Es ereignete sich bei einem Treffen der Staatschefs von Lateinamerika und der alten Kolonialmacht Spanien in der chilenischen Hauptstadt Santiago am Wochenende. Der venezolanische Staatspopulist Hugo Chávez hatte dort einmal mehr alle Register seiner komödiantischen Kunst des Beleidigens und Beschimpfens anderer Staatsmänner gezeigt. Dieses mal war nicht George W. Bush sein Ziel, den er in der UN-Generalversammlung vor wenigen Monaten mit dem nach Schwefel stinkenden Teufel verglichen hatte. In Santiago knöpfte er sich einen Ex-Vasallen des schwefeligen Amerikaners vor, den früheren spanischen Ministerpräsidenten Aznar.

Ihn, dessen Regierung seinerzeit mit einem Putschversuch gegen Chávez sympathisiert hatte, hasst der Venezolaner bis heute. So nannte er ihn gleich in seiner ersten Rede am Eröffnungstag einen „Faschisten“, wobei er zwecks Verdeutlichung der Abscheu, die er gegenüber dem spanischen Konservativen empfinde, zu etwas bizarren tierischen Vergleichen griff: Eine Schlange sei menschenähnlicher als ein Faschist und ein Tiger ebenso.

Die spanische Delegation unter Führung des sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero war darob etwas konsterniert, dann protestierte Außenminister Moratinos intern gegen diese rhetorischen Eskapaden des Venezolaners. Seine Botschaft: Populismus hin, Volkstümlichkeit her, so redet man nicht übereinander unter Staatsmännern. König Juan Carlos und die Delegation beschlossen, der Monarch würde abreisen, wenn dieser Kraftmeier-Stil sich auf der Konferenz als herrschende Umgangsform etablieren sollte. Und Zapatero nahm sich vor, Chávez am nächsten Tag auf den Topf zu setzen.

So einfach geht das aber auch wieder nicht, der Mann ist ein Bulle. Zapatero, zwar hoch gewachsen, aber nicht sehr stämmig, versuchte am Samstag mit fester Stimme, den Volkstribun aus Caracas zu erklären, warum er, der spanische Sozialist und innenpolitische Gegner Aznars, diese Angriffe auf seinen Amtsvorgänger nicht dulden könne. Er belehrte den Staatsmann-Provokateur, dass man mit gewählten Repräsentanten eines demokratischen Volkes so nicht umgehen könne.

Wer Respekt verlange, müsse auch respektieren können. Kein schlechter Punkt, das kam gut rüber im spanischen Fernsehen. Chávez freilich donnerte wiederholt dazwischen, ohne Mikro, aber doch laut genug, um den Redner zu irritieren und zu unterbrechen. Dann ist es passiert, auch Monarchen sind Menschen: Dem König platzte der Kragen. Juan Carlos rief in deutlich vernehmbarer Erregung zu Chávez, so wie ein Zwischenrufer im Parlament, spontan, voll Zorn, mit böser Miene:  „Por que no te callas?“ -  „Warum hältst du nicht den Mund?“

Als danach der nicaraguanische Präsident, der Altrevolutionär Daniel Ortega, den venezolanischen Freund und Sponsor vor der königlichen Zurechtweisung in Schutz nahm, verließ Spaniens Majestät den Saal, seine Gruppe reiste vorzeitig ab. Die Sitzungspräsidentin, Chiles sozialistische, aber nicht populistische Präsidentin Bachelet, unterbrach eilends die Sitzung. Die Konferenz sollte schließlich nicht im offenen Desaster enden.