Ein Duo mit Peter Brötzmann zu spielen, dem Saxofonisten, der vor vierzig Jahren den Free Jazz ins Deutsche übersetzte, ist etwas Besonderes. Zum Auftritt im Schlot in der Chausseestraße hat sich der junge australische Bassist Clayton Thomas, der seit kurzem in Berlin lebt, extra eine Krawatte umgebunden. Der schmale, schwarze Stoff fällt beim Spielen weich über das Holz. Es ist das erste Mal, dass ihn Brötzmann auf die Bühne bittet; da kann man schon aufgeregt sein.

Thomas bewundert Brötzmann, dessen freies, berstendes, kompromissloses Spiel, die Energie und Virtuosität. Dabei ist er selbst inzwischen ein gefragter Musiker, der überall in der Stadt auftritt, zu sehr unterschiedlichen Gelegenheiten.

Auf einem Tisch liegt griffbereit sein Werkzeug: Stangen verschiedener Längen und Durchmesser aus Holz, Metall und Eisen. Dazu metallene Leisten, sein verbeultes Nummernschild noch aus Australien, eine Glocke, Filzklöppel, zwei Bögen.

Auf dem Kontrabass hat er eine sehr eigene Technik entwickelt. Er schiebt, steckt, rammt Gegenstände zwischen die Saiten, um ihren Klang zu verändern und spielt sie dann mit zwei Bögen oder klöppelt auf ihnen. Dann geht er das Holz an, hämmert und schlägt. Es ist ein sehr körperlicher Umgang mit dem Instrument, aufmerksam und voller Hingabe und zuweilen auch komisch, wenn er mit unbewegtem Gesicht sein Nummernschild zwischen die Saiten schiebt. Und alles tönt so ungewohnt.

Der Weg zu einem Gespräch mit Clayton Thomas führt nach Neukölln . Die Luft ist schon gefroren an diesem Morgen, und der Atem steigt in kleinen Wolken nach oben. Auf dem Klingelschild klebt Leukoplast, darauf, mit Kugelschreiber: „Thomas/ Cooper“. Er ist vor einem halben Jahr mit seiner Frau nach Berlin gezogen. Clare Cooper spielt Harfe auf unerhörte Weise. Beide sind fast täglich irgendwo in der Stadt zu hören, in kleinen Clubs, Bars oder in Wohnungen. Wann und wo, das erfährt man per Mail.