Spanien "Halt den Mund!"Seite 2/2
Chávez übrigens wäre nicht Chávez, wenn er nicht gleich nachgelegt hätte: Na schön, der spanische König sei ein Staatsoberhaupt so wie er, aber da sei ein kleiner Unterschied, klärte er seine journalistischen Zuhörer auf: „Ich bin demokratisch gewählt, drei Mal.“ Und demnächst auf Lebenszeit, so wie die Dinge in Venezuela laufen, und bald ohne Opposition und ohne unabhängige Medien. Aber egal, das war irgendwie seine Stunde und nicht unbedingt die des spanischen Königs.
Er hatte sich von dem Provokateur aus der Reserve locken lassen und dabei die Contenance verloren. „Still aufstehen und den Saal verlassen wäre würdevoller gewesen“, sagt ein Mitarbeiter der Regierung in Madrid. Wegen des Sandinisten Ortega dann auszuziehen, war in der Tat nicht mehr der optimale Moment. Die lateinamerikanischen Populisten hatten ihren Punkt gemacht.
Immerhin: Wenigstens der international meist etwas linkische José Luis Rodríguez Zapatero hat von dem Eklat ein wenig profitiert. Dass er seinen unter Spaniens Sozialisten verhassten und unter Europas Regierungschef zumindest unbeliebten Amtsvorgänger Aznar so wacker verteidigt hatte, trägt ihm daheim Respekt ein: Sieh an, ein Staatsmann! Auch wenn er Chavez nicht wirklich zum Schweigen gebracht hat: Öffentlich vorgeführt hat er ihn schon. Der protokollwidrige
Ausraster des Königs war ein kleiner Kollateralschaden, der Zapatero umso cooler aussehen lässt.
Aznar jedenfalls rief ihn und den König sogleich an und bedankte sich. Daraufhin konnte Spaniens rechtskonservative Volkspartei dem sozialistischen Regierungschef, obwohl sie ihm sonst zwecks Wadenbeissen ständig auf den Fersen ist, an Chavez’ Rüpelszenen im Augenblick kein direkte Schuld geben. Zapateros Zurechtweisung an den Populisten sei angemessen gewesen, räumte Oppositionschef Rajoy ein. Aber sie sei „leider“ recht spät gekommen. Und vor allem sei der Tumult von Santiago das Ergebnis einer verfehlten Außenpolitik, eine Frucht der „gefährlichen Freundschaften“, welche die Sozialisten in Lateinamerika pflegten. Richtiges Wadl-Beißen war das nicht, aber ein bissel Wadl-Schnappen schon. Im März sind Wahlen.
- Datum 12.11.2007 - 12:53 Uhr
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"Die lateinamerikanischen Populisten hatten ihren Punkt gemacht"
- Haben diese das? Ich persönlich sehe das nicht - was ich sehe, sind Menschen, die andere in nicht ausreden lassen können, aber das umgekehrt von sich sehr wohl fordern. Ein Fastdiktator, der mit einem Holocaust-leugner wie Achmedinedschah kunkelt und gerade dabei ist sein Land von einer Demokratie in eine Diktatur umzuwandeln macht keine Punkte - wir sind nicht in einer Sportveranstaltung oder beim lustigen "Familienraten".Ob diese Leute sich "sotzialistisch" nennen oder nicht spielt dabei auch keine Rolle. Der Typ kann einen nicht ausreden lassen und hätte schon längst von der chilenischen Vorsitzenden zur ordnung gerufen werden oder halt hinausgeschmissen werden müssen. Das wäre halt die Versammlung ohne Venozuela und Nigaragua vonstatten gegangen, wenn die sich an die primitivsten Anstandsregeln nicht halten können. Einezelne benötigen eine gemeinschaft mehr als die Gemeinschaft die Einzelnen.
- oder gerade - weil der die Kontrolle verlor. Er - sichtlich gealtert - hat es auch nicht leicht in letzter Zeit! In Spanien wurde er und die Monarchie zuletzt so kritisiert, wie er es in seiner ganzen Amtszeit nicht gewohnt war. Juan Carlos konnte mit seiner derben Intervention innenpolitisch punkten, Zapatero wird dagegen eine gewisse Hilflosigkeit konstatiert, die die Aktion des Königs erst erforderlich machte. Die Reaktion der Lateinamerikanischen Staatsoberhäupter auf den König machten eine Zeitenwende deutlich. Selbstbewusst wiesen Sie ihn zurück, wie es vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wäre, und alle sprangen einander zu Hilfe bei. Ausgangspunkt war die wachsende Kritik an den (halbstaatlichen) Spanischen Multis, die die Strom-, Gas- und Wasserversorgung in Lateinamerika fest im (Würge-)griff haben.
Ich sehe das genauso wie al.ma.bu und Zagreus. Meine Sympathie gehört in dieser Diskussion auf jeden Fall Juan Carlos. Zapatero wirkte tatsächlich ziemlich hilflos (man beachte vor allem das Video auf YouTube) und Chávez beweist nur einmal mehr, dass er ein Idiot ist.
...wie ich ihn derzeit in allen Medien lesen kann (von Reuters abgeschrieben?).Dass Chavez sich daneben benommen hat, mag schon sein, allerdings wird nirgends auf seine Beweggründe eingegangen oder die Hintergründe seiner Vorwürfe erläutert, dann wäre seine Erregung vielleicht besser zu verstehen gewesen. Jemand der so eine gestriegelte Diplomatenrunde auffliegen lässt, hat bei mir aber auf jeden Fall einen Achtungsbonus. In diesen Kreisen hat man nämlich normalerweise nicht mal Probleme mit Massenmördern und Militärdiktatoren freundlichsten Kontakt zu pflegen, wenn man ein paar Milliardenaufträge erhofft."Und demnächst auf Lebenszeit, so wie die Dinge in Venezuela laufen, und bald ohne Opposition und ohne unabhängige Medien."Ja da ist sie wieder, die verdrehte Halbwahrheit. Unmöglich sowas in der ZEIT zu lesen! Chavez möchte eine Verfassungsreform machen, die nicht unumstritten ist, ABER er legt sie als Referendum vor (das Volk kann abstimmen), wo bitte gibt es das in Deutschland, lieber Herr Perger? Die Verfassungsreform schreibt ihn auch nicht als Präsident auf Lebenszeit fest, sondern ermöglicht lediglich seine wiederholte Wiederwahl. Selbiges gibt es in Deutschland schon lange (siehe H. Kohl), ohne dass es dadurch zu einer Diktatur gekommen wäre. Seine gelegentlichen Ausrutscher in die Medienzensur sind unverzeihlich, aber irgendwie verständlich, denn das Großkapital, allen voran dessen Polit- und Militärorgan, die USA, schracken in der Vergangenheit weder vor Lügen, Hetze, Spionage noch Mord zurück, wenn es darum ging linken Herrschern den Garaus zu machen. Aus unserem deutschen Paradies urteilt man vorschnell, ich weiß nicht, ob ich an seiner Stelle und mit seiner Erfahrung anders gehandelt hätte. Ganz wohl ist mir bei Chavez auch nicht, er begeht eine arge Gradwanderung:http://derstandard.at/?ur...Er selbst hatte eine Dreiteilung des Referendums vorgeschlagen (so könnten einzelne Teile besser abgelehnt werden, ohne dass das ganze Projekt scheitert), weiß leider nicht was daraus geworden ist.Wirklich wohl ist mir ohnehin bei keiner Regierung. Seine (jaja populistischen blabla) Erfolge sind aber bereits beachtlich und nach den Erfolgen soll man die Staatenlenker/innen schliesslich beurteilen und nicht nach dem Gedöns welches sie ununterbrochen absondern (neuerdings sogar in Podcasts *grusel*). Ansonsten wäre zB. Bush nämlich ein Held und Weltenretter.Eine kritische und weitgehend neutrale Analyse zu Chavez und dem Referendum:
http://www.labournet.de/i...
1) Aznar sympatisiert zumindest stark mit dem Faschismus:"...war er politisch schon in den 1970er Jahren federführend in einer an
die Tradition der ursprünglichen faschistischen Organisation Falange Española
der 1930er Jahre anknüpfenden Studentenorganisation (FES) aktiv und
hielt in dieser Funktion u. a. Reden, in denen er sich klar gegen den
Wandel zur Demokratie aussprach."+"Im August 2003 wurde bekannt, dass die Regierung Aznar die Stiftung
"Fundación Nacional Francisco Franco", deren Aufgabe es ist, sich für
das Ansehen des faschistischen Dikatators Franco einzusetzen, über das Kulturministerium mit erheblichen Subventionen unterstützte."http://de.wikipedia.org/w...2) "callar" heißt nicht "Mund"http://dict.leo.org/esde?...Es handelt sich um Herrn Pergers wohlwollende Interpretation. Auf jeden Fall ist es eine herabsetzende, vulgäre Beleidigung. Da hat ein Francozögling mal kurz seine königliche Maske fallen lassen und der alte Rassismus blitzte auf, denn:3) Chavez ist Nachfahre der Urvölker, die von den Spaniern in einem generationenlangen Holocaust vernichtet wurden. Juan-Carlos sollte gefälligst niederknien, wie seinerzeit Willy Brand und ansonsten selbst die Klappe halten.4) Auf Telepolis gibt es einen Artikel, der kritischer über die Reformen in Venezuela schreibt:http://www.heise.de/tp/r4...Hier, in der ZEIT, wird nur ein neues Feindbild gewoben, a la "durchgeknallter Präsident"...
...ist kein Privileg westlicher Länder. Auch wenn Chavez ein gelinde gesagt gewöhnungsbedürftiger Populist sein mag, so steht es ihm doch zu, den gegen ihn geplanten Putschversuch aus dem Jahr 2002 öffentlich anzuprangern. Welche Rolle dabei Aznar, als engem Vertrauten der US Administration, und im weiteren Sinne der Spanischen Krone zuteil gekommen ist, muss im Bereich des Spekulativen bleiben. Dennoch sollte es in einer Debatte, die z.T. die 'Grundwerte der Demokratie' zu verteidigen sucht, nicht unerwähnt bleiben, dass die angegriffenen 'Staatsmänner' Aznar und Juan Carlos nicht als deren lupenreine Verfechter gelten dürfen: Hier ist der gescheiterte Putschversuch sogar nur das geringere Übel: Beide sind nicht unbedingt als politische Gegner des Faschisten Franco bekannt geworden. Auch der 'unglückliche' Umgang Aznar's mit der Wahrheit nach den Bombenanschlägen von Madrid, der zu seiner Abwahl geführt hatte, sollte hier in Erinnerung gebracht werden.
Wohlstand für alle sowie die Bekämpfung der Armut ist prinzipiell nichts schlechtes. Benutzt ein Populist wie Chaves diese aber um sich und seine Macht damit zu rühmen hört bei mir das Verständniss auf. Vorallem da Venezuele auf dem bestem Wege in eine Diktatur ist, falls dies nicht bereits der Fall ist. Also die letzten Wahlen können kaum noch als frei bzw.fair bezeichnet werden.
Und da auch ein Herr Chaves nicht tun und lassen kann was er will sei Juan Carlos verziehen!
Das Wort "Populist" hat eine erstaunliche Karriere gemacht. Und es ist ja auch bequem! Man muß gar nicht mehr argumentieren, wenn man die Bevölkerung ausplündern und entrechten will. Dann ist man ein mutiger Reformer, und wer was dagegen hat, ist halt ein Populist.
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