichkeit präsentiert wurden. Teile der amerikanischen Presse war von der Arbeit des Künstlers begeistert, verglichen diese mit Picassos berühmtem Bild Guernica und Botero mit Goya. Die New York Times fühlte sich gar an Bildnisse christlicher Märtyrer erinnert.

Grundlage von Boteros Werk sind Bilder, die die ganze Welt kennt. Der Kolumbianer jedoch hat sie verfremdet durch altbewährte Fleischlichkeit, die fast absurd wirkt. Massige Männer, an den Füßen aufgehängt, mit Hauben oder Schlüpfern über dem Kopf, gefesselt, bedroht von zähnefletschenden, kläffenden Hunden, nackte, blutende Körper, aufeinandergestapelt. Ihre Peiniger sind nicht im Bild, allenfalls ist mal eine behandschuhte Faust zu sehen, ein Stiefel, oder ein Strahl Urin.

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Trotz - oder gerade wegen - der medialen Verbreitung der Originale - Abu Ghraib diente bereits als Vorlage für ein Titelbild im New Yorker , für ein Gemälde von Richard Serra und für eine Parodie auf die iPod-Werbung - war es nicht ganz einfach, die Bilder in der Washington University zu zeigen. Direktor Jack Rasmussen musste einige Überzeugungsarbeit leisten. "Am Ende jedoch hat sich die akademische Freiheit durchgesetzt", sagt er. Es gehe auch nicht darum, US-Präsident George W. Bush zu kritisieren, oder die Republikaner. Es gehe darum zu zeigen, dass Folter nicht amerikanisch sei. "Wir müssen uns erkennen, und dazu hilft uns Kunst."

Auch die Schriftstellerin Erica Jong bläst ins Horn der nationalen Selbstvergewisserung. Die These so mancher Psychologen, dass Folterer Ohnmachtsängste aus ihrer Kindheit kompensieren wollten, sei ihr zu oberflächlich, so Jong in der Washington Post . Und auch Susan Sontags Analyse von einer "vorherrschenden Bewunderung für gewissenlose Brutalität" sei falsch.

Hier gehe es vielmehr um "amerikanische Folter", und die sei anders, weil Amerikaner von sich und ihrem Land eine so hohe Meinung hätten. "Was uns am meisten nervt, ist die Unvereinbarkeit des Bildes, das wir von uns selbst haben, und unser Verhalten in der Realität", meint Jong. Ein Statement, das nachdenklich stimmt, wenn man sich an den Vietnamkrieg erinnert, an die Tigerkäfige und Folter von weiblichen Vietkong.

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Leser-Kommentare

    • 13.11.2007 um 18:09 Uhr
    • FahadA
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  • Von Eva Schweitzer
  • Datum 13.11.2007 - 06:15 Uhr
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  • Kommentare 1
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